Gesundheitsamt hilft bei Spielabsage aus

Dachauer Behörde stellt dem FC Pipinsried ein wichtiges Schreiben

FCP-Trainer Andreas Thomas
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Weiß derzeit nicht, mit welchen Spielern er rechnen kann: FCP-Trainer Andreas Thomas.

In der vergangenen Woche häuften sich die Corona-Probleme beim FC Pipinsried. Am Montag hatte der Regionalligist vier Fälle gemeldet, am Freitag waren es dann schon sechs. Die Nachholpartie gegen den TSV 1860 Rosenheim wurde am Dienstag abgesagt.

Die Rosenheimer wiederum mussten drei Tage später ihr Spiel gegen den FV Illertissen kurzfristig canceln. Zu diesem Zeitpunkt war noch unklar, ob die Pipinsrieder zur SV Viktoria Aschaffenburg zu reisen hatten. Denn während der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek öffentlich Quarantäne-Erleichterungen verkündete, rätselte FCP-Präsident Roland Küspert noch, welcher seiner Angestellten überhaupt von einer Isolierung betroffen ist.

Das Problem ist der langwierige Kommunikationsweg: Sobald eine Person positiv getestet ist, meldet die Teststelle dieses Ergebnis an das Gesundheitsamt des Wohnorts der infizierten Person.

Die Behörde meldet sich dann bei diesem Menschen und hakt wegen dessen Kontakten nach. Aus diesen Kontakten rekrutiert sich der Kreis derjenigen, die in Quarantäne gehen müssen.

Da der FCP traditionell Kicker aus dem gesamten Großraum zwischen München, Augsburg und Ingolstadt beschäftigt, sind ein halbes Dutzend Gesundheitsämter betroffen. Neben Dachau auch Aichach, Eichstätt, Ingolstadt, Pfaffenhofen/Ilm, Fürstenfeldbruck, München Stadt und Land sowie Ebersberg. Die Gesundheitsbehörden gehen den Fällen „nach Dringlichkeit“ nach, also etwa nach Alter, Vorerkrankungen oder Beruf: Krankenhaus- und Pflegepersonal oder auch Lehrerinnen und Lehrer sind für die Allgemeinheit wichtiger als Viertliga-Kicker. Das bedeutete aber auch, dass bis zum Freitag kein einziger der mutmaßlich nicht-infizierten Spieler wusste, ob er weiter Sport machen darf oder nicht. Küspert wiederum sollte dem BFV melden, ob er 16 Spieler für das Match in Aschaffenburg stellen kann. Die Unterfranken wiederum hatten großes Interesse daran, die Partie zu bestreiten. Unter anderem weil sie die neue Flutlichtanlage ihres Stadions einweihen wollten. Mit viel politischer Prominenz, wie Küspert vernommen hatte.

In dieser Notsituation sprang das Dachauer Gesundheitsamt ein: Sie formulierte ein Schreiben, das klar machte, dass eine abschließende Prüfung zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht möglich sei. Die Behörde „empfahl“ dem Verein aber, den „Trainings- und Spielbetrieb“ vorerst einzustellen. Küspert wurde mit dem Schreiben beim BFV und den Aschaffenburgern vorstellig und hatte Erfolg. Klar, dass sich weder der Verband noch die Viktoria der Gefahr aussetzen wollte, für weitere Infektionen verantwortlich zu sein, obwohl eine Gesundheitsbehörde ausdrücklich auf die Problematik hingewiesen hatte.

Die Konstellation könnte sich am kommenden Samstag wiederholen, wenn der TSV Buchbach zu Gast in der NAT-Arena ist (14 Uhr). Das Rosenheim-Spiel soll übrigens am 28. September in Rosenheim, das Gastspiel in Aschaffenburg am 5. Oktober über die Bühne gehen.

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