Warum Schumi noch im alten Auto fährt

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Michael Schumacher

Jerez de la Frontera - Sieht man es positiv, könnte man sagen: Michael Schumacher und Nico Rosberg dürfen sich noch auf ihr neues Formel-1-Auto freuen. Mercedes lässt sich mit dem neuen Silberpfeil Zeit. Dafür gibt es Gründe.

Vor die Mercedes-Box wird schnell der Sichtschutz geschoben. Dabei gibt es noch gar nichts Neues zu sehen. Im Gegensatz zu Red Bull, Ferrari und McLaren tritt das deutsche Werksteam mit dem Vorjahresmodell bei den ersten Formel-1-Testtagen in diesem Jahr in Jerez an. Am neuen Silberpfeil von Rekordweltmeister Michael Schumacher und seinem Stallkollegen Nico Rosberg wird im englischen Brackley noch fleißig gewerkelt.

“Wir sind im Aufholprozess und brauchen deshalb jeden Entwicklungstag“, erklärte Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug am Dienstag der Nachrichtenagentur dpa per Mail. Er selbst war ebenso wie Teamchef Ross Brawn nicht in Jerez.

Die Anlaufphase sei exakt so geplant worden, sagte Haug und verriet: “Wir werden mit unserem neuen Auto bereits einige Tage, bevor wir zum offiziellen zweiten Test am 20. Februar nach Barcelona gehen, fahren.“ Es dürfte sich unter anderem um die erlaubten Filmaufnahmen handeln. Am 21. Februar beginnen die nächsten Tests.

Die Formel 1 2012: Alle Fahrer und ihre Autos

Die Formel 1 2013: Alle Fahrer und ihre Autos

RED BULL RACING © Mark Thompson/Red Bull Racing
Dreifach-Weltmeister Sebastian Vettel (Heppenheim) fährt 2013 weiter im Red Bull, der Vertrag läuft bis 2014. © dpa
Teamkollege Mark Webber (Australien) hat noch einmal um ein Jahr verlängert. © Getty
MCLAREN © dpa
Für Lewis Hamilton fährt der 22 Jahre alte Mexikaner Sergio Perez. © ap
Routinier und Ex-Weltmeister Jenson Button (England) wird gefragt sein, er ist langfristig bis 2014 an den Rennstall gebunden. © Getty
FERRARI © dpa
Fernando Alonso (Spanien) wird den nächsten Angriff auf Vettel unternehmen. Er hat einen Vertrag bis 2016. © Getty
Felipe Massa (Brasilien) darf 2013 auch noch mal ran. © Getty
MERCEDES © dpa
Lewis Hamilton (England) statt Michael Schumacher. Der Brite ist vorerst drei Jahre an die Silberpfeile gebunden. © Getty
Nico Rosberg (Wiesbaden) bleibt, er hat einen Vertrag bis 2013. © Getty
LOTUS © dpa
Kimi Räikkönen (Finnland) wird als WM-Dritter 2012 noch mehr wollen. © dpa
Romain Grosjean (Frankreich) darf trotz seiner wiederholten Auftritte als Crashpilot wohl bleiben, ist aber noch nicht bestätigt. © dpa
WILLIAMS © Getty
Pastor Maldonado (Venezuela), Sieger in Barcelona, bleibt. Er bringt auch noch Geld aus Venezuela mit. © Getty
Bruno Senna ist raus, Testpilot Valtteri Bottas (Finnland) steigt zum Stammfahrer auf. © getty
FORCE INDIA © Sahara Force India
Paul Di Resta (Großbritannien) bleibt © getty
Adrian Sutil kriegt das zweite Cockpit © dpa
SAUBER © dpa
Die Schweizer treten mit einer neuen Paarung an. Nico Hülkenberg (Emmerich) wechselt von Force India zu Sauber. © dpa
Neben Nico Hülkenberg darf der 21-jährige Deübtant Esteban Gutierrez (Mexiko) ran. © dpa
TORRO ROSSO © dpa
Daniel Ricciardo (Australien) © getty
Jean-Eric Vergne (Frankreich) © getty
MARUSSIA © dpa
Hier ist alles neu! Timo Glock ist weg, für ihn ist Jules Bianchi da © Getty
Sein Kollege: Max Chilton © Getty
CATERHAM © dpa
Charles Pic (Frankreich), bisher Marussia, heuert bei dem anglo-malaysischen Team an. © getty
Giedo van der Garde ist sein Kollege © Getty

Für Schumacher, der sich schon “tierisch“ auf die Saison freut, und Rosberg bedeutet die Strategie des ehemaligen Weltmeister-Teams von Brawn dennoch: Jeder wird gerade einmal vier offizielle Testtage im neuen Wagen haben, ehe es ernst wird. Denn bei den Probefahrten ist immer nur ein Auto pro Team erlaubt. Die finalen Tests finden vom 1. bis 4. März ebenfalls auf dem Circuit de Catalunya bei Barcelona statt.

Wenn es den Wagen schneller macht, dürfte den beiden die kurze Eingewöhnungszeit egal sein. Zuverlässig war der Wagen mit dem Stern in den vergangenen beiden Jahren stets. Doch damit allein gewinnt man keine Titel. Schumacher schaffte es seit seinem Comeback nicht einmal aufs Podest. Rosberg gelang das zwar einige Male, Siege blieben aber aus. In der Konstrukteurswertung belegte Mercedes in der vergangenen Saison abgeschlagen den vierten Rang (165 Punkte) hinter Red Bull (650), McLaren (497) und Ferrari (375).

Die drei Top-Teams sind in Jerez mit ihren neuen Autos auf der Strecke. Auch Mercedes-Verfolger Lotus drehte mit Rückkehrer Kimi Räikkönen am Steuer am Dienstag bereits Runde um Runde im sonnigen Andalusien. Der finnische Ex-Weltmeister fuhr prompt die schnellste Runde des Tages.

Bei Mercedes betätigten sich Rosberg und Schumacher als Halbtagskräfte. Zunächst ging Rosberg auf die Strecke und fuhr die insgesamt drittschnellste Zeit der Auftakteinheit. “Ein sehr guter Start für unser Testprogramm“, urteilte der Wiesbadener. Am Nachmittag übernahm dann Altmeister Schumacher das Steuer und belegte in der Endabrechnung Rang sechs. “Nach der langen Pause fühlt es sich toll an, wieder im Auto zu sitzen“, sagte der Kerpener. Der 43-Jährige darf auch am Mittwoch noch einmal fahren, Donnerstag ist Rosberg zum zweiten Mal an der Reihe. Vor allem Eindrücke über die neuen Pirelli-Reifen soll das Duo dabei sammeln.

Mercedes hat sich diesmal für einen anderen Weg entschieden. Auch weil das schwäbisch-britische Team aus dem vergangenen Jahr seine Lehren gezogen haben will. Damals war der Wagen noch nicht reif - aber auf der Strecke. “Letztes Jahr haben wir früh ein noch nicht fertiges Auto getestet“, erklärte Haug.

Diesmal soll die Zeit unter anderem zum “Feinschliff im Windkanal“ und beim ersten Roll-out genutzt werden, um dann ein Auto zu testen, “wie es bei den ersten Rennen eingesetzt wird“, erklärte Haug. Bis dahin sind es noch knapp sechs Wochen. Nicht ganz so lange müssen sich Fans und Fahrer gedulden, ehe der Sichtschutz für den neuen Silberpfeil beiseitegeschoben wird.

dpa

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