Kampf der Supernasen

Darum haben die Autos die neuen Vorderteile

RB10 Sebastian Vettel
+
Sebastian Vettel bei der Testfahrt in seinem neuen RB10.

Jerez - Wer hat die Nase vorn? Das ist die entscheidende Frage in jedem Wettkampf. Normalerweise… In der Formel 1 klingt das nun anders: Wie sieht die Nase aus?

Nico Hülkenberg hat jedenfalls die längste, so viel steht fest. Die Frontpartie seines neuen Force India sieht aus wie ein Rüssel, freundlich gesagt. Es kursierten auch schmutzigere Umschreibungen und Lästermäuler stellten fest: „Der Asphalt läuft davon, wenn der Force India auf die Strecke geht.“

Red Bull baute den RB10 nach dem Prinzip "so breit wie erlaubt"

Wesentlich eleganter sehen McLaren und Mercedes aus, Ferrari und Red Bull wiederum folgten auch nicht gerade den Gesetzen der Schönheit. Egal, wie hübsch nun die Nasen sind, in funktioneller Hinsicht gibt es zwei Konzepte: Tief und schmal ist das eine, so breit wie erlaubt das andere. Letzterem folgten die großen drei, Ferrari, Red Bull und Mercedes. Aerodynamiker zweifeln aber speziell bei Ferrari, ob mit diesem Konzept genügend Luft zum Heck geleitet wird, damit der Diffusor maximalen Abtrieb generiert. Ferrari steht unter enormen Druck, deswegen sind sie Risiko gegangen. Teamchef Stefano Domenicali: „Die technische Herausforderung ist die größte, die ich seit acht Jahren in der Formel 1 gesehen habe. Aber daraus ergeben sich auch Möglichkeiten für die Ingenieure…“

Ferrari mit neuem Formel-1-Auto auf Platz 2

Er sieht seine Mannschaft gut aufgestellt: „Wir haben unser Team in den vergangenen Jahren signifikant verändert. Wir haben auch in einen neuen Windkanal und Simulations-Tools investiert. In Sachen Strategie waren wir immer schon gut.“ Gestern sah das dann so aus: Kimi Räikkönen fuhr raus – und in der ersten Kurve war sein Ferrari schon kaputt. Als er wieder repariert war, konnte er elf Runden drehen und kam auf eine Rundenzeit von 1:27,1 Minuten. Was das wert ist? Platz zwei der Tagesbestenliste, die Lewis Hamilton mit 1:27,8 Minuten anführte – aber auch er fuhr nicht lange: Der Vorderflügel brach. Platz drei holte Valtteri Bottas (Williams, 1:30,1), Platz vier Sergio Pérez (Force India, 1:33,2).

Vettel: Der neue RB10 ist "wie ein Puzzle"

Mit dem RB10 startet Red Bull in die Formel-1-Saison 2014. Das markanteste Merkmal ist die breite und hohe Front.

Allesamt mit riesigem Abstand auf den anscheinend schönen und schnellen Mercedes. Aber immerhin, damit kamen sie alle deutlich weiter als Sebastian Vettel. „Ein Teil ist falsch herum montiert worden“, erklärte der 26-Jährige. Und weil der nagelneue RB10 „wie ein Puzzle“ ist und sein Zusammenbau durchaus etwas mit „Raketenwissenschaft“ zu tun habe, stand Vettel zunächst still, später fuhr er drei Kennenlernrunden. Sky-Experte Marc Surer wunderte sich: „Was mich wirklich überrascht hat – dass die Rennställe nicht fertig geworden sind. Die kommen hier nach Jerez und bauen in der Box die Autos zusammen.“

Vettel hatte durch seine Porbleme genug Zeit, Kritik anzubringen. Die neuen Regeln seien „ein Schritt zurück. Das Rennfahren wird sich verändern. Wir werden nicht das ganze Rennen Vollgas geben können, müssen Sprit sparen, und die Autos würden mehr rutschen.“ Von der gewöhnungsbedürftigen Optik ganz zu schweigen. Aber wenn er wieder siegt, wird ihm auch das egal sein…

Ralf Bach

Darum haben die Autos die neuen Vorderteile

Mercedes setzt auf die Hufeisenform. Ein kleiner, legaler Trick, um die Nase höher bauen zu können. Der Vorteil: Dadurch kann mehr Luft unter dem Auto durchströmen. Noch eine gute Idee: Die Vorderachse, die unten wie ein zusätzlicher Flügel gebaut ist. Die Nase des Silberpfeils fällt in einem Guss von der Vorderachse nach unten, und sie verjüngt sich am vorderen Ende auch nicht in einen dünnen Rüssel. Das ist vergleichsweise schön – und nach den ersten Tests auch schnell. Und warum gibt es die Rüssel-Regel?

