onntag Formel 1 in Hockenheim / Wie gut sind die Deutschen?

Nick Heidfeld schielt auf den Sieg

Nick Heidfeld will es am Sonntag wissen.
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Nick Heidfeld will es am Sonntag wissen.

Hockenheim - Wir sehen Nick Heidfeld, Deutschlands besten Formel-1-Piloten. Entschlossener Blick, weit in die Ferne gerichtet.

Am Wochenende (Sonntag, 14 Uhr, RTL und Premiere live) ist Großer Preis von Deutschland in Hocken­heim – und Quick Nick rechnet sich Einiges aus. Zu Recht? Und welche Chancen haben die anderen deutschen Piloten? Das tz-Formbarometer verrät’s Ihnen:

Nick Heidfeld (31, BMW): Ein sicherer Punktekandidat. Eine Podiumsplatzierung ist drin, mit Glück sogar ein Sieg. Zwei Wochen ist es jetzt her, dass Heidfeld Zweiter in Silverstone wurde – sieht so aus, als sei da der Knoten geplatzt. Endlich hat Nick es geschafft, die Reifen ordentlich auf Temperatur zu kriegen. Dieses Problem hatte Heidfeld bis zum britischen Grand Prix so sehr beschäftigt, dass er fast schon am Verzweifeln war. Weil er in der ersten Saisonhälfte – trotz fehlerloser Rennen – klar im Schatten seines Teamkollegen Robert Kubica stand. Heidfeld: „Ich bin zum Glück mental sehr stark. Ich war schon oft genug in Situationen, wo es ähnlich viel Druck gab. Aber dass mein Teamkollege auf so lange Zeit schneller war als ich, das war neu.“ Sorgen um seine Zukunft machte er sich aber nicht – trotz der Gerüchte, die schnell aufkamen. Heidfeld: „Das ist Teil des Geschäfts. Seit ich in der Formel 1 bin, wurden schätzungsweise schon 95 Fahrer in mein Cockpit geschrieben. Jeder will in die Formel 1, jeder will in ein Top-Team.“

Nico Rosberg (23, Williams): Für ihn wird’s schwer. Bestenfalls sind Punkte drin. Podium oder Sieg? Nur im Traum. Die Wirklichkeit ist eher trist – das hängt aber nicht mit fehlendem Talent des gebürtigen Wiesbadeners zusammen, sondern mit der schwachen Form seines Autos. Williams hat als Privatteam keine Chance gegen die High-Tech-Abteilungen von Werksteams wie BMW oder McLaren-Mercedes. Rosberg sagt: „Wir sind in einer schwierigen Situation. Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir noch mal große Energien für das diesjährige Auto investieren oder lieber schon an nächstes Jahr denken und entwickeln.“ Langfristig ist der WM-Titel Nicos Ziel, ganz klar. Rosberg: „Wenn das mit Williams nicht geht, muss ich halt dahin gehen, wo das möglich ist.“ Zum Beispiel zu McLaren-Mercedes. Trotz Williams-Vertrags für 2009 will sich Nico nicht hundertprozentig festlegen. Er sagt: „Das ist wie im Fußball. Schauen Sie sich den Fall Podolski an. Der hat einen Vertrag für nächste Saison beim FC Bayern. Aber spielt er auch dort…?“

Sebastian Vettel (21, Toro Rosso): Der Benjamin unter den deutschen Formel-1-Piloten. Das heißt aber nicht, dass er hinten ansteht. Im Gegenteil: Sein Toro-Rosso-Team bekommt das Auto immer besser in den Griff – und Vettel selber lernt jeden Tag dazu. „Er hat Schwämme im Kopf und saugt alles auf“, stellt Toro-Rosso-Technikchef Giovanni Ascanelli voller Bewunderung fest. Punkte in Hockenheim wären keine Überraschung. Vettel macht keinen Fehler zweimal und fährt dann seine Punkte ein, wenn die Schwächen des Autos keine so große Rolle spielen. Wie im Regen von Monaco oder beim Chaos-Rennen von Montreal. Das ist ein Zeichen für außergewöhnliches Fahrtalent. Kein Wunder, dass Toro Rosso den jungen Star unbedingt halten wollte. Geklappt hat das aber nicht… Ab 2009 fährt Vettel fürs Mutter-Team Red Bull Racing.

Timo Glock (26, Toyota): Der Hockenheimring ist so was wie die Wiege seiner Motorsportkarriere. Timos Geburtsort Wersau ist nur 70 Kilometer weg. Nach der Hälfte der Saison weiß Glock, dass er maximal von Punkten träumen kann. Sein Hauptziel muss sein: seinen italienischen Teamkollegen Jarno Trulli schlagen – und das wird schwer genug. Er habe Trulli ein wenig unterschätzt, gibt Glock zu. Aber: „Langsam weiß ich, was ich tun muss, um auf Augenhöhe mit Jarno zu sein.“ Glocks Manager Hans-Bernd Kamps glaubt an seinen Schützling: „Timo ist wie ein zäher Kampfdackel. Wenn der sich mal festbeißt, lässt er nicht mehr los.“

Adrian Sutil (25, Force India): Der Münchner fährt nicht um Punkte, sondern um seine F-1-Zukunft. Sein Manager Manfred Zimmermann ist nicht ganz unschuldig daran. Hatte der doch vor Sutils Debütsaison 2007 so sehr von den Fähigkeiten seines Schützlings geschwärmt, dass die Fachwelt ganz besonders genau hinschaute. Die Vorschusslorbeeren fielen jetzt zentnerschwer auf Adrian zurück. Sutil weiß: „Meine Hauptaufgabe im Moment ist, schneller als mein Teamkollege zu sein.“ Die Chancen, dass er das in Hockenheim wieder schafft, stehen nicht schlecht. Seit Monaco wirkt Sutil insgesamt stärker als Fisichella.

Ralf Bach

Quelle: tz

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