Wegen Bernie: Steigt Mercedes aus?

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Beim Grosser Preis von Europa im Juni in Valencia unterhält sich Formel 1-Geschäfsführer Bernie Ecclestone (l.) mit dem Motorsportdirektor von Mercedes, Norbert Haug.

München - Sollte Formel-1-Chef Bernie Ecclestone als Folge des Gribkowsky-Prozesses von der Staatsanwaltschaft München der Bestechung angeklagt werden, könnte Daimler aus dem Rennzirkus aussteigen.

Sicher ist eines: dass Michael Schumacher in Spa das 300. Rennen seiner Karriere fährt. So unsicher wie selten ist die Zukunft seines Arbeitgebers. Von einer Umstrukturierung des Mercedes-GP-Teams zu einem reinen Motorenlieferanten bis hin zum Ausstieg scheint alles möglich. Ende Juli hatte Mercedes-Boss Dieter Zetsche bei einer Bilanzkonferenz des Konzerns erstmals die Möglichkeit eines Ausstiegs genannt. Man werde sich ganz nach den Gesetzen der Compliance richten, sagte er. Compliance heißt frei übersetzt Regeltreue – kurz gefasst steht dort: „Daimler duldet keine unmoralischen oder korrupten Praktiken durch Mitarbeiter oder seitens der Geschäftspartner.“ Sollte F-1-Chef Ecclestone als Folge des Gribkowsky-Prozesses von der Staatsanwaltschaft München der Bestechung angeklagt werden, dürfte Daimler keine Geschäfte mehr mit ihm machen – der Ausstieg wäre logisch.

Die Formel-1-Weltmeister seit 1969

Die Formel-1-Weltmeister seit 1969

Niki Lauda (Foto), Ayrton Senna und Michael Schumacher: Diese Motorsport-Legenden dominierten die Formel 1 über Jahre hinweg. Ein Überblick über die Weltmeister der vergangenen 41 Jahre. © Getty Images
1969: Jackie Stewart (Schottland), Matra-Ford © mm
1970: Jochen Rindt (Österreich), Lotus-Ford © Getty Images
1971: Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1972:  Emerson Fittipaldi (rechts, Brasilien), Lotus-Ford © Getty Images
1973 Jackie Stewart (Schottland), Tyrrell-Ford © Getty Images
1974 Emerson Fittipaldi (Brasilien), McLaren-Ford © Getty Images
1975: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1976: James Hunt (England), McLaren-Ford © Getty Images
1977: Niki Lauda (Österreich), Ferrari © Getty Images
1978: Mario Andretti (USA), Lotus-Ford © Getty Images
1979: Jody Scheckter (Südafrika), Ferrari © Getty Images
1980: Alan Jones (Australien), Williams-Ford © Getty Images
1981: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-Ford © Getty Images
1982: Keke Rosberg (Finnland), Williams-Ford © Getty Images
1983: Nelson Piquet (Brasilien), Brabham-BMW © Getty Images
1984: Niki Lauda (Österreich), McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1985 Alain Prost (Frankreich) McLaren-Porsche Turbo © Getty Images
1986: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Porsche © Getty Images
1987: Nelson Piquet (Brasilien), Williams-Honda Turbo © Getty Images
1988: Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda Turbo © Getty Images
1989: Alain Prost (Frankreich), McLaren-Honda © Getty Images
1990 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1991 Ayrton Senna (Brasilien), McLaren-Honda © Getty Images
1992: Nigel Mansell (England), Williams-Renault © Getty Images
1993: Alain Prost (Frankreich), Williams-Renault © Getty Images
1994: Michael Schumacher (Kerpen), Benetton-Ford © Getty Images
1995: Michael Schumacher (Kerpen, auf dem Foto mit Benetton-Boss Flavio Briatore), Benetton-Renault © Getty Images
1996: Damon Hill (England), Williams-Renault © Getty Images
1997: Jacques Villeneuve (Kanada), Williams-Renault © Getty Images
1998: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
1999: Mika Häkkinen (Finnland), McLaren-Mercedes © Getty Images
2000: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2001: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2002: Michael Schumacher (Kerpen) Ferrari © Getty Images
2003: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2004: Michael Schumacher (Kerpen), Ferrari © Getty Images
2005: Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2006 Fernando Alonso (Spanien), Renault © Getty Images
2007: Kimi Räikkönen (Finnland), Ferrari © Getty Images
2008: Lewis Hamilton (Großbritannien), McLaren-Mercedes © Getty Images
2009: Jenson Button (Großbritannien), Brawn GP © Getty Images
2010: Sebastian Vettel (Deutschland), Red Bull © dapd

Doch es hängt nicht allein am Fall Gribkowsky/Ecclestone: Experten sind sich sicher, dass die Schmiergeldaffäre der Konzernzentrale höchst willkommen ist. Selbst das Ziel, Dritter in der Konstruktionswertung zu werden, ist kaum noch zu erreichen. „Wir können nicht zufrieden sein“, sagt Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug.

Fakt ist: Weder hat Mercedes bisher das Concorde Agreement unterschrieben, das den Konzern bis 2020 an die Formel 1 binden würde, noch wurde der Vertrag mit Schumacher verlängert. Beides spricht nicht für eine Fortsetzung des F-1-Projektes. Ein Hintertürchen aber gibt es: AMG, die Hundertprozent-Daimler-Tochter aus Affalterbach, übernimmt das Formel-1-Team von der Konzernmutter, und der Deutsche Thomas Fuhr (bisher Chef der F1-Motorenfabrik in Brixworth) ersetzt Teamchef Ross Brawn. Schumacher könnte dann eine Art Co-Teamchef-Rolle übernehmen, Ex-Weltmeister Lewis Hamilton ist als Fahrer neben Nico Rosberg im Gespräch. Noch, so hört man, wehren sich Schumacher und sein verbündeter Brawn dagegen. Doch Dieter Zetzsches Worte sollten ihnen Warnung sein, der Konzernboss zitiert nämlich gerne den Konzerngründer: „Wir orientieren uns an der Maxime von Gottlieb Daimler: ‚Das Beste oder nichts.‘“

Ralf Bach

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