Transfereinnahmen

Über 100 Millionen auf dem Konto: Ausverkauf in Hoffenheim

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Alexander Rosen hat mehrfach betont, dass es bei Einkäufen allenfalls mal bis 20 Millionen für einen Spieler gehen könnte. Foto: Uwe Anspach

Die TSG 1899 Hoffenheim hat ihren Standort zwar unweit von Schwaben, aber dennoch in Nordbaden. Sparsam ist der Fußball-Bundesligist trotzdem: In dieser Transferperiode wächst das Konto in noch nie da gewesene Höhen, beim Ausgeben hält sich der Club zurück.

Zuzenhausen (dpa) - Neben dem Schloss Seehälde auf dem Trainingsgelände der TSG 1899 Hoffenheim steht noch kein Geldspeicher. In der Kasse aber liegen schon deutlich über 100 Millionen Euro an Transfereinnahmen aus diesem Sommer.

Groß zuschlagen will der Club von Milliardär Dietmar Hopp dennoch nicht. Sportchef Alexander Rosen hatte schon mehrfach betont, dass es bei Einkäufen allenfalls mal bis 20 Millionen für einen Spieler gehen könnte. "Das Ziel für uns muss es sein, in der sogenannten Nahrungskette weitere Schritte nach oben zu machen", sagte der 40-Jährige.

Der Wechsel von Nadiem Amiri bringt dem Fußball-Bundesligisten jetzt noch einmal geschätzte etwa elf Millionen Euro ein, den Schmerz des Verlustes des Eigengewächses lindert das kaum. Und der Substanzverlust wird immer größer bei den Kraichgauern. Der EM-Zweite mit der deutschen U21-Auswahl wechselt wie zuvor Nationalspieler Kerem Demirbay (für etwa 32 Millionen) zu Bayer Leverkusen. Allerdings liegt die Ablöse deutlich unter seinem Markwert. Amiris Vertrag wäre 2020 ausgelaufen, in Leverkusen unterschrieb er gleich für fünf Jahre.

Nicht nur der neue Chefcoach und Julian-Nagelsmann-Nachfolger Alfred Schreuder hätte Amiri gerne behalten. "Es ist mit einer besonderen Wehmut verbunden, wenn uns ein Spieler verlässt, der in der eigenen Akademie zu einem gestandenen Profi reifte und den man sehr lange sehr intensiv begleitet hat", räumte auch Rosen ein. Man respektiere aber Amiris Wunsch. Zuvor waren neben Demirbay schon Joelinton (Newcastle United/45 Millionen Euro) und Nationalspieler Nico Schulz (Borussia Dortmund/etwa 25 Millionen Euro) abgegeben worden.

"Wir verkaufen Spieler ja nicht wie Waren. Wir schauen nicht auf unser Konto und veranstalten dann ein Fest. Dass wir uns langfristig über Transfer-Erfolge finanzieren, gehört aber zu unserer Philosophie", hatte Rosen kürzlich in einem SWR-Interview erklärt. "Das ist eine Vorgabe, seit ich hier arbeite. Die Dimension, die das mittlerweile erreicht hat, sehen wir als Auszeichnung."

Etwa seit dem Verkauf des brasilianischen Stürmers Roberto Firmino für 41 Millionen 2015 zum FC Liverpool ist Hoffenheim auch unabhängig von Mäzen Hopp. Rosen und Erfolgscoach Nagelsmann haben Profis wie den heutigen Bayern-Nationalspieler Niklas Süle zu einem großen Karrieresprung verholfen - und dem einstigen Dorfverein zu satten Einnahmen. Das nun verkaufte Quartett hatte einst nicht einmal sieben Millionen gekostet, der Gewinnzuwachs ist bemerkenswert.

Etwa 15 Millionen Euro Überschuss muss der Club nach eigenen Angaben jedes Jahr erwirtschaften, um schwarze Zahlen zu schreiben. "Uns haben bereits in den letzten Jahren viele große Spieler verlassen, und wir haben uns trotzdem entwickelt", erklärte Rosen.

Bislang ging das immer gut, wenn man von der verpassten Europacup-Teilnahme in diesem Jahr absieht. Derweil steht WM-Teilnehmer Sebastian Rudy vom FC Schalke 04 vor einer Rückkehr zu seinem Ex-Club. Dabei sind nur noch Details des angestrebten Leihgeschäfts zu klären. Der 29-Jährige spielte bereits von 2010 bis 2017 in Hoffenheim und dann ein Jahr beim FC Bayern.

Bislang teuerster Neuzugang ist der dänische Torjäger Robert Skov vom FC Kopenhagen, er soll neun Millionen Euro kosten. Für den Niederländer Schreuder, zuletzt Co-Trainer bei Ajax Amsterdam, wird die Aufgabe immer schwieriger. Zumal der extrovertierte und lange erfolgreiche Nagelsmann große Fußstapfen hinterlassen hat. Kein Wunder, dass die Verantwortlichen in Hoffenheim bisher kein konkretes Saisonziel genannt haben.

Hoffenheimer Kader

Pressemitteilung zu Amiri-Wechsel

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