Dahinter steckt ein Sicherheitsgedanke. Erstens sollen die Autos langsamer werden und zweitens bei Crashs die Piloten besser geschützt werden. Red-Bull-Designer Adrian Newey allerdings sieht das anders: „Ihre Testreihen haben ergeben, dass es bei einem seitlichen Aufprall eines Autos in ein anderes Auto besser ist, wenn die Nase tiefer gebaut ist. Das klingt auch plausibel. Aber was passiert, wenn es zu einem Auffahrunfall kommt?“ Dann könne es zur Katastrophe kommen, weil „die hintere Crashstruktur höher ist als die vordere. Da kann das auffahrende Auto das andere tunneln.“

Red Bull hat beim RB10 eine breitere und höhere Nase gebaut

Und deswegen gab es am Dienstag auch den ersten Ärger. Red Bull, Ferrari und Mercedes haben breitere und höhere Nasen gebaut, als es der Weltverband eigentlich wollte. Und nun fragen die drei Topteams bei der FIA an, ob ihre Interpretation nicht die sichere Variante wäre. Sie hoffen, dass die FIA jetzt noch mal kurzfristig das Reglement ändert. Unwahrscheinlich. Und so bleibt es wohl bei den aktuellen Lösungen. Newey über den Red Bull: „Der Kiel ist nur da vorne dran, um dem Reglement zu entsprechen.“ Nicht schön – aber vielleicht wieder sehr schnell.

