Der Formel-1-Pilot im Interview

Verstappen über Red Bull, Hamilton und seine Führerschein-Prüfung: „Kann mich noch erinnern, dass ich ...“

Max Verstappen ist Red Bulls Hoffnung auf den Weltmeistertitel.
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Max Verstappen ist Red Bulls Hoffnung auf den Weltmeistertitel.

Max Verstappen besitzt großes Talent und fuhr schon mit vier Jahren Rennen. Ob das reicht, 2021 Lewis Hamilton zu schlagen, verrät er im Interview.

München - Das erste Saisonrennen verlor er hauchdünn gegen Mercedes-Weltmeister Lewis Hamilton (36), am Sonntag in Imola (hier im Live-Ticker) will Red-Bull-Star Max Verstappen (23) beim zweiten Lauf der Formel-1-WM zurückschlagen. Das tz-Interview:

Herr Verstappen, nach den Testfahrten gelten Sie als Favorit. In Bahrain mussten Sie sich knapp Hamilton geschlagen geben. Wie schätzen Sie die Kräfteverhältnisse ein?
Verstappen: Ich war schon nach den Tests vorsichtig. Es war ja bekannt, dass Mercedes beim Testen nie alles zeigt – auch wenn sie ein paar Probleme hatten. Aber ich machte mir da nichts vor: Wenn du wie Mercedes siebenmal in Folge die WM gewinnst, bist du der Favorit. Was ich aber sagen kann: Wir bei Red Bull haben einen nahezu perfekten Job gemacht. Jetzt muss man sehen, ob das reicht.
Wie sehr kann man in der modernen Formel 1 als Fahrer noch den Unterschied machen? Gewann Hamilton nur deshalb so viele Titel, weil er ein so überlegenes Auto hatte?
Verstappen: Wenn ein Fahrer ein dominantes Auto hat, können die Gegner nichts machen. Aber Lewis musste immer noch seine Teamkollegen schlagen und das hat er mit einer Ausnahme auch immer geschafft. Er hat schon einen Superjob gemacht. Unser Ziel muss es sein, so nah wie möglich an Mercedes dran zu sein und sie so unter Druck setzen können.
Wie viel langsamer darf Ihr Auto sein, damit Sie trotzdem noch gewinnen können?
Verstappen: Zwei Zehntel pro Runde. Die traue ich mir zu, zusammen mit dem Team wettzumachen. Darüber hinaus wird es schwierig.

Formel 1: Max Verstappen saß schon mit vier Jahren im Kart

Sie fahren Formel-1-Autos. Im Vergleich zu normalem Autos im Straßenverkehr sind das Raketen. Sind Sie trotzdem ein ganz normaler Autofan?
Verstappen: Ja. Meine ganze Familie ist autoaffin. Ich bin als kleines Kind mit Autos aufgewachsen. Die waren immer und überall um mich herum. Rennautos waren auch dabei. Das prägt einen natürlich.
Wann haben Sie das erste Mal ein Auto gesteuert?
Verstappen: Es war unser Mercedes-Sprinter, den wir für die Reisen damals brauchten. Ich war zwölf oder 13 Jahre alt. Der Sprinter stand auf einem abgesperrten Parkplatz neben der Kartstrecke. Mit dem bin ich dann halt mal ein bisschen über den Parkplatz gefahren. Ganz gesittet natürlich. Die erste Kartfahrt machte ich in Gent. Da war ich vier.
Wie verlief Ihre Führerscheinprüfung?
Verstappen: Gut. Ich kann mich noch erinnern, dass ich am nächsten Tag zu einem Formel-1-Rennen fliegen musste. Das heißt: Der eine Schuss, den ich hatte, musste sitzen.
Ist der Fahrprüfer nicht vor Ehrfurcht erstarrt?
Verstappen: Nein, überhaupt nicht. Der behandelte mich wie alle anderen. Das war auch richtig so.

