Auch Karriereende offenbar möglich

Sebastian Vettel: Formel-1-Aus bei Ferrari - gehen dem Weltmeister die Optionen aus?

Für Sebastian Vettel geht es nach diesem Jahr bei Ferrari nicht weiter. Doch wohin zieht es den viermaligen Formel-1-Weltmeister? Beendet er sogar seine Karriere?

  • Wegen der Corona-Krise wird die Formel 1 eine deutlich verkürzte Saison bestreiten.
  • Für Sebastian Vettel* wird es die letzte als Pilot von Ferrari sein.
  • Für die Zukunft bieten sich dem Heppenheimer nicht mehr viele Optionen an.

München - Die Formel-1-Boliden stehen wegen der Corona-Krise seit Wochen still. Statt der mit 22 Rennen umfangreichsten Saison* der Geschichte könnte die WM zum Quickie werden. Frühestens Anfang Juli werden die Ampeln wohl auf Grün schalten. Vorher dominiert Ferrari-Rot. Mit einer Hammer-Nachricht. Sebastian Vettel* und die Scuderia werden am Jahresende getrennte Wege gehen - nach dann hoffentlich sechs Saisons.

Bislang wurde die sportliche Ehe zwar auch von diversen Höhen, jedoch weit mehr Tiefen geprägt. Der erhoffte WM-Titel blieb ein Wunschtraum. Die Fußstapfen seines Idols Michael Schumacher, das von 2000 bis 2004 mit dem Traditionsteam fünfmal nacheinander triumphierte, konnte der Heppenheimer nie annähernd ausfüllen.

Vettel-Abschied von Ferrari: Leclerc mit mehr Siegen und Podiumsplätzen

Im vergangenen Jahr - seinem vorletzten bei Ferrari - musste der viermalige Champion allzu oft seinem jungen Teamkollegen Charles Leclerc die Vorfahrt lassen. Am Saisonende lag der Senkrechtstarter aus Monaco in der Weltmeisterschaft vor Vettel, hatte mehr Siege (2:1) und Podiumsplätze (10:9) verbucht. Schon da zeichnete sich ab: Dem 22-Jährigen gehört die Zukunft. Jetzt ist auch klar, dass Vettel bald Vergangenheit sein wird beim Team aus Maranello.

Diesem Fakt schließt sich natürlich die Frage an: Welche Optionen hat der 32-Jährige in der Formel 1*? Oder kehrt er der Königsklasse tatsächlich nach 14 Jahren den Rücken? Klar wird sein, dass Vettel ein siegfähiges Auto steuern möchte - und davon gibt es bekanntlich nicht allzu viele.

Nur noch in diesem Jahr Teamkollegen bei Ferrari: Sebastian Vettel (l.) fährt seit 2019 gemeinsam mit Charles Leclerc für die Scuderia.

Vettel-Abschied von Ferrari: Mercedes-Piloten im letzten Vertragsjahr

Option 1: Mercedes. Die besten Chancen auf weitere Podiumsbesuche - im Idealfall auf dem obersten Treppchen - würde natürlich Mercedes bieten. Das Team mit Sitz im britischen Brackley dominiert die Formel 1 seit 2014 nach Belieben, hat sechs Fahrer- und Konstrukteurstitel am Stück eingefahren. Sehr zum Ärger von Ferrari und Vettel, die zu oft nur den Heckflügel sahen.

Gut für den Heppenheimer: Die Verträge der beiden aktuellen Piloten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas laufen am Jahresende aus. Es ist zwar kaum vorzustellen, dass Mercedes Hamilton vor die Tür setzt oder ihm mit Vettel den großen Widersacher der vergangenen Jahre an die Seite holt. In dieser Paarung würde schlicht zu viel Zündstoff stecken. Doch warum soll der Brite nach dann acht gemeinsamen Jahren am Saisonende nicht abdanken - gerade, wenn er dann die sieben Titel von Rekordweltmeister Schumacher egalisiert haben sollte?

Für das Motorsport-Land Deutschland, das den letzten heimischen Formel-1-Piloten zu verlieren droht, würde das schon eine besondere Konstellation ergeben: Vettel im Mercedes*. Dem könnten sich selbstverständlich auch die Entscheider bei den Silberpfeilen nicht einfach verschließen. Der österreichische Teamchef Toto Wolff sagte der dpa nach der Verkündung vom Vettel-Aus bei Ferrari: „Sebastian ist ein großartiger Fahrer, eine große Persönlichkeit und für jedes Formel-1-Team eine Bereicherung. Mit Blick auf die Zukunft sind wir in erster Linie gegenüber unseren aktuellen Mercedes-Fahrern zu Loyalität verpflichtet, aber wir können diese Entwicklung natürlich nicht außer Acht lassen.“ Wie heißt es doch im Sport oft so schön? Ein Dementi klingt anders!

Vettel-Abschied von Ferrari: Wechsel zu McLaren keine Option mehr

Option 2: McLaren. Der zweite große Traditionsrennstall neben Ferrari hat ebenfalls schwierige Zeiten hinter sich. Selbst der große Fernando Alonso steuerte die Boliden aus Woking in vier Jahren nicht einmal aufs Podium, fünfte Ränge waren das höchste der Gefühle des rasanten und stolzen Spaniers. Doch zuletzt ging es merklich bergauf - was auch mit dem Motorenpartner-Wechsel zu tun hat. Statt Honda, deren Aggregate für Alonso das Hauptärgernis waren, liefert nun Renault die Power.

