FIA plant drastische Bestrafung

"Mercedes? Teert und federt sie"

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Beigeschmack: Rosberg bei seinem Sieg in Monaco.

München - Der Reifentest von Mercedes hat ein Nachspiel. Die FIA plant eine drastische Bestrafung. Sebastian Vettel ist sauer auf den Daimler-Aufsichtsratsvorsitzenden Niki Lauda.

Es stinkt Sebastian Vettel. Es stinkt ihm sogar gewaltig. Den Mercedes-Test vor dem GP in Monaco findet er unfair. Mercedes hätte die Regeln gebrochen. Und das gehöre bestraft. Besonders auf Mercedes-F1-Aufpasser und RTL-Experte Niki Lauda hegt der Weltmeister einen Groll. Wenn RTL ihn noch mal wegen Mercedes fragt, hat der Weltmeister vor, zu sagen: „Fragt doch Euren unabhängigen Experten Niki Lauda!“

Vettel und sein Red-Bull-Team sind vor dem GP von Kanada in Montreal am Sonntag (20.00 Uhr) immer noch sauer auf Mercedes. Der Grund: Er hatte das Rennen gegen Nico Rosberg in Monaco verloren. Und er war einer der ersten, die von dem umstrittenen Reifentest im Vorfeld des Großen Preises von Monaco erfahren hatte.

Was war geschehen: FIA-Rennleiter Charlie Whiting hatte sich bei einem Treffen mit Vettel, Ferrari-Entwicklungsfahrer Pedro de la Rosa und Jenson Button, den drei Direktoren der Fahrervereinigung GPDA, verplappert. Die pikanten Details, die der Brite offenbarte: Nico Rosberg und Lewis Hamilton fuhren in Barcelona einen 1000-Kilometer-Reifentest – und das im aktuellen Mercedes mit der aktuellen Technikercrew. Ein strenger Verstoß gegen das Regelwerk der Formel 1, das Tests während der Saison verbietet.

Doch Pirelli war in der Zwickmühle. Die aktuelle Reifengeneration heizt sich wegen einer neuen Konstruktion zu schnell auf. Die Folge: Besonders am Mercedes verschlissen die hinteren Sohlen bis zum Rennen in Barcelona übermäßig stark. Immer wieder kritisierte Aufsichtsrat Niki Lauda deshalb die schwachbrüstigen Pirelli-Gummis. Als das Team aus Brackley daraufhin eine Einladung zu einem Reifentest für 2014 erhielt, zögerte Teamchef Ross Brawn nicht lange. Bei FIA-Rennleiter Charlie Whiting holte er sich angeblich die Genehmigung für ein aktuelles Auto. Obwohl der das alleine gar nicht entscheiden durfte.

Denn ausgerechnet Whiting hatte die Teams schon 2012 darauf aufmerksam gemacht, dass alle Mannschaften einer solchen Probefahrt im Vorfeld zustimmen müssen. Dennoch hat keiner der Beteiligten die Konkurrenz im vorliegenden Fall informiert. Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali: „Wenn wir davon gewusst hätten, wären wir doch die Ersten gewesen, die ebenfalls mit dem aktuellen Auto hätten testen wollen.“

Das Geschrei ist jetzt groß. Red Bull, Ferrari, Sauber und Toro Rosso fordern drastische Strafen für die Stuttgarter und unterstellen Mercedes einen illegalen Wettbewerbsvorteil. Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost: „Das ist der schwerste Regelbruch der letzten Jahre.“ Nach tz-Informationen wollten die vier Rennkommissare Mercedes in Monaco auf der Stelle für das nächste Rennen sperren, verwiesen den Fall wegen der politischen Brisanz aber zunächst zurück an die FIA, die jetzt über das Strafmaß nachdenkt. Der Plan: Am Ende des Jahres soll Mercedes in der Konstrukteurswertung zwei Plätze nach hinten gestuft werden. Das bedeutet nicht nur einen Imageverlust, sondern auch finanzielle Einbußen, weil die Einnahmen aus Eccle­stones Vermarktungstopf dann geringer ausfallen. Die gegnerischen Teams wollen sich damit aber nicht zufriedengeben. Sie fühlen sich betrogen. Ein Teamchef zur tz: „Mercedes muss geteert und gefedert dastehen. Der Skandal ist zu groß.“

Die Mercedes-Verteidigung beruft sich auf die Mitwisserschaft von Pirelli und der FIA. Und auf einen Ferrari-Test, der ebenfalls illegal gewesen sei. Hintergrund: Auch die Italiener wurden von Pirelli zu Testfahrten in Barcelona eingeladen, stellten dafür aber ein Modell aus 2011 und Fahrer Pedro de la Rosa bereit. Das Problem: Die FIA verbietet ebenfalls Tests mit Autos, die „im wesentlichen“ dem Reglement von 2012 entsprechen. Weil sich die Regeln seit 2011 aber kaum verändert haben, gelte das auch für den genutzten Ferrari. Eine Grauzone, die Interpretationsspielraum lässt.

