Interview nach der Sommerpause

Wegen Neffe Mick: Ralf Schumacher packt aus - „Ich als Fahrer hätte mir das nicht gefallen lassen“

Ralf Schumacher spricht nach der Formel-1-Sommerpause im Interview auch über seinen Neffen Mick.
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Ralf Schumacher spricht nach der Formel-1-Sommerpause im Interview auch über seinen Neffen Mick.

Die Formel-1-Saison 2021 beendet die Sommerpause und macht am Wochenende mit dem Belgien-GP weiter. Experte Ralf Schumacher analysiert den Titelkampf und die Situation seines Neffen.

Spa - Am Wochenende kehrt die Formel 1 aus ihrer Sommerpause zurück und gastiert beim Belgien-GP in Spa-Franchorchamps – tz-Interview mit TV-Experte Ralf Schumacher (46), der für Sky die Rennen der Saison 2021 kommentiert.

Herr Schumacher, wie bewerten Sie die erste Saisonhälfte in der Formel 1?
Ralf Schumacher: Es war sehr spannend. Dass endlich mal jemand die Mercedes-Dominanz so ein bisschen unterbricht, ist natürlich Balsam auf die Seele aller. Vor allen Dingen, weil es sehr viele Emotionen zwischen Mercedes und Red Bull gibt. Es fing zunächst noch relativ harmlos an mit Sprüchen und Politik hinter den Kulissen. Das hat sich aber gegen Ende in richtige Aggressionen zwischen den Teams und den Teamchefs gewandelt. Seit Silverstone auch zwischen den Fahrern. Das gibt dem ganzen natürlich noch eine zusätzliche Würze. Besonders die Dünnhäutigkeit der Mercedes-Verantwortlichen finde ich dabei hochinteressant, als Lewis Hamilton in der Kritik stand (nach dem Silverstone-Unfall mit Verstappen, d. Red.).
Wie meinen Sie das?
Schumacher: Ich kann das nicht nachvollziehen. Denn egal, welche und wie viele Titel jemand hat, wir sind alle Menschen, Fehler kann man machen. Für mich war es ein Fehler von Lewis Hamilton, der natürlich für Red Bull große Tragweite hatte. Ich finde es schlimm, dass man da nicht offen darüber sprechen kann.

Kritik an Mercedes und Lewis Hamilton äußerte vor einigen Wochen auch eine deutsche Reporterlegende.

F1 vor dem Belgien-GP: Mercedes, Red Bull und „Verschwörungstheorien“

Max Verstappen ist dieses Jahr extrem stark, hat auch ein sehr starkes Auto, trotzdem führt Hamilton in der WM. Was machen Red Bull und Verstappen falsch?
Schumacher: Gar nichts. Man darf nicht vergessen, dass Max in Baku klar in Führung liegend einen Reifenplatzer hatte und dann zweimal schuldlos von der Strecke geräumt wurde. Das war einfach Pech.
Und Glück für Mercedes…
Schumacher: …genau. Die Verschwörungstheorien sollte man nicht beachten. Mit Absicht ist keine Kollision zustande gekommen. Man kann darüber diskutieren, dass Mercedes im Hintergrund der Formel 1 aufgrund der Erfolge der letzten Jahre einen sehr starken Stand hat und sicherlich bei dem ein oder anderen Protest ein gewisses Gewicht. Dass Toto Wolff zum Rennleiter direkt geht, ist auch nicht die Regel. Das gab es aber früher auch schon.
Was können wir jetzt ab Spa von dem Zweikampf erwarten?
Schumacher: Ich denke, die beiden werden noch öfters aneinandergeraten, weil keiner nachgeben will. Die Frage, die sich mir in erster Linie stellt, ist: Was hat Red Bull in der Sommerpause machen können? Denn eins war schon auffällig: In Ungarn hätte ich Red Bull deutlich stärker als Mercedes auf der Liste gehabt aufgrund ihrer Aerodynamik-Effizienz und Mercedes hatte bis dato ja auch Grip- und Balance-Probleme. Doch Mercedes hat nach Silverstone einen Fortschritt gemacht.
Also sehen Sie Red Bull jetzt nicht nur im WM-Stand hinten, sondern auch hinter Mercedes, was die Performance des Autos angeht?
Schumacher: Ja. In allen Trainings und im Qualifying war ja zu sehen, dass Red Bull sich schwergetan hat. Wenn man da keine Ursache findet, ist das ein Problem. Mercedes hat definitiv etwas gefunden und im Moment sehe ich Red Bull etwas dahinter.

Formel 1: Schumacher über Kritik an Neffe Mick - „Das hätte nicht sein müssen“

Kommen wir zu Ihrem Neffen Mick: Wie schätzen Sie seine Leistungen ein?
Schumacher: Ich finde, der Mick hat seine Sache bisher sehr gut gemacht. Man sieht es nur leider zu selten. Mit dem Haas fährt er nur hintenrum und man kann ihn nur direkt mit dem Teamkollegen vergleichen. Aber man sieht auch, dass er es in Ungarn wirklich gut gemacht hat. Er hat die Autos lange hinter ihm gehalten, hat keinen Fehler gemacht, das Auto nicht überfahren. Das zeigt welche Übersicht er schon hat.
Er hat aber auch schon einige Unfälle…
Schumacher: Die Unfälle sind unglücklich ja, aber ich persönlich habe ein Problem damit gehabt, wie Günther Steiner (Haas-Teamchef, d. Red.) ihn öffentlich kritisiert hat. Ich als Fahrer hätte mir das nicht gefallen lassen. Ich mag den Günther Steiner total, aber das hätte nicht sein müssen. Das wäre ja das gleiche als wenn der Mick im Meeting sagen würde, das Auto war richtig gut und dann geht er raus und sagt: „Boah, was für eine Scheiß-Karre“. In der Sache hat er ja recht. Es passieren zu viele Unfälle.
Wie geht Mick mit der Aufmerksamkeit um?
Schumacher: Er macht das extrem gut. Wir sehen einen ganz anderen Mick als noch letztes Jahr. Er hatte einen schweren Start in der Formel 2, der Druck war da, er musste die Formel 2 gewinnen. In den Interviews merkt man, dass er immer lockerer und lockerer wird.
Die Formel 1 kommt jetzt nach Spa. Dort hat vor 30 Jahren Ihr Bruder Michael sein Debüt gegeben. Wissen Sie noch, wie Sie das damals erlebt haben?
Schumacher: Ich war auf der Kartbahn, da bin ich mir ziemlich sicher. Ich weiß noch, wie schwer es war, das Geld zusammenzubekommen. Aber was das ins Rollen gebracht hat, nicht nur für Michael, sondern für den ganzen Motorsport in Deutschland, da war das schon ein ganz schön historischer Tag.
War es für Sie nichts Besonderes, dass Ihr großer Bruder Formel 1 fährt?
Schumacher: Doch natürlich, aber auf der anderen Seite war es doch sehr weit weg für uns. Der Imbiss war noch voll im Betrieb, unsere Mutter stand hinter der Theke. Den Start habe ich mir sicher noch angekuckt, danach weiß ich nicht mehr, was ich noch machen musste. Unser Vater hatte keine Zeit den Start zu schauen. Er war hinten am Leihkart. Das war halt so.

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Das Interview führte Ralf Bach

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