EUROLEAGUE

Bayern deklassieren Alba Berlin - der Präsident träumt von Europas Spitze

Das Wesentliche im Blick: Nick Weiler-Babb (l.) war mit 15 Punkten der Treffsicherste in einem starken Bayern-Team.. Foto: Andreas Gora/dpa
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Das Wesentliche im Blick: Nick Weiler-Babb (l.) war mit 15 Punkten der Treffsicherste in einem starken Bayern-Team..

Es war das erste Wiedersehen der beiden Erzrivalen seit dem Berliner Double im Vorjahr. Am Ende zeigte vor allem Herausforderer FC Bayern Muskeln. Vor allem dem Präsidenten wird es gefallen haben - der hat Großes vor.

Berlin – In diesen Tagen hat sich der Präsident bei den Basketballern des FC Bayern mal wieder zu Wort gemeldet. Im Fachmagazin „BIG“ vertiefte Herbert Hainer, was er zum Saisonstart schon angedeutet hatte: Man will auch im Basketball die Nummer eins sein. Nicht nur in Deutschland, auch in Europa. Keine vage Idee, sondern fester Plan, wie der Clubchef betonte. Man habe schon einen Lenkungsausschuss eingesetzt.

Man könnte das schon auch als Bürde sehen für das neue Team. Doch bis jetzt kommt das Ensemble von Trainer Andrea Trinchieri damit bestens klar. Am zweiten Spieltag der Euroleague ließen die Bayern ausgerechnet beim nationalen Rivalen Alba Berlin ein krachendes Ausrufezeichen folgen. 90:72 (52:36) setzte sich der Herausforderer gegen den nationalen Double-Sieger durch. Nicht zuletzt Spieltags-MVP Vladimir Lucic fand es gut, „Wir haben eine tolle Reaktion auf die bittere Niederlage gegen Mailand gezeigt.“

Wobei die Bayern wohl wissen, dass die noch größeren Prüfungen kommen. Nächste Woche muss man binnen von zwei Tagen bei Maccabi Tel Aviv (Mittwoch) und Fenerbahce Istanbul (Freitag) ran. Nicht nur Corona-Hotspots, auch Clubs, die den Schritt aufs höchste Niveau nicht zuletzt dank ihrer wirtschaftlichen Ausstattung schon geschafft haben. Wobei Hainer schon betonte, dass er den Schritt auf Europas Thron keineswegs erkaufen will. Man brauche andere Wege, man wolle am Bayern-Campus wegweisende Infrastruktur schaffen. Und vor allem wolle man exzellente Talente ausbilden. So etwas wie den Thomas Müller des Basketballs also, wie er unserer Zeitung erklärte, „solche Leute wachsen nicht auf den Bäumen, aber das wäre natürlich extrem wichtig für uns.“

Bislang ist zumindest das noch nicht gelungen. Ok, in diesem Jahr haben sich die Bayern die Jugend eher gekauft. Spieler wie den dynamischen Wade Baldwin (24), der schon zum Auftakt gegen Mailand seine Ambitionen angedeutet hatte, der Anführer des ambitionierten Projektes zu werden. Oder der gleichaltrige Landsmann Nick Weiler-Babb. Der US-Profi wurde aus Ludwigsburg geholt, um so ziemlich alles zu machen. Gegen Alba gab er den Vollstrecker. War der Spieler, der den ziemlich unwiderstehlich gestarteten Berlinern mit zehn Punkten im zweiten Viertel (am Ende 15) maßgeblich die Zähne zog. Aus 6 Punkten Rückstand machten die Bayern da 16 Zähler Vorsprung – da staunte sogar der Chef der Gastgeber, Marco Baldi: „Das haben die Bayern eiskalt gemacht.“

Wobei Münchens Coach víel mehr gefiel, wie sich sein Team in der Defensive schlug. Die Bayern dominierten am Korb (Rebounds 30:16), die Bayern stellten aggressiv den Weg zum eigenen Korb zu. Der wacker kämpfende Euroleague-Veteran Jayson Granger (10 Punkte) fand gelegentlich Lücken, der Ex-Bayern Maodo Lo (4) dagegen erlebte wie so viele in gelb einen Abend zum Vergessen. 72 Punkte in einem Heimspiel, das ist eine Ohrfeige für die große Offensivmaschine des Vorjahres.

Was auch den Trainer ziemlich glücklich stimmte. „Ich habe die Spieler gebeten, den Frust aus dem ersten Spiel hier als Motivation zu nutzen“, sagte Andrea Trinchieri, „das haben sie toll gemacht. Das können wir ein bisschen genießen.“ Ein bisschen zumindest – schon heute geht der Blickwinkel auf Tel Aviv.

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