Derart angetrieben schoben Formel-1-Neuling Lando Norris und Carlos Sainz jr. den McLaren auf den achtbaren vierten Platz der Konstrukteurswertung - das beste Resultat seit 2012. Der Spanier wird wird nun Vettel-Nachfolger bei Ferrari. Er beendete die Saison auch dank des dritten Platzes beim vorletzten Grand Prix des Jahres in Brasilien auf Rang sechs.

Bitter für Vettel: Das freigewordene Cockpit bei McLaren ist aber bereits wieder vergeben. Daniel Ricciardo wechselt zur Saison 2021 von Renault zu den Briten.

Nachdem bekannt wurde, dass Sebastian Vettel Ferrari verlassen wird, wurde über einen Wechsel des Deutschen zu McLaren heiß diskutiert. Vettel hätte einem im Aufschwung befindlichen Rennstall weitere Expertise bescheren können. Und vielleicht hätte die um ein Jahr auf 2022 verschobene Regel-Revolution das Team ja sogar wieder in Schlagdistanz zu den großen Drei aus Mercedes, Ferrari und Red Bull gebracht. Zumal die Engländer ab kommender Saison auch wieder mit PS-Power aus Stuttgart an den Start gehen werden - diese Kombination gewann bereits drei Fahrer- und einen Konstrukteurs-WM-Titel.

Mit Andreas Seidl gibt es bei McLaren zudem bereits einen Deutschen in wichtiger Position: Der gebürtige Passauer ist der Teamchef. Auf dpa-Nachfrage wollte sich McLaren zunächst nicht zur Personalie Vettel äußern - was die Spekulationen nicht unbedingt einbremste*. Dies ist nun nicht mehr nötig: Ricciardo fährt ab 2021 zusammen mit Lando Norris für McLaren. Vettel wird sich anderweitig umsehen müssen.

Seltenes Bild: So begeistert ließ Sebastian Vettel den Champagner für Ferrari nur selten spritzen.

Vettel-Abschied von Ferrari: Nach Verstappen-Verlängerung hat Red Bull keinen Bedarf

Option 3: Red Bull. Für die Österreicher fuhr Vettel von 2009 bis 2014 und dominierte dabei viereinhalb Jahre lang den Rennzirkus. Mit dem Team bejubelte er 38 seiner 53 Grand-Prix-Siege. Eine Reunion der einstigen Traumkombination wird es aber ziemlich sicher nicht geben. Motorsportchef Helmut Marko hatte schon im vergangenen Herbst erklärt, Vettel habe für das Team „keine Relevanz“, nach der Vertragsverlängerung von Max Verstappen zu Jahresbeginn legte der Österreicher bei motorsport-magazin.com nach: „Durch die Verlängerung von Max kann ich mir nicht zwei Vs bei uns vorstellen. Das ist finanziell schon schwierig.“

Ohnehin setzt Red Bull seit einigen Jahren ausschließlich auf Fahrer, die in der eigenen Akademie groß geworden sind. Motto: Stars formen statt kaufen. Seit Vettels Verpflichtung 2009 wurden alle neuen Fahrer vom Schwester-Team Toro Rosso - ab diesem Jahr unter dem Namen Alpha Tauri unterwegs - übernommen. Das wird wohl auch in Zukunft so sein.

Vettel-Abschied von Ferrari: Renault soll Angebot vorgelegt haben

Option 4: Renault. Auch die Franzosen werden genannt, wenn es um Vettels Zukunft geht. Laut Sky Italia soll er sogar ein Angebot von Renault vorliegen haben. Dort ist nach dem Wechsel von Daniel Ricciardo zu McLaren ein Platz frei geworden. Die Verpflichtung des Australiers vor der vergangenen Saison brachte nicht die erhoffte Annäherung an die Spitze mit sich. Dementsprechend dürfte auch Vettel nur wenig Interesse an einem Engagement haben.

Mit Renault wird inzwischen zudem der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso in Verbindung gebracht. Der 38-Jährige bestritt 2018 sein letztes Formel-1-Rennen, liebäugelte aber immer wieder mit einer Rückkehr in die Königsklasse des Motorsports. Darüber hinaus für er bereits von 2003 bis 2006 sowie von 2008 bis 2009 für die Franzosen und holte mit ihnen seine beiden WM-Titel (2005, 2006).

Vettel-Abschied von Ferrari: Zeit für Reflexion - und das Karriereende?

Option 5: Karriereende. Was zu Jahresbeginn noch undenkbar schien, könnte tatsächlich Realität werden. Hatte Vettel vor Monaten noch betont, sich jung genug für weitere Jahre in der Formel 1 zu fühlen, scheint ihn die Corona-Krise und deren Begleiterscheinungen zum Umdenken gebracht zu haben. In der Pressemitteilung zu seinem Ferrari-Abschied wird der dreifache Familienvater jedenfalls so zitiert: „Was in den vergangenen Monaten passiert ist, hat viele von uns reflektieren lassen, was im Leben wirklich wichtig ist.“

Die Situation habe sich verändert: „Ich selbst werde mir die Zeit nehmen, darüber nachzudenken,was wirklich von Bedeutung ist, wenn ich über meine Zukunft entscheide.“ Ein baldiger Entschluss ist also eher nicht zu erwarten. Auch die Erfahrungen in der wohl dennoch stattfindenden Saison werden sicher mit hineinspielen.

Allerdings gehen dem Heppenheimer allmählich die Optionen aus. Lediglich ein Platz bei Renault ist derzeit vakant. Andere Teams, wie beispielsweise Mercedes, haben aber ihre Fahrerpaarung für die Saison 2021 noch nicht bestätigt.

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mg

Rubriklistenbild: © dpa / Matthias Oesterle

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