Vettel von A bis Z: Seine Lieblingsband, sein Markenzeichen

Vettel von A bis Z: Seine Lieblingsband, sein Markenzeichen und mehr

A wie Adrian Newey, Red-Bull-Technikguru und Konstrukteur der Weltmeisterautos © Getty
B wie Beatles, Sebastians Lieblingsgruppe © Getty
C wie Christian Horner, als Teamchef bei Red Bull Vettels Vorgesetzter © Getty
D wie Deutschland, Vettels Heimat, in der er aber bislang noch kein Formel-1-Rennen gewonnen hat © Getty
E wie Ehrgeiz, eine von Vettels herausragenden Eigenschaften: Er kann nicht verlieren, egal, wobei © Getty
F wie Fußball, womit Vettel schon als Kind aufgehört hat, weil er nicht gut genug war © Getty
G wie Geld, nicht so wichtig für Vettel, weshalb er lieber seine Ruhe genießt als noch mehr Werbeverträge abzuschließen © Getty
H wie Haare, blond und bares Geld wert - durch einen Werbevertrag mit einem Shampoo-Hersteller © Getty
I wie Indianapolis, der Ort von Vettels erstem Formel-1-Rennen, in dem er 2007 gleich als Achter einen WM-Punkt holte © Getty
J wie Jubelschreie, Vettels Ausbrüche am Boxenfunk nach gewonnenen Rennen sind fast schon legendär © Getty
K wie Kinky Kylie, Kosename für Vettels Rennauto © Getty
L wie Lächeln, mit dem der Weltmeister viele - vor allem weibliche - Fans fasziniert © Getty
M wie Monza, Ort von Vettels Durchbruch. Dort fuhr er 2008 im Toro Rosso als jüngster Fahrer der Formel-1-Geschichte auf die Pole Position und gewann ein Rennen © Getty
N wie Norbert, Vettels Vater, der die Karriere seines Sohnes von Beginn an unterstützt hat © Getty
O wie Otto Waalkes, der in der Bild-Zeitung ein Gedicht widmete © Getty
P wie Perfektion, ein Status, den Vettel immer anstrebt © Getty
Q wie Qualifikation, Vettels Domäne, in 12. von 15 Rennen fuhr Vettel in diesem Jahr auf die Pole Position © Getty
R wie Red Bull, Vettels Förderer schon seit Kartzeiten © Getty
S wie Suzuka, die Strecke, auf der er in drei Jahren zwei Rennen und einen WM-Titel gewann © Getty
T wie Tommi Parmakoski, Vettels finnischer Fitnesstrainer und Physiotherapeut, mit dem er übers Jahr gesehen die meiste Zeit verbringt © Getty
U wie unermüdlich, Vettel ist abends meist der Letzte im Fahrerlager, diskutiert lange mit seinen Ingenieuren © Getty
V wie Vettel-Finger, sein Markenzeichen, und als blaue Schaumstoffversion Standardausrüstung eines echten Vettel-Fans © Getty
W wie Wille, mit dem Vettel im vorigen Jahr in letzter Minute doch noch seinen ersten Titel geholt hatte © Getty
X wie x-beliebig, genau das, was Vettel nicht ist © Getty
Y wie youngest, englisch, steht für Vettels Rekorde, die er als jüngster Fahrer der Formel-1-Geschichte holte © Getty
Z wie Ziel, für Vettel immer gleich: beim nächsten Rennen das Optimum herausholen © Getty

Ob Mercedes mit dieser Argumentation durchkommt, ist zweifelhaft. Immerhin aber hat das Silberteam jetzt schon den Friedensnobelpreis verdient. Mit ihren Anschuldigungen haben sie die Erzfeinde der Vorjahre noch enger zusammenrücken lassen. Red Bull-Motorsportchef Helmut Marko sagt: „Unser Protest richtet sich ausschließlich gegen Mercedes. Und da werden wir nicht nachgeben. Ferraris Test mit dem alten Auto stört uns nicht.“

Ralf Bach

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