Marko Pesic über Titel, neue Spieler und Etat

"Die Titelverteidigung hat oberste Priorität!"

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Marko Pesic

Nur noch zwei Wochen. Dann starten die FCB-Basketballer in ihre Mission Titelverteidigung. Die tz traf FCB-Geschäftsführer Marko Pesic vorab zum Interview.

München - Nur noch zwei Wochen. Dann starten die FCB-Basketballer in ihre Mission Titelverteidigung. Spätestens seit der schweren Verletzung von Milan Macvan ist klar, dass noch einmal nachverpflichtet werden muss. Die tz traf Geschäftsführer Marko Pesic zum Pre-season-Interview.

Herr Pesic, kurz nach dem Titelerfolg sprachen Sie davon, nicht dieselben Fehler machen zu wollen wie nach der Meisterschaft im Jahr 2014. Hat das funktioniert?

Marko Pesic: 2014 ist es uns nicht geglückt, den Kern der Mannschaft beisammen zu halten. Wir mussten Leistungsträger wie Malcom Delaney oder auch Deon Thompson ziehen lassen. Daher war dieses Mal das Ziel, die Schlüsselspieler unbedingt zu halten. Und das ist uns gelungen: Spieler wie Danilo Barthel und Devin Booker haben ihre Verträge verlängert. Hinzu kommt, dass wir einen Großteil der Meistermannschaft ja bereits unter Vertrag hatten. Insofern ist es uns gelungen – auch, wenn das Ganze eine Herausforderung war.

Es heißt, Spieler wie Danilo Barthel und Devin Booker hatten lukrativere Angebote aus Europa...

Pesic: Natürlich war das Interesse da. Aber lukrativer bedeutet nicht immer besser. Die Rahmenbedingungen zählen immer mit dazu. Außerdem ist ja klar, dass beide auch bei uns eine Verbesserung des Vertrages angeboten bekommen haben. Ganz einfach, weil sie es verdient haben. Es ist auch im Hinblick auf unsere finanzielle Entwicklung ein positives Zeichen, dass wir es schaffen, diese Spieler in München zu halten.

Das heißt, der Etat konnte in diesem Jahr noch einmal gesteigert werden?

Pesic: Was unsere Mitarbeiter im Marketing, Ticketing und Sponsoring-Bereich leisten, ist großartig. Auch in den Jahren, in denen wir keine Titel geholt haben, konnten wir uns Schritt für Schritt weiterentwickeln. Wenn man dann aus einer Saison mit zwei Titeln hervorgeht, vergrößert das das Interesse der Sponsoren und Zuschauer noch einmal mehr, sodass das Budget weiter gesteigert werden kann.

Von wie viel Prozent ist da die Rede?

Pesic: Im Vergleich zur letzten Saison konnten wir uns sicherlich um 10 Prozent steigern.

Höchster Etat der Liga

Wo reihen Sie sich in der BBL ein?

Pesic: Ich denke, dass wir damit das größte Budget in der Liga haben. Auch darauf sind wir stolz, weil wir uns das alles selbst erarbeiten. Allerdings ist dabei zu beachten, dass wir im Sommer eine siebenstellige Summe in Renovierungsarbeiten des Audi Dome gesteckt haben, den wir zudem selbst betreiben.

Handelte es sich dabei um Instandhaltungen oder auch Erneuerungen?

Pesic: Sowohl als auch. Beispielsweise haben wir die Ost-Tribüne erweitert und den vorherigen Durchgang zum VIP-Raum bestuhlt. Außerdem gibt es eine komplett neue Lichtanlage.

Zipser und Cunningham derzeit kein Thema

Hinter einem Schlüsselspieler steht noch ein Fragezeichen: Jared Cunningham. Auch über eine Rückkehr von Paul Zipser wird spekuliert. Wie ist da der Stand?

Pesic: Wir planen mit keinem der beiden. Pauls Priorität ist es, seine Verletzung auszukurieren. Und JCs Ziel ist es, in die NBA zu kommen. Ich wünsche ihm, dass das klappt.

In der vergangenen Woche gab es einen Schock zu verkraften. Milan Macvan hat sich erneut schwer verletzt...

