Schock für Vettel: Software-Verbot?

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Sebastian Vettel: Ausgebremst?

Barcelona - Der oberste FIA-Regelhüter Charlie Whiting plant noch vor Start der Saison einen Kahlschlag. Er will die Motorensoftware von Sebastian Vettel und Mercedes verbieten lassen!

Dunkle Wolken ziehen auf vor dem Formel-1-Eröffnungsrennen in Melbourne am 18. März. Die Testfahrten in Barcelona im Moment: Sind sie nur noch Makulatur? Der Grund, wie die tz erfuhr: Der oberste FIA-Regelhüter Charlie Whiting plant noch vor Start der Saison einen Kahlschlag. Er will die aktuell benutzten „engine mappings“ (Motorsoftware) von allen Autos, die Renault- und Mercedes-Motoren benutzen, verbieten lassen.

Vettel von A bis Z: Seine Lieblingsband, sein Markenzeichen und mehr

Vettel von A bis Z: Seine Lieblingsband, sein Markenzeichen und mehr

A wie Adrian Newey, Red-Bull-Technikguru und Konstrukteur der Weltmeisterautos © Getty
B wie Beatles, Sebastians Lieblingsgruppe © Getty
C wie Christian Horner, als Teamchef bei Red Bull Vettels Vorgesetzter © Getty
D wie Deutschland, Vettels Heimat, in der er aber bislang noch kein Formel-1-Rennen gewonnen hat © Getty
E wie Ehrgeiz, eine von Vettels herausragenden Eigenschaften: Er kann nicht verlieren, egal, wobei © Getty
F wie Fußball, womit Vettel schon als Kind aufgehört hat, weil er nicht gut genug war © Getty
G wie Geld, nicht so wichtig für Vettel, weshalb er lieber seine Ruhe genießt als noch mehr Werbeverträge abzuschließen © Getty
H wie Haare, blond und bares Geld wert - durch einen Werbevertrag mit einem Shampoo-Hersteller © Getty
I wie Indianapolis, der Ort von Vettels erstem Formel-1-Rennen, in dem er 2007 gleich als Achter einen WM-Punkt holte © Getty
J wie Jubelschreie, Vettels Ausbrüche am Boxenfunk nach gewonnenen Rennen sind fast schon legendär © Getty
K wie Kinky Kylie, Kosename für Vettels Rennauto © Getty
L wie Lächeln, mit dem der Weltmeister viele - vor allem weibliche - Fans fasziniert © Getty
M wie Monza, Ort von Vettels Durchbruch. Dort fuhr er 2008 im Toro Rosso als jüngster Fahrer der Formel-1-Geschichte auf die Pole Position und gewann ein Rennen © Getty
N wie Norbert, Vettels Vater, der die Karriere seines Sohnes von Beginn an unterstützt hat © Getty
O wie Otto Waalkes, der in der Bild-Zeitung ein Gedicht widmete © Getty
P wie Perfektion, ein Status, den Vettel immer anstrebt © Getty
Q wie Qualifikation, Vettels Domäne, in 12. von 15 Rennen fuhr Vettel in diesem Jahr auf die Pole Position © Getty
R wie Red Bull, Vettels Förderer schon seit Kartzeiten © Getty
S wie Suzuka, die Strecke, auf der er in drei Jahren zwei Rennen und einen WM-Titel gewann © Getty
T wie Tommi Parmakoski, Vettels finnischer Fitnesstrainer und Physiotherapeut, mit dem er übers Jahr gesehen die meiste Zeit verbringt © Getty
U wie unermüdlich, Vettel ist abends meist der Letzte im Fahrerlager, diskutiert lange mit seinen Ingenieuren © Getty
V wie Vettel-Finger, sein Markenzeichen, und als blaue Schaumstoffversion Standardausrüstung eines echten Vettel-Fans © Getty
W wie Wille, mit dem Vettel im vorigen Jahr in letzter Minute doch noch seinen ersten Titel geholt hatte © Getty
X wie x-beliebig, genau das, was Vettel nicht ist © Getty
Y wie youngest, englisch, steht für Vettels Rekorde, die er als jüngster Fahrer der Formel-1-Geschichte holte © Getty
Z wie Ziel, für Vettel immer gleich: beim nächsten Rennen das Optimum herausholen © Getty

Beide Motoren würden ein Programm benutzen, das nicht dem Reglement entspräche, heißt es. Whiting würde die von den Teams entdeckten „Schlupflöcher im Reglement“ nach dem Verbot des angeblasenen Diffusors nicht anerkennen. Soll heißen: Nach Meinung von Whiting hätten Renault und Mercedes eine Möglichkeit gefunden, mit Hilfe der Motoreinstellung und speziell konzipierten Auspuffen weiterhin den Diffusor am hinteren Ende des Autos mit Gasen zu versorgen, obwohl der Fahrer vom Gas geht – und so für viel mehr Fahrstabilitität zu sorgen.

Renault-Geschäftsführer Jean-Francois Caubet hatte in einem Interview mit dem Fachmagazin Auto Bild motorsport diese Verdächtigungen bereits angeheizt. „Obwohl sich die Regeln geändert haben, haben wir zusammen mit Red Bull eine Lösung gefunden, um den Performance-Verlust auszugleichen. Es ist nicht dasselbe, aber eine clevere Entwicklung, die den Unterschied ausmachen kann.“

Mit Red Bull, Lotus, Caterham und Williams sind vier Renault-Teams von dem möglichen Verbot betroffen, mit Mercedes GP, McLaren und Force India drei von Mercedes belieferte Team. Mit Weltmeister Sebastian Vettel (Red Bull-Renault), Nico Rosberg und Michael Schumacher (beide Mercedes GP) und Nico Hülkenberg (Force India-Mercedes) sind zudem vier der fünf deutschen Piloten betroffen. Ausnahme: Timo Glock fährt mit seinem Marussia-Team einen Cosworth-Motor.

Whting will in Kürze die technischen Direktoren der betroffenen Teams unterrichten und ihnen sein Verbot in einer Sonderkonferenz Anfang März mitteilen. Wie sich das Verbot auf die Leistungsfähigkeit der Autos niederschlägt, ist noch offen. Im schlimmsten Fall aber müssten alle betroffenen Teams ihr Auspuffsystem ändern, was das Grundkonzept eines Autos auf den Kopf stellen könnte und einen erheblichen Verlust der Rundenzeit zur Folge haben könnte.

Wie die tz erfuhr, soll Ferrari Whiting auf die besonderen Systeme der Konkurrenz aufmerksam gemacht haben. Fest steht: Ferrari könnte ein wenig Hilfe von der FIA gut gebrauchen. Denn auch der F2012 erwies sich bei den ersten Testfahrten als „rollende Baustelle.“ Die italienischen Ingenieure verstehen ihr Auto immer noch nicht. Die vier Tage vom ersten Test in Jerez verbrachten die Italiener damit, Daten zu sammeln.

In Barcelona suchen sie weiter nach Fehlen im Auto-System. Immerhin: das Problem liege in der Aerodynamik – so weit ist Ferrari schon bei der Suche nach einer Lösung bei der unerwünschten Fortsetzung der Langsamkeit. In der Box sieht es aus wie im Legobaukasten vom Nachbarsjungen. Man experimentiert Ferrari mit unterschiedlichen Motorverkleidungen, Auspufflösungen, Diffusorvarianten und Leitblechen. Bisher umsonst. Eine schwächung der Gegner könnte das eigene Chaos zumindest kleiner machen.

Ralf Bach

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