Ralf Bach

Formel 1: Das sind die Fahrer der Saison 2014

Formel 1: Das sind die Fahrer der Saison 2014

Diese 22 Fahrer werden in der Formel-1-Saison 2014 an den Start gehen. Neben einigen Fahrerwechseln dürfte für die Fans die Neuerung bei den Startnummern interessant sein: Jeder Fahrer hat für seine weitere Karriere eine feste Startnummer gewählt. © dpa
Titelverteidiger Sebastian Vettel (26) peilt nach seinem souveränen Triumph 2013 auch 2014 den Titel an. Es wäre der fünfte in Folge. Die Wahl des Heppenheimers bezüglich der Startnummer fiel auf die Nummer 5, doch aufgrund seines Weltmeistertitels 2013 startet er diese Saison natürlich mit der 1. © picture alliance / dpa
Daniel Ricciardo fuhr in den vergangenen zwei Jahren beim kleinen Bruder von Red Bull, bei Toro Rosso. Nach dem Ausscheiden des Australiers Mark Webber übernimmt nun dessen 24-jähriger Landsmann den Platz neben Sebastian Vettel. Er startet mit der Nummer 3. © picture alliance / dpa
Fernando Alsonso (32), der 2012 und 2013 Vize-Weltmeister hinter Vettel wurde, startet mittlerweile im fünften Jahr für den italienischen Traditionsrennstall Ferrari. Ab sofort prangt auf seinem Renner seine persönliche Glückszahl 14. Der Spanier war bereits 2005 und 2006 Weltmeister. © picture alliance / dpa
Der Finne Kimi Räikkönen (34), wegen seiner kühlen Art auch "Iceman" genannt, startet nach einem kurzen Rally-Intermezzo und zwei Jahren im Cockpit von Lotus nun wieder mit der Startnummer 7 für Ferrari. © picture alliance / dpa
Nico Rosberg, der zweite Deutsche im Fahrerfeld, startet seit 2010 für Mercedes. Der Wiesbadener geht mit seinen 28 Jahren in seine mittlerweile zehnte Saison und gehört somit zum festen Inventar der Formel 1. Er wählte die Nummer 6, mit der sein Vater Keke Rosberg 1982 Weltmeister wurde. © picture alliance / dpa
Der 29-jährige Brite Lewis Hamilton, Weltmeister von 2008, startet nach seinem Abgang von McLaren in die zweite Saison mit Mercedes. Er hat die Nummer 44 für seinen Boliden gewählt. © picture alliance / dpa
Sein Landsmann Jenson Button steht vor seiner 15. Saison als Formel 1 Fahrer und fährt seit 2010 für das britische McLaren-Team. Er wählte die Nummer 22, mit der der 34-Jährige 2009 Weltmeister wurde. © picture alliance / dpa
Der 21-jährige Däne Kevin Magnussen ist eines der neuen Gesichter in der Formel 1 und wird das zweite Cockpit bei McLaren besetzen. Er fährt mit der Nummer 20. © picture alliance / dpa
Romain Grosjean (27, Frankreich) haftet aufgrund seiner risikoreichen und teilweise rücksichtslosen Fahrweise das Image eines Crash-Piloten an. Auf Youtube gibt es zahlreiche "Grosjean Crash-Compilation-Videos", die seine verschiedenen Unfälle zusammengefasst zeigen. Dennoch beendete er die letzte Saison auf einem ordentlichen siebten Rang. Kommende Saison wird er im Lotus mit der Startnummer 8 ins Rennen gehen. © picture alliance / dpa
Der Venezolaner Pastor Maldonado (28) wechselt 2014 vom Williams ins Lotus Cockpit und ersetzt dort Kimi Räikkönen. Er landete 2013 in der Fahrerwertung auf Rang 18. Er wählte die eigentlich als Unglückszahl bekannte 13 als seine persönliche Startnummer. © picture alliance / dpa
Adrian Sutil, der von 2008 bis 2011 sowie 2013 für Force India fuhr, wechselte trotz seines bis Ende 2014 datierten Vertrags innerhalb der Formel 1 zu Sauber. Der 31-jährige Deutsche wurde 13. in der letztjährigen Fahrerwertung und geht 2014 mit der höchsten Startnummer (99) ins Rennen. © picture alliance / dpa
Der Mexikaner Esteban Gutiérrez (22) debütierte 2013 in der Formel 1 und landete in der Fahrerwertung auf Platz 16. Er wird oft mit modischem Nasenpflaster gesichtet und startet in seiner zweiten Saison im Sauber-Cockpit mit der Nummer 21. © picture alliance / dpa
Der vierte Deutsche im Fahrerfeld ist Nico Hülkenberg (26). Er kehrt 2014 zu seinem alten Rennstall Force India zurück, für den er bereits 2011 als Testfahrer und 2012 als Stammfahrer aktiv war. Er wurde 2013 im Sauber Zehnter in der Fahrerwertung, fährt nun mit der Nummer 27. © picture alliance / dpa
Nach zwei Jahren bei Sauber und einer Saison bei McLaren wechselte der Mexikaner Sergio Perez (23) nun zu Force India und wird Teamkollege von Nico Hülkenberg. Landete 2013 auf dem 13. Platz der Fahrerwertung. Seine neue Startnummer ist die 11. © picture alliance / dpa
Der langjährige Ferraripilot Felipe Massa (32) wechselt zur neuen Saison zu Williams und bildet dort mit Valtteri Bottas das Fahrerduo. Entschied sich für die 19 als Startnummer. © picture alliance / dpa
Der letztjährige Formel-1-Debütant Valtteri Bottas (24) landete 2013 auf dem 17. Rang der Fahrerwertung. Der zweite Finne neben Kimi Räikkönen startet im Williams mit der Startnummer 77. © picture alliance / dpa
Jean-Eric Vergne (23) fährt seit 2012 für Toro Rosso und belegte 2013 den 15. Platz in der Fahrerwertung. Der Franzose startet ab sofort mit der Nummer 25. © picture alliance / dpa
Der 19-jährige Russe Daniil Kwjat war bei Toro Rosso bereits 2013 aktiv, jedoch nur als Testfahrer. Nach seinem parallelen Titelgewinn 2013 in der GP3-Serie bekam er für 2014 ein Cockpit in der Formel 1. Er startet mit der Nummer 26. © picture alliance / dpa
Der Japaner Kamui Kobayashi fuhr bereits von 2010 bis 2012 für Sauber in der Formel 1. Nach einem einjährigen Gastspiel in der FIA-Langstrecken-Weltmeisterschaft fährt der 27-jährige nun für das Team Caterham. Entschied sich für die 10. © picture alliance / dpa
Der Schwede Marcus Ericsson (l.) startet zum ersten Mal in der Formel 1 und bildet mit Kamui Kobayashi das Fahrerduo des Caterham-Teams. Als Startnummer hat der 23-jährige die Nummer 9 gewählt. © picture alliance / dpa
Jules Bianchi (24) fuhr in seiner Debütsaison nicht in die Punkteränge, darf sich aber dennoch ein weiteres Jahr im Cockpit von Marussia, das 2014 mit Ferrari-Motoren antritt, versuchen. Der Franzose startet mit der Nummer 17. © picture alliance / dpa
Der US-Amerikaner Max Chilton (22) holte wie sein Teamkollege Bianchi 2013 zwar keinen Punkt, fuhr jedoch alle Rennen zu Ende. Landete auf dem 23. Rang der Fahrerwertung und bildet mit Bianchi erneut das Fahrerduo für Marussia. Der Brite startet ab sofort mit der Nummer 4. © picture alliance / dpa

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare