Contador-Comeback bei Kittel-Sieg

+
Alberto Contador

Waalwijk - Alberto Contador will sein Comeback auskosten. Ob alle an der Rückkehr des Radprofis nach seiner Dopingsperre Geschmack finden, bleibt abzuwarten. Auf der ersten Etappe der Eneco-Tour blieb er abgeschlagen.

Das Trikot mit der 1 in vierfacher Ausfertigung auf dem Rücken gefiel Alberto Contador besonders gut. So gut, dass es der umstrittene spanische Radprofi noch vor seinem ersten Start nach abgelaufener Dopingsperre hinaus in die Twitter-Welt zwitscherte. Rachegefühle hegt der 29-Jährige, der sich weiterhin ungerecht behandelt fühlt, nicht. “Ich möchte es einfach genießen“, sagte er vor dem Start der Eneco-Tour. Von seinen