Rückblick auf die Fußballsaison des FC Pipinsried

Der zweite Spielertrainer ist die Schlüsselpersonalie beim Bayernliga-Überflieger FC Pipinsried

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Glücksgriff für den Dorfklub: Spielertrainer Muriz Salemovic, der Kopf des Pipinsrieder Spiels auf dem Platz.

Pipinsried - Glücksgriff Salemovic

Wintermeister mit 60 Punkten nach 22 Spielen. 19 Siege, drei Unentschieden. 

Und dazu ein Torverhältnis von 74:18 Treffern. Seit Einführung der Bayernliga Süd im Sommer 2014 hat kein Klub auch nur annähernd solche Zahlen wie der FC Pipinsried erreicht. Wie kommt es zu dieser Dominanz des FCP? Der Kader mit seinen sechs Ex-Profis allein ist kein Maßstab. Auch bei anderen früheren Bayernliga-Dominatoren wie beim SV Türkgücü Ataspor München (2018/19), dem BC Aichach (2013/2014) und dem mehrfachen Meister und Vizemeister SV Pullach kickten zahlreiche frühere Bundesliga-Spieler. Am Kader allein scheint es nicht zu liegen. An der Trainingsintensität auch nicht. Denn der FCP ist in den vergangenen zwei Monaten zum alten „Höß-Modus“ zurückgekehrt, mit zwei Übungseinheiten in der Woche. So richtet sich der Blick auf die Trainer. Fabian Hürzeler war schon vor dem Abstieg aus der Regionalliga im Mai hoch umstritten beim FC Pipinsried – in der Vereinsspitze gab es gewichtige Stimmen, die seine Ablösung forderten. Dass Manager Roman Plesche den Landsberger Muriz Salemovic ansprach und ihn als „Headcoach“ gewinnen konnte, war der entscheidende Glücksgriff. Nicht nur, weil er Hürzeler aus der Schusslinie nahm. Plesche erinnert sich: „Es gab vorher einige kritische Stimmen , die bezweifelten, dass die beiden zusammen passen. Ich war mir aber von Anfang an sicher, dass sie harmonieren.“ Salemovic ist den Beobachtern höherklassigen Amateurfußballs seit langem ein Begriff: Er gab schon als 19-Jähriger sein Bayernliga-Debüt beim FC Kempten, später kickte er bei der U21 des FC Augsburg sowie viele Jahre beim TSV Landsberg. Zweieinhalb Jahre war Salemovic eine der Führungsfiguren des Regionalligisten FC Memmingen, bevor er nach Landsberg zurückkehrte und den Landesligisten in die Bayernliga führte. In seinen jungen Jahren galt er als launisch und impulsiv, aber auch als brandgefährlich. 

„Der kann eine Abwehr im Alleingang auseinander nehmen – wenn er will“, meinte der frühere FCP-Trainer Tobias Strobl. Doch Salemovic ist ein kluger Kopf und hat im Laufe der Jahre dazu gelernt. Dennoch zweifelten einige Beobachter vor der Saison an, dass sich der 30-Jährige ohne Profi-Vita bei den vielen Ex-Profis durchsetzen könne. Doch tatsächlich ist Salemovic inzwischen der von allen anerkannte spielerische Kopf auf dem Platz: Er hat immer eine Auge für die Situation und die Positionen der Gegner wie Mitspieler, technisch kann ihm kaum einer das Wasser reichen – vielleicht von Daniel Leugner und Amar Cekic abgesehen. Aus dem Dribbelkünstler und Vorlagengeber Cekic hat Salemovic einen wertvollen Mannschaftsspieler gemacht, weil er den früheren Dachauer davon überzeugen konnte, auch die notwendigen Meter nach hinten zu machen. Den früheren Kreisliga-Kicker Paolo Cipolla hat er mit Bedacht und vielen Streicheleinheiten gefördert. Der 23-Jährige ist die größte personelle Erfolgsgeschichte des FCP in dieser Saison. Hürzeler konnte die Brüche im Team in der vergangenen Spielzeit nicht heilen – Salemovic kann so etwas. Zum Beispiel, als er er nach Spiel gegen den TSV 1860 München 2 begründete, warum er auf seinen eigenen Einsatz verzichtet hatte: „Cipolla war heute wieder einer der Besten (...). Und von Cekic, Pigl und Krautschneider kann man wirklich keinen draußen lassen. Also war es das Einfachste, dass ich auf der Bank blieb.“


kho

Quelle: Dachauer Rundschau

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