Briatore im tz-Interview: "Vettel ist die Nummer 1"

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Flavio Briatore (l.) und Weltmeister Sebastian Vettel.

München - Flavio Briatore (61) berät Fernando Alonso und Mark Webber. In der tz erklärt er, warum Sebastian Vettel derzeit zu stark für seine Jungs ist und warum er nie das Team Vettel/Alonso betreuen würde.

Herr Briatore, wie sehr hat Sebastian Vettel Sie beeindruckt?

Flavio Briatore: Sebastian ist superstark und hat den richtigen Spirit. Im Moment erinnert er mich an Michael Schumacher und Fernando Alonso, als die ihren ersten Titel in der Tasche hatten. Er hat sich selbst bewiesen, was er kann, und zieht daraus mehr und mehr Stärke.

Wie macht er das?

Briatore: Wenn du die Nummer eins auf dem Auto hast, startest du auch mit der Nummer eins im Kopf in die Saison. Sebastian hat ein Jahr mehr Erfahrung, viele Extremsituationen, Höhen und Tiefen erfolgreich durchgestanden. Und er kennt das Auto jetzt noch besser. Außerdem arbeiten er und Mark (Webber; d. Red.) besser zusammen als im vergangenen Jahr. Und das Team macht weniger Fehler. Eine unschlagbare Kombination. Ganz wichtig aber: Ohne das beste Auto wird heute keiner mehr Weltmeister.

Die Frauen des Flavio Briatore

Die Frauen des Flavio Briatore

Also braucht Ihr Schützling Fernando Alonso für 2012 ein besseres Auto?

Briatore: Ja, aber das wird schwer. Du entwickelst das neue Auto heutzutage schon seit Mitte der vorangegangenen Saison. Wenn Team und Management stark sind, dominierst du für mindestens drei, vier Jahre.

Hätten Sie Sebastian als Manager demnach auch geraten, seinen Vertrag bis 2014 zu verlängern?

Briatore: Klar, der Junge hat alles richtig gemacht. Dietrich Mateschitz hat seine Formel-1-Vision bravourös umgesetzt, denn es zählt nicht

Flavio Briatore sieht in den nächsten drei bis vier Jahren wenig Konkurrenz für Red Bull - das Auto ist zu überlegen.

nur das Geld. Es gab schon Teams, die haben zehnmal so viel investiert wie Red Bull und haben trotzdem nie gesiegt.

Ist Red-Bull-Designer Adrian Newey der Schlüssel zum Erfolg?

Briatore: Nein, es ist eine Gruppe von Leuten inklusive Adrian und dem Teamchef Christian Horner, die einfach einen guten Job machen.

Warum ist Sebastian in diesem Jahr so viel stärker als Ihr Klient Mark Webber?

Briatore: In jedem Sport gibt es eine Nummer eins, in der Formel 1 ist das derzeit Sebastian. Aber Mark ist immerhin der Zweitbeste. Das ist auch eine Leistung, die man nicht unterschätzen sollte. Michael Schumachers Co-Piloten haben das nicht immer geschafft. Benetton war früher ein echtes Schumacher-Team.

Ist Red Bull analog dazu ein Vettel-Team?

Briatore: Schumachers Teamkollegen konnten ihn nicht fordern. Das lag daran, dass die Dichte an guten Fahrern geringer war. Wir hatten einen für die Fahrer-WM und einen, der zusätzlich Punkte für die Konstrukteurs-WM einfahren sollte. Red Bull muss das nicht und tut es auch nicht.

Mark hat die gleichen Voraussetzungen. Trotzdem ist auch er nur Punktesammler für die Konstrukteurs-WM.

Briatore: Ich sage Ihnen eins: Als Teamchef würde ich auch niemals die Kombination Vettel/Alonso haben wollen. Die würde das Team in

Sebastian Vettel und Mark Webber - die Fahrer von Red Bull.

zwei Teile splitten und schwächen.

Aber wie kann Ihr Fernando Red Bull dann überhaupt schlagen?

Briatore: Dafür muss Ferrari kreativer werden und mehr Risiko gehen. Wenn man nur den normalen Job macht, schlägt man Red Bull nicht.

Michael Schumacher ist nicht mehr die perfekte Maschine von früher.

Briatore:  Er hat aber auch kein konkurrenzfähiges Auto. Wenn Michael im Red Bull sitzen würde, würde er noch gewinnen. Das ist für mich ganz klar eine Frage der Motivation und des Alters. Allerdings müssen wir respektieren, dass er weiter Spaß an der Formel 1 hat und fahren will.

Ist sein Comeback trotzdem gut für die Formel 1?

Briatore: Ich hätte mich lieber an den Michael aus der Benetton-Ferrari-Zeit erinnert. Er war zu lange weg und kämpft jetzt darum, überhaupt unter die ersten Zehn zu kommen. Das finde ich etwas traurig.

Sollte Vettel eines Tages zu Ferrari gehen?

Briatore: Ferrari ist natürlich ein faszinierendes Team. Aber er sollte dahin gehen, wo er gewinnen kann. Das kann er derzeit bei Red Bull.

Interview: Ralf Bach

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