Formel 1: Im Straßenverkehr ist Max Verstappen „extrem entspannt“

Wie fahren Sie auf der normalen Straße? Sehen Sie lauter Hamiltons neben sich oder sind Sie entspannt?
Verstappen: Ich fahre gar nicht so viel. Denn bei meiner wenigen Freizeit will ich es auch genießen, mal zu Hause zu sein. Wenn ich aber fahren muss, bin ich extrem entspannt. Ich achte auf alle Regeln. Schnell Auto fahren kann ich ja in der Formel 1.
In Bahrain musste sich Max Verstappen knapp Lewis Hamilton geschlagen geben.
Haben Sie Lieblingsautos?
Verstappen: Ich liebe Porsche. Ich fahre privat auch einen Honda NSX, den ich ebenfalls sehr gut finde.
Wie kann man den Unterschied zwischen einem Formel-1-Auto und einem normalen PKW erklären?
Verstappen: Ein Rennauto verlangt andere Eigenschaften. Es ist für das Limit gebaut. Die Bremsen müssen für extreme Verzögerung sorgen, die Reifen für extreme Haftung. Dann fahren wir in der Formel 1 ja mit 1000 PS. Es gibt auch Sportwagen für die Straße, die viel PS haben. Aber ein PKW muss andere Kriterien erfüllen: Er muss einfach zu fahren sein und als Fortbewegungsmittel dienen, das keinen Stress verursacht.
Muss es immer ein Neuwagen sein? Sie arbeiten mit CarNext zusammen, das Gebrauchtwagen online verkauft.
Verstappen: Das muss jeder selbst entscheiden. Ich denke, es gibt viele Gebrauchtwagen, bei denen man gar nicht den Unterschied sieht, ob sie gebraucht sind oder neu.
Kann es sein, dass CarNext auch F1-Jahreswagen von Mercedes im Angebot hatte und Aston Martin zugeschlagen hat? Die Ähnlichkeiten der beiden Autos 2020 und auch dieses Jahr ist auffällig.
Verstappen: (lacht) Da müsst ihr am besten Toto Wolff (Mercedes-Teamchef und sehr enger Freund von Aston-Martin-Boss Lawrence Stroll, Anm. d. Red.) mal danach fragen.

Formel 1: 70 Prozent seines Erfolgs schreibt Max Verstappen seinem Talent zu

Sie gelten in der Formel 1 als größtes Talent. Hat man das, oder ist es auch Arbeit?
Verstappen: Talent muss einem schon in die Wiege gelegt werden. Ich hatte das Glück, dass sowohl meine Mutter als auch mein Vater Rennen fuhren. Aber nur mit Talent kommst du nicht weit. Man muss sehr hart arbeiten.
Wie kann man in Bezug aufs Autofahren Talent definieren?
Verstappen: Talent ist, wenn einem ganz am Anfang viele Dinge einfach leicht von der Hand gehen. Dass man Dinge sofort richtig macht, ohne darüber nachdenken zu müssen. Ich denke, Talent macht 70 Prozent des Erfolges aus. Den Rest musst du dir erarbeiten.
Sie kommen extrem selbstbewusst rüber. Kennen Sie so etwas wie Selbstzweifel?
Verstappen: Ich glaube nicht. Ich versuche immer, das Maximale aus mir herauszuholen. Das gelingt mir sehr gut. Wenn das für den Sieg reicht, ist es gut. Wenn nicht, kann ich es halt nicht ändern.
Sie hatten zwei strenge Lehrmeister: Ihren Vater und bei Red Bull dann Dr. Marko. Wer hat Sie mehr geprägt?
Verstappen: Mein Vater. Er fing mit mir an zu arbeiten, als ich vier Jahre alt war und hörte erst damit auf, als ich 16 war und zu Toro Rosso ging. Die perfekte Grundausbildung hatte ich da schon hinter mir.
Mercedes dominiert die Formel 1. Können Sie Dr. Marko Hoffnung machen, dass Sie nicht bald ein Auto mit dem Stern fahren werden?
Verstappen: Wenn es so weiterläuft wie beim ersten Rennen, muss er keine Angst haben.

Das Interview führte Ralf Bach.

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