Pesic: Das war in der Tat ein Schock und besonders dramatisch für Milan selbst. Er ist nicht eins zu eins zu ersetzen, auch als Persönlichkeit. Wir schauen, dass wir jemanden finden, der uns qualitativ noch ein Stück weiterbringt und werden hierzu sicherlich in den nächsten Tagen etwas entscheiden. Stand jetzt sieht es danach aus, dass es ein US-Spieler wird.

Sind noch weitere Verpflichtungen geplant?

Pesic: Zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Wir haben alle Spieler bekommen, die wir verpflichten wollten.

Wie beurteilen Sie die bisherige Saisonvorbereitung?

Pesic: Bis auf Milans Verletzung verlief sie exzellent. Ich kann mich nicht erinnern, wann wir das letzte Mal so eine gute Atmosphäre im Team hatten. Man spürt, dass die Meisterspieler gestärkt aus der vergangenen Saison hervorgegangen sind. Die Titel haben gezeigt, dass unser Ansatz, langfristig zu planen und Kontinuität aufzubauen, Erfolg hat.

In den letzten drei Jahren – ohne Titel – mussten Sie immer wieder Kritik einstecken. Erfüllt es Sie mit Genugtuung, Ihre Arbeit nun bestätigt zu sehen?

Pesic: Ich bin Sportsmann. Natürlich tun Erfolge gut. Aber darum geht es mir nicht in erster Linie. Ich habe schon Medaillen aus meiner Profikarriere und nun sind weitere hinzugekommen. Irgendwann hänge ich die bestimmt alle auch mal auf…

Sie hängen noch nicht?

Pesic: Nein. Denn mir ist viel wichtiger, Strukturen aufzubauen, die langfristig Erfolg versprechen. Was nützt es uns, aus einer Saison mit zwei Titeln hervorzugehen und dann bricht auf lange Sicht alles zusammen, nur weil man einmal nicht erfolgreich ist? Für mich war die Stimmung im Audi Dome im fünften Spiel der Finalserie der größte Erfolg. Und das Foto, das unsere gesamte Belegschaft nach der Meisterschaft zeigt, bedeutet mir beinahe mehr als der Pokal.

Die Meisterschaft hat Priorität

In dieser Saison wartet neben der BBL auch die Euroleague. Zuletzt haben sich deutsche Teams, die in der höchsten europäischen Liga spielten, national schwergetan. Wie wollen Sie das verhindern?

Pesic: Der erste Schritt ist, das Ganze als Herausforderung zu sehen. Die Meisterschaft ist unsere Priorität Nummer eins und das wird sich in den kommenden Jahren auch nicht ändern. Bedingt durch die enge Taktung der Spiele gibt es natürlich weniger Trainingseinheiten. Daher müssen wir uns so organisieren, dass wir immer das Maximum aus den Einheiten herausholen können. Hierfür haben wir ein sehr gutes System entwickelt.

Ist das Erreichen der nächsten Runde realistisch?

Pesic: Es wird schwierig. Wir werden alles tun, um unsere beste Leistung abrufen zu können. Was möglich ist, wenn wir gesund bleiben, werden wir sehen.

Sie sind gefühlt immer im FCB-Einsatz. Gibt es auch Momente, in denen es nicht um Basketball geht?

Pesic: Wenige, aber das ist okay. Ich bin da rigoros. Ich habe vor meinem 30. Geburtstag mit dem Profisport aufgehört, weil es mir keine Freude mehr bereitet hat. Wenn mir etwas keinen Spaß bringt, dann höre ich sofort auf. Solange das nicht der Fall ist, mache ich das, was ich tue, zu hundert Prozent.

Wie bekommen Sie dann den Kopf frei?

Pesic: Hin und wieder kurz, wenn ich mit der Familie zusammen bin. Daniele (Baiesi) hat mir zudem die Liebe zum Rotwein vermittelt. Hin und wieder trinke ich ein Glas mit ihm oder meiner Frau.

Auf Ihrem Instagram-Account posten Sie immer wieder den Hashtag #dudarfstniemalsaufgeben. Welche Bedeutung hat das?

Pesic: Das ist eine Art Running Gag bei meinen Freunden und meiner Familie. Denn wenn wir ein Spiel verlieren, bin ich immer ziemlich mies drauf und kann schon etwas eigenbrötlerisch sein. Mein Umfeld nimmt das dann mit Humor und sagt: ‚Marko, nicht aufgeben’. Der Hashtag ist also eine Art Retourkutsche.

Interview: Lena Meyer

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