Basketball-Euroleague

Danilo Barthel: Wiedersehen mit dem Ex

Aus Rot wurde Schwarz-Gelb: Danilo Barthel (r.) spielt seit dieser Saison für Fenerbahce Istanbul.
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Aus Rot wurde Schwarz-Gelb: Danilo Barthel (r.) spielt seit dieser Saison für Fenerbahce Istanbul.

Im vergangenen Jahr war Danilo Barthel noch der Bayern-Kapitän - heute bekommt er es im Trikot von Fenerbahce Istanbul mit seinem Ex-Club zu tun. Der Respekt ist groß

München – Das türkische Grundwissen geht Danilo Barthel schon ganz flüssig über die Lippen. „Adim Danilo“, sagte der Neu-Profi von Fenerbahce Istanbul, „ich bin Danilo.“ Das ist zumindest schon einmal ein Anfang. Und es soll bald mehr werden. Lohnt sich ja auch – für zwei Jahre wird der frühere Kapitän der Basketballer des FC Bayern seine Zelte am Bosporus aufschlagen. Vielleicht auch länger, wer weiß das schon in der schwer berechenbaren Korbjägerszene. Aber nach vorne will der 28-Jährige lieber noch nicht schauen. „Ich bin erst seit ein paar Wochen hier, es ist noch so viel Neuland für mich“, sagte er.

So gesehen kommt ein bisschen Altbewährtes wahrscheinlich gerade recht. Heute Abend (19.45 Uhr) bekommt es Fenerbahce Istanbul mit dem FC Bayern zu tun. Die Münchner schlossen am Mittwoch mit einem bemerkenswert starken Auftritt bei Maccabi Tel Aviv (85:82) in der Tabelle zum Final-Four-Aspiranten aus Istanbul auf. Barthel selbst hat die Entwicklung seiner „Erben“ natürlich verfolgt und ist beeindruckt. „Das sieht alles sehr stimmig aus“, befand er, „die Mannschaft wurde perfekt für das System zusammengestellt, das Andrea Trinchieri in den Club gebracht hat.“

Wobei die Entwicklung für ihn allenfalls im Tempo überraschend kommt. „Dass Bayern in seinen Strukturen sehr weit ist, weiß man ja“, sagte Barthel. Seit einigen Wochen hat er nun Einblick bei einem der Branchenführer des Kontinents und hat festgestellt: „Was das Umfeld betrifft, die Trainingsmöglichkeiten, den Staff, die Facility, steht Bayern nicht schlechter da.“

Sportlich allerdings, das hat er schnell festgestellt, weht bei dem Club, der im asiatischen Teil der 15,5-Millionen-Metropole zu Hause ist, ein anderer Wind. Klar, seit 2015 brachte es Fenerbahce stets ins Finalturnier der Euroleague, allen voran der alles überstrahlende Titelgewinn beim Heimspiel 2017. Was das bedeutet, hat Barthel schon zu spüren bekommen. „Diese Erwartungshaltung merkst du natürlich. Und du bist halt eigentlich immer Favorit.“ Am Mittwoch ging es daneben, gegen ZSKA Moskau gab es ein 78:79. „Absolut unnötig“, wie Barthel fand. Auch für ihn selbst birgt das viel Ungewohntes. Der gebürtige Heidelberger ist im Starensemble vom einstigen Bayern-Wunschkandidaten Igor Kokoskov kein Führungsspieler wie in München, sondern eher der Mann fürs Grobe. Oder wie die Basketballer sagen: für die Dinge, die nicht unbedingt in den Spielstatistiken auftauchen. Barthel hat die Sache angenommen. Seine Startbilanz: „Ganz ordentlich, aber da ist noch viel Luft nach oben.“

Man ahnt: Er wird es mit harter Arbeit angehen. So hat er das in seiner Karriere bislang immer gehandhabt. Auch bei den Bayern, wo Ex-Coach Sasa Djordjevic über die vielen Sondereinheiten des 2,08-Meter-Mannes einmal so besorgt war, dass er ihn kurzerhand nach Hause schickte.

Wobei – was bleibt schon übrig in diesen Tagen als die Konzentration aufs Wesentliche? Freundin und Familie sind in Deutschland geblieben. Und vor dem Hintergrund der Pandemie bewegen sich auch die Fenerbahce-Profis meist nur zwischen Wohnung und Trainingshalle. Sightseeing in der neuen Heimat muss warten. Wobei Danilo Barthel vor den Touren durch Istanbul ohnehin noch einigen Respekt hat. So wagt er sich mit Blick auf die Verkehrsverhältnisse am Bosporus noch nicht einmal an eigenes Auto heran. „Bis jetzt“, sagte Barthel, „mache ich alles im Taxi.“ Oder auf Türkisch: im „taksi“. Klingt eigentlich ganz einfach.

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