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Handball-Bundesliga: Alle gegen den THW Kiel

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Der Flensburger Spieler Hampus Wanne springt vor Steffen Weinhold von Kiel in den Kreis. Nach vier Jahren ohne Meistertitel will Rekordmeister THW Kiel in der Saison 2019/20 endlich wieder auf den Handball-Thron zurückkehren.

Die Handball-Bundesliga startet am Mittwoch mit dem Supercup.  Die deutsche Nationalmannschaft mit Uwe Gensheimer hat gute Chancen bei EM und Olympischen Spielen.

Supercup, Vorfreude auf die Handball-Bundesliga. Nachdem sich die deutschen Vereine seit Jahren früh aus der Champions League verabschieden, ist das Etikett „stärkste Liga der Welt“ wohl überholt. Freuen dürfen sich die Fans dennoch auf eine Knaller-Saison mit vielen Veränderungen und einer Europameisterschaft in der Winterpause.

Nachdem die Bundesligisten bis auf Nordhorn-Lingen und Minden die ersten Runden des DHB-Pokals problemlos überstanden haben, wird heute um 19 Uhr mit dem Supercup zwischen Meister Flensburg und Pokalsieger Kiel die Saison der Erstligisten eröffnet. Es folgen 34 Spieltage bis zum 14. Mai 2020. Wird es wie im Vorjahr, wissen die Fans auch erst dann, wer Meister wird und wer absteigt.

Zum Glück gibt es dieses Mal sehr viele Spannungstreiber. Der THW Kiel wird nach dem Abschied von Alfred Gislason nun von Ex-Superstar Filip Jicha trainiert. Ohne Andreas Wolff im Tor, dafür mit Dario Quenstedt vom SC Magdeburg rechnen viele damit, dass das inzwischen eingespielte Team aus Kiel endlich mal wieder Titelfavorit Nummer eins ist und auch in der Champions League echte Chancen hat.

Rhein-Neckar-Löwen hadern mit dem Trainer-Wechsel

Auch der Verfolger Rhein-Neckar-Löwen aus Mannheim knabbert an einem Trainerwechsel. Nikolaj Jakobsen konzentriert sich ab jetzt auf die dänische Nationalmannschaft, der Isländer Kristijan Andersson muss sich in der Bundesliga erst beweisen. Mit seinen „absoluten Wunschspielern“ Uwe Gensheimer und Romain Lagarde greifen zwei Alpha-Wölfe im blaugelben Rudel an. Da die Löwen die Champions League verpasst haben, sparen Spieler und Fans zumindest Kilometer.

Auf leisen Sohlen hat sich die MT Melsungen in den Kreis der Top-Mannschaften hochgearbeitet. Experten vermuten, dass Trainer Heiko Grimm den zweitgrößten Etat der Liga zur Verfügung hat. Gebaut hat er sich damit seine „MT Deutschland“ mit gleich vier Nationalspielern: Tobias Reichmann, Finn Lemke und der wieder einsatzbereite Wuchtwerfer Julius Kühn werden nun von Kai Häfner dirigiert.

Und Flensburg? Ohne Abwehrbollwerk Tobias Karlsson (Ruhestand) und dem besten Spieler der vorigen Saison, Rasmus Lauge (Wechsel nach Veszprem), vermag niemand zu sagen, wo die SG Flensburg Handewitt diesmal landet. Trainer Maik Machulla unterschätzt nach zwei Titeln jedenfalls keiner mehr.

Wie Wechsel geht, kennt eine Mannschaft besonders gut. Kai Wandschneider leistet als Trainer der HSG Wetzlar Jahr um Jahr herausragende Arbeit.

Kann die HSG Wetzlar für eine Überraschung sorgen?

