Wer folgt Seb und Mick?

Deutscher Nachwuchs hat die Formel 1 im Blick: Bald neben Vettel und Schumacher in der Königsklasse?

Rennfahrerin Sophia Flörsch setzt ihren Helm ab.
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DTM-Fahrerin Sophia Flörsch hat die Formel 1 fest im Visier.

Vor elf Jahren drehten sieben Deutsche gleichzeitig in der Formel 1 ihre Runden. Inzwischen sind es nur noch zwei. Ein paar wenige Talente machen aber Hoffnung.

München - Als Mitte des vergangenen Jahres die ersten Formel-1-Fahrerpaarungen für 2021 bekannt gegeben wurden, suchte man noch vergeblich nach einem deutschen Piloten. Vierfach-Weltmeister Sebastian Vettel wurde von seinem Ferrari-Team unschön vor die Tür gesetzt. Der Heppenheimer stand sogar ungewollt vor dem Karriereende - bis sich überraschend die Tür bei Aston Martin auftat. Und Mick Schumacher? Der agierte im Meisterschaftskampf der Formel 2 als Außenseiter. Mit einer starken zweiten Saisonhälfte sicherte er sich aber den Titel - und damit auch ein Cockpit bei Haas in der Königsklasse.

Vettel, Schumi, Rosberg & Co.: Sieben Deutsche fuhren 2010 in der Formel 1

Wenn man so will, können sich die deutschen Fans also glücklich schätzen, dass überhaupt zwei Landsmänner im Fahrerfeld vertreten sind. Vor elf Jahren sah das allerdings noch ganz anders aus. In der Saison 2010 waren neben Vettel Michael Schumacher, Nico Rosberg, Nico Hülkenberg, Adrian Sutil, Timo Glock und Nick Heidfeld Teil der Rennserie. Die Piloten aus der Bundesrepublik prägten die Formel 1 nach der Jahrtausendwende maßgeblich. Unter anderem gingen zehn der 21 WM-Titel seit 2000 an einen deutschen Fahrer.

Wir haben ein Riesenproblem. Das fängt schon im Kartsport an. Wir haben kaum noch Strecken, die Kartfahrer werden immer weniger.

Ex-Formel-1-Fahrer Ralf Schumacher über die Nachwuchs-Situation in Deutschland

Von der „Formel Deutschland“ ist inzwischen nichts mehr übrig. Motorsport-Talente sind hierzulande immer schwieriger zu finden. „Ich rede seit acht Jahren davon, dass wir ein Riesenproblem haben“, kritisierte Ex-F1-Pilot Ralf Schumacher bei Sport1: „Das fängt schon im Kartsport an: Wir haben kaum noch Strecken, die Kartfahrer werden immer weniger. Wenn ich keine Setzlinge habe, habe ich am Ende des Tages auch keine Bäume. Das ist jetzt das, was uns passiert.“

Formel 1: Karriere im Motorsport für viele zu teuer

Die große Hürde: Eine Karriere im Formelsport ist sehr kostspielig und ohne einflussreiche Sponsoren kaum zu finanzieren. Trotzdem finden sich beim genaueren Hinsehen durchaus vielversprechende deutsche Talente in den Nachwuchsserien. Ralf Schumacher müsste das eigentlich am besten wissen. Schließlich gehört auch sein Sohn David dazu. Ein Überblick über die verbliebenen deutschen Hoffnungsträger für eine Zukunft in der Formel 1:

Lirim Zendeli: Der 21-Jährige aus Bochum ist einem Engagement in der Formel 1 wohl am nächsten. Für das niederländische Team MP tritt er in diesem Jahr erstmals in der Formel 2 an. Doch zu vielen Konkurrenten in der Nachwuchsserie hat Zendeli einen entscheidenden Nachteil: Er ist nicht in einem Förderprogramm eines aktuellen F1-Teams. „Es frustriert natürlich schon, wenn Leute, die absolut keine Ahnung haben, wo Gaspedal und Bremse sind, dann Formel 1-Tests fahren dürfen“, erklärte er in einem Interview mit Auto Motor Sport.

