tz vergleicht Teams von Vettel und Alonso

Wer wirklich am Schalthebel sitzt

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Sebastian Vettel mit Red Bulls Motorsportdirektor Dr. Helmut Marko

München - Sebastian Vettel gegen Fernando Alonso, das ist nicht nur ein Kampf Mann gegen Mann, sondern auch Team gegen Team, auch am Wochenende beim GP von Indien. Die tz vergleicht die beiden Teams von Ferrari und Red Bull.

Teamchef

Ferrari: Stefano Domenicali (47) führt aus, was il presidente Luca di Montezemolo verlangt. Der Italiener hat ein gut organisiertes Team geformt. Strategie und Boxenstopps stimmen. Auch politisch ist Ferrari gut repräsentiert. 9 Punkte

Red Bull: Genau wie Domenicali hat Christian Horner (38) wenig zu sagen. Motorsportberater Helmut Marko ist der eigentliche Chef. Horner verwaltet und pflegt Superhirn Adrian Newey. Das allerdings macht er gut. Alle beneiden Red Bull um diesen. 9 Punkte

Techniker

Ferrari fehlt ein Superhirn. In Pat Fry haben sie einen Technikchef, der als durchschnittlicher Ingenieur von McLaren kam. Aerodynamikchef Tombazis hat keine zündenden Ideen. Ferrari baut nur nach, nie vor. 6 Punkte

Red Bull: Designgenie Adrian Newey baut seit 2009 die besten Autos, hat revolutionäre Ideen wie den „angeblasenen Diffusor“ oder „flexible Flügel“. Er sichert Red Bulls Vormachtstellung. 10 Punkte

Fabrik

Ferrari: Die Fabrik in Maranello braucht eine Generalüberholung. Der Windkanal ist so alt, dass er keine verlässlichen Daten liefert. Deshalb weicht das Team sogar in die ehemalige Toyota-Fabrik nach Köln aus. 6 Punkte

Red Bull hat 2005 die Fabrik von Jaguar in Milton Keynes übernommen und saniert. Die Technik ist auf dem neuesten Stand. Der alte Windkanal wurde modernisiert. 9 Punkte

Budget

Ferrari will mehr Kostenkontrolle. Trotzdem dürfte das Budget dank Sponsoren wie Marlboro und der Großbank Santander kaum unter dem von Red Bull liegen. Aber: Ferrari baut auch die Motoren. 

10 Punkte

Red Bull wird immer wieder unterstellt, sich nicht an die Ressourcenbeschränkung zu halten. Zahlen der britischen Handelskammer bestätigen das. Demnach hat Red Bull 2011 mehr als 300 Millionen Euro ausgegeben. 10 Punkte

Auto

Ferrari musste zu Saisonbeginn einem Rückstand hinterherfahren. Das Heck war eine Fehlkonstruktion, die erst zum Europaauftakt umgebaut werden konnte. Nun ist der Ferrari ein guter Allrounder, aber die Entwicklung stockt. 7 Punkte

Red Bull: Nach Technikverboten Ende 2011 war der Red Bull nicht mehr das Überauto. Dazu kamen Probleme mit der Zuverlässigkeit. Seit der Sommerpause hat Red Bull zugelegt und ist wieder dominant. 9 Punkte

Teampolitik

Ferrari: Felipe Massa kann Alonso nicht den Rang ablaufen. Dafür ist der kleine Brasilianer viel zu weit weg von seiner Nummer eins. Aber kann er ihm im WM-Kampf behilflich sein, indem er vor Vettel landet? Nein. 7 Punkte

Red Bull: Mark Webber gab sich in diesem Jahr teamintern zwar nicht ganz so leicht geschlagen wie Felipe Massa bei Ferrari. Im Saison­finish aber wird er Vettel nicht unnötig attackieren – und er kann Alonso wertvolle Punkte wegnehmen. 9 Punkte

Politik

Ferrari ist das einzige Team, das seit 1950 dabei ist und entsprechend wertvoll für Chef Bernie Ecclestone. Das zeigt sich an den Bonuszahlungen und beim Einfluss. 10 Punkte

Red Bull: Als Doppelweltmeister ist der Einfluss gewachsen, der Draht zu Ecclestone hervorragend. Die Regelhüter aber haben Red Bull deshalb auf dem Kieker. 9 Punkte

Stimmung

Ferrari war 2007 zum letzten Mal Weltmeister, damals mit Kimi Räikkönen. Alonso selbst muss sogar schon sechs Jahre auf den dritten Titel warten. Und seit Vettels Aufholjagd ist die Stimmung im Keller. 6 Punkte

Red Bull und Vettel haben einen Lauf. Vettel fährt im wiedererstarkten Red Bull von einem Hoch zum anderen. 10 Punkte

Fazit

75:61 für Red Bull.

Ralf Bach

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Red Bull ist in vieler Munde, nicht nur wegen Sebastian Vettel. Wir beantworten die 13 wichtigsten Fragen. © Getty
Was gehört zum Imperium von Dietrich Mateschitz? Er besitzt rund zwei Dutztend Unternehmen: Restaurants, Baufirmen, eine Formel-1-Rennstrecke, einen Flugplatz sowie Hotels. Privat gehört ihm auch ein Militärjet sowie die ehemalige DC 6 von Marschall Tito. Ein Teil der Markenstrategie des Österreichers ist außerdem das Sponsoring von Trend-, Event-, aber auch Rennsportarten. Mateschitz besitzt zwei Auto-Rennställe, darunter das Formel-1-Team mit Sebastian Vettel. © dpa

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