Mit dem Erfolg, dass Nationalspieler wie Andreas Wolff, Steffen Fäth und Jannik Kohlbacher weggekauft wurden und das Team neu geformt werden musste. Nun können die Mittelhessen erstmals auf ein eingespieltes Team vertrauen und müssen kaum umbauen. Vielleicht sorgen sie für eine Überraschung im oberen Drittel?

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In der vergangene Saison hat sich in der letzten Minute mit dem letzten Tor entschieden, wer absteigt. Die Eulen Ludwigshafen klammern sich nun seit zwei Spielzeiten gerade noch so am unteren Rand der Bundesliga fest – diesmal könnte es nicht reichen. Denn in diesem Jahr kehrt Balingen nach zwei Jahren in der zweiten Liga zurück ins Oberhaus und hat wohl mit diesem Kader deutlich bessere Chancen als die Halbprofis vom Rhein.

HSG Nordhorn-Lingen: Wo landet der Aufsteiger?

Vorbeiziehen sollten auch die Aufsteiger der HSG Nordhorn-Lingen. Mit Rechtsaußen Robert Weber trainiert und spielt jetzt 90 Kilometer nordwestlich von Münster eine Tormaschine. Dass das allein aber nicht reicht, merkte der Aufsteiger schon am Sonntag. Gegen den SC DHfK Leipzig verpasste Nordhorn als einer von zwei Bundesligisten mit 21:31 die nächste Runde im DHB-Pokal. Lichtblick: Nachdem Trainer Bültmann wegen eines Erschöpfungssyndroms ausfällt, trainiert nun der Isländer Geir Sveinson das Team – immerhin bis 2018 Nationalcoach und davor Trainer in Magdeburg.

Eine Symbolfunktion für den Handballsport haben nicht nur die Spieler. Auswirkungen hat auch, wie die höchsten Schiedsrichter die Saison angehen. Dazu gibt es die so genannten Beobachtungsschwerpunkte, die allen Gespannen die Richtung vorgeben. Über Attacken gegen Außenspieler, Siebenmeter-Entscheidungen am Kreis und Stürmerfouls wird wohl mehr diskutiert werden. Ein Thema hat DHB-Schiedsrichterlehrwart Kay Holm noch einmal zum Schwerpunkt erklärt: Wie sich Trainer und Betreuer auf der Bank benehmen, strahlt auf jede Halle ab. Deswegen bleibt es bei frühem Eingreifen gegen unsportliches Verhalten.

Handball-Europameisterschaft im Dezember: Wo landet Deutschland?

In der Pause der Handball-Bundesliga ab 22. Dezember reisen die Nationalspieler als Mitfavoriten zur Europameisterschaft, die in drei Ländern ausgetragen wird: Norwegen, Schweden und Österreich. Die Deutschen starten am 9. Januar 2020 in Trondheim gegen EM-Neuling Niederlande, dann am 11. Januar gegen Europameister Spanien und beenden die Gruppenphase am 13. Januar gegen Lettland. Nach der Hauptrunde könnten die Deutschen mit etwas Glück zum Halbfinale und Finale am 24. und 26. Januar in Stockholm reisen. Sollten Uwe Gensheimer und Kollegen keinen der beiden ersten Plätze der EM erreichen, müssen sie sich beim Qualifikationsturnier im März für die Olympischen Spiele durchsetzen, um von 24. Juli bis 9. August in Tokio mit dabei zu sein.

Während die Spiele der Nationalmannschaft frei im öffentlich-rechtlichen Fernsehen übertragen werden, bleibt die Handball-Bundesliga weiter den Kunden des Bezahlfernsehens vorbehalten. Die ARD will nur zwölf Spiele ohne Bezahlschranke zeigen. Auch das Finale am 5. April 2020 wird frei zu sehen sein. Den Auftakt im Ersten macht heute der Supercup in Düsseldorf um 19 Uhr zwischen Meister SG Flensburg-Handewitt und Pokalsieger THW Kiel – übrigens genau das 100. Derby der beiden Top-Vereine aus Schleswig-Holstein.

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