Im Video: Zendeli über die Herausforderungen einer Karriere im Formelsport

Das nötige Selbstvertrauen für einen Einstieg in die Königsklasse kann Zendeli auf jeden Fall schon einmal vorweisen: „Mich spornt das noch mehr an, Gas zu geben und zu zeigen, dass die aufsteigen sollten, die es verdienen und nicht die, die einfach nur in die Tasche greifen müssen.“ In seinem Premierenjahr in der Formel 2 geht es für Zendeli ohnehin erst einmal darum, Erfahrungen zu sammeln. Empfehlen für die Formel 1 kann er sich wohl frühestens 2022.

David Beckmann: Wie Zendeli darf sich auch David Beckmann in diesem Jahr in der Formel 2 beweisen. Nach einem starken sechsten Platz in der Formel-3-Gesamtwertung 2020 geht er in diesem Jahr eine Kategorie höher für Charouz Racing an den Start. Beim Auftaktwochenende in Bahrain wusste das Talent aus Iserlohn schon einmal zu überzeugen. Im ersten Sprintrennen der Saison fuhr er als Dritter direkt auf das Podium.

Ich bin jetzt so nah dran. Deshalb bleibt es mein Traum, in die Formel 1 zu kommen.

Formel-2-Fahrer David Beckmann

„Ich bin jetzt so nah dran, deshalb bleibt es mein Traum, in die Formel 1 zu kommen“, sagte der 21-Jährige kürzlich zu Motorsport-total. Weil er um die enorme Konkurrenz weiß, beschäftigt sich Beckmann aber auch mit Alternativen. „Es gibt auch andere Sprungbretter als die Juniorklassen“, erklärt er. „Nur weil man nicht direkt aus der Juniorklasse in die Formel 1 kommt, heißt es nicht, dass man das nie schafft.“

David Schumacher: Ähnlich wie sein Cousin Mick ist Ralf Schumachers Sohn David mit einem bekannten Nachnamen gesegnet. Das kann zwar die eine oder andere Tür öffnen, vor allem aber bedeutet das großen Druck für einen jungen Fahrer. „Die Jungs sind mehr im Fokus“, merkte auch Papa Ralf gegenüber RTL an.

Die Jungs sind mehr im Fokus.

Ralf Schumacher über seinen Neffen Mick und seinen Sohn David

David bestreitet in diesem Jahr seine zweite Formel-3-Saison und muss sich deutlich steigern. 2020 gelang ihm nicht ein einziger Punktgewinn. Schumacher ist allerdings auch erst 19 Jahre jung. Zum Vergleich: Auch Mick befand sich in dem Alter in seiner zweiten Formel-3-Saison. In einem neuen Auto ließ David Schumacher sein Talent beim diesjährigen Auftaktrennen in Spanien schon einmal aufblitzen. Die Punkteränge verpasste er nur um Haaresbreite. Es könnte der Beginn einer Durchbruch-Saison gewesen sein.

Sophia Flörsch: Die Münchnerin hat sich vor dieser Saison zunächst aus dem Formelsport verabschiedet. Statt wie David Schumacher ein weiteres Jahr Formel 3 zu fahren, hat sich die 20-Jährige der neuen DTM verschrieben. „Mein großes Ziel ist es, 2022 auch in der Formel 2 zu fahren. Um das zu ermöglichen, brauche ich Sponsoren, um dieses große Paket zu stemmen. Und wenn ich in der DTM gute Rennen abliefere, habe ich bessere Chancen als in der Formel 3“, begründete sie ihre Entscheidung im Gespräch mit dem Motorsport-Magazin.

Es wird viel über Frauen gesprochen, aber Unterstützung spüre ich nicht.

DTM-Fahrerin Sophia Flörsch

Seit ihren Anfängen im Motorsport kämpft Flörsch aber nicht nur um Siege, sondern auch um Gleichberechtigung. Regelmäßig prangert sie die fehlende Chancengleichheit für Frauen an: „Im Motorsport wird viel über Frauen gesprochen, aber Unterstützung spüre ich nicht“, sagte sie vor einem Jahr im tz-Interview. (jn)

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