„Unser Exot aus Porto“

Jahrelang verkannt: Jetzt soll „Porto-Exot“ Handball-Deutschland retten

Deutschland ist bei der Handball-EM nur Außenseiter. Das DHB-Team könnte jedoch überraschen und setzt auf einen „Porto-Exot“, der als Spätstarter gilt.

Bratislava - Die deutsche Nationalmannschaft zählt bei der Handball-EM 2022* nicht zum Favoritenkreis. Vor Turnierbeginn hagelte es zahlreiche Absagen wegen Verletzungen und Corona, dazu die Rücktritte von früheren Stars wie Uwe Gensheimer und Steffen Weinhold. Das DHB-Team geht mit einer komplett neu zusammengewürfelten Truppe bei der Europameisterschaft auf die Platte.

Doch genau darin könnte der große Vorteil der deutschen Mannschaft liegen, die nun unbekümmert aufspielen kann. Einer der neun Turnier-Debütanten ist völlig überraschend Djibril M’Bengue. Der 29-Jährige wurde jahrelang verkannt und spielt mittlerweile im Ausland in Portugal - jetzt soll der „Porto-Exot“, wie ihn seine Mitspieler liebevoll nennen, Handball-Deutschland retten.

Handball-EM 2022: „Porto-Exot“ Djibril M’Bengue soll DHB-Team retten

Djibril M’Bengue spielt seit Sommer 2018 beim portugiesischen Spitzenklub FC Porto und das äußerst erfolgreich. Der rechte Rückraumspieler gewann mit Porto 2019 und 2021 das Double aus Meisterschaft und Pokal und schnupperte sogar Champions-League-Luft. In Deutschland wollte den Linkshänder nach mehren Verletzungen kein Verein mehr haben. Vor seinem Wechsel ging M‘Bengue für den TVB Stuttgart auf Torejagd.

Die Belohnung war die Nominierung von Bundestrainer Alfred Gislason. „Wir haben gerade Kaffee getrunken und dann kam der Anruf. Im ersten Moment war ich ein bisschen perplex“, sagte M‘Bengue im Sky-Interview. Sein erstes Länderspiel im November war ausgerechnet gegen Portugal. „Das war ein ganz besonderer Moment.“

Djibril M‘Bengue bekommt vor der Handball-EM letzte Anweisungen von Bundestrainer Alfred Gislason.

„Es gibt ja Leute, die man Spätentwickler nennen kann. Er scheint topfit zu sein, ist ein sehr angenehmer Typ“, sagte Gislason über seinen Neuling, der zuletzt im Testspiel gegen die Schweiz direkt in der Startelf stand.

Handball-EM 2022: Djibril M’Bengue ist Deutschlands „Porto-Exot“

M‘Bengue profitierte von der Absage Fabian Wiedes, fühlte sich aber sofort aufgenommen. „Man kommt rein und hat das Gefühl, dazu zu gehören“, sagte Djibi im aktuellen sportstudio. Es sei „eine Riesenehre“, die EURO für Deutschland zu spielen.

Mitspieler Timo Kastening beschreibt den neuen Kollegen so: „Unser Exot aus Porto. Das kommt ihm schon langsam aus den Ohren raus, weil er - egal, ob beim Essen oder Kaffeetrinken - immer vom Leben in Porto berichten muss. Er ist ein cooler Typ mit feinem Charakter.“ Im Sommer wechselt M‘Bengue zurück nach Deutschland zum Bergischen HC.

Handball-EM: M‘Bengue will in Deutschland für Nachwuchs werben

M’Bengue, als Sohn eines senegalischen Vaters und einer deutschen Mutter in Schorndorf bei Stuttgart geboren, gehört zu den seltenen deutschen Handballprofis mit Migrationshintergrund. Warum es keine Özils und Gündogans im Handball gibt, sei „keine so einfache Frage“, sagte der Schwabe. „Das ist nicht in wenigen Sätzen zu beantworten.“

Aber natürlich nehme der Fußball den Sportarten wie Handball viele Kinder weg. Nun kann M‘Bengue mit dem DHB-Team bei der Handball-EM für Furore sorgen und so den Nachwuchs in die Hallen locken. Am Freitag um 18 Uhr trifft Deutschland zum Auftakt auf Belarus*. (ck) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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