Anfeindungen bei Stadionbesuch

Wegen ihrer Regenbogen-Flaggen: Deutsche Studentinnen bei EM-Partie in Budapest bespuckt und geschlagen

Regenbogen-Fahne beim EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn in der Münchner Allianz Arena (Symbolbild)
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Regenbogen-Fahne beim EM-Spiel Deutschland gegen Ungarn in der Münchner Allianz Arena (Symbolbild).

Zwei deutsche Studentinnen berichten von Attacken während eines Besuchs der EM-Partie zwischen Portugal und Frankreich. Sind Behörden und die UEFA zu nachlässig?

Budapest - Nicht nur der Fußball steht bei der EM 2021 im Fokus der Öffentlichkeit: Auch die Regenbogen-Debatte rund um den „Pride Month“ spielt eine große Rolle. Besonders im Fokus steht Turnier-Teilnehmer Ungarn. Auch wegen eines Gesetzes, das Publikationen verbietet, die Kindern und Jugendlichen zugänglich sind und Sexualität darstellen, die von der heterosexuellen abweicht.

Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán sagte im Vorfeld der Partie seiner Landesauswahl gegen das DFB-Team sogar die Reise nach München ab und richtete einen Appell an Deutschland. Angesichts der gesellschaftspolitischen Dimension - und eines UEFA-Verbots für Regenbogen-Beleuchtung an der Allianz-Arena - sind die Gemüter in beiden Ländern erhitzt. Davon können auch zwei deutsche Studentinnen berichten. Sie schilderten unangenehme Erlebnisse am Rande der Partie zwischen Portugal und Frankreich am Mittwoch (Endergebnis 2:2).

Regenbogen-Debatte: Deutsche Studentinnen in Budapest angefeindet

Emilia und Filippa heißen die jungen Frauen, die in der ungarischen Hauptstadt Budapest leben und das EM-Spiel zwischen den deutschen Gruppengegnern im Stadion verfolgt hatten. Gegenüber bild.de berichtet das Duo, dass es auf den Rängen Anfeindungen über sich ergehen lassen musste. Der Grund: Sie waren geschmückt mit den Regenbogen-Farben

„Schon in der Halbzeit haben wir wegen unserer Bemalung Sprüche bekommen: That’s disgusting („Das ist widerlich“, Anm. d. Red.). Die Stimmung war direkt sehr hitzig. Schon während des Spiels haben sie uns wegen der Flaggen den Mittelfinger, den Vogel gezeigt, vermittelt, dass sie unseren LGBTQ-Support nicht okay finden“, schilderte eine der Studentinnen.

Auch nach der Partie wurden die beiden Frauen nach eigenen Angaben angefeindet: „Wir sind dann runtergegangen, um uns ihnen entgegenzustellen, mit unseren Flaggen, daraufhin wurde uns ins Gesicht geschlagen und man hat uns bespuckt.“ Wie sie weiter schilderten, haben Mitarbeiter der UEFA nicht geholfen und die Täter stattdessen gehen lassen. Auch die Polizei habe gespalten auf den Vorfall reagiert und sie lange warten lassen.

Stadionbesuch bei EM-Spiel in Ungarn: Anfeindungen eine Ausnahme - kommen Täter davon?

Nichtsdestotrotz habe es sich in der ungarischen Hauptstadt um eine Ausnahme gehandelt: „Trotz dieses Vorfalls sind wir unglaublich glücklich in Budapest. Wir hatten tolle Jahre hier. So eine Erfahrung hatten wir noch nie“, berichtete eine der Damen. Allerdings haben sie einen Wunsch: „Wir hoffen, dass gegen die Männer vorgegangen wird.“

Woher stammt die Verwendung des Regenbogen-Symbols überhaupt und was bedeutet es? Im Video der geschichtliche Hintergrund:

Im Münchner EM-Stadion gab es vielfach Sympathie-Bekundungen, auch von Fußballern - und Politikern wie Markus Söder. Was in der öffentlichen Debatte gerne untergeht: Noch im Jahr 2017 lehnte die Mehrheit der Union selbst die Gleichberechtigung im Sinne der „Ehe für alle“ oder die Adoption durch gleichgeschlechtliche Partner ab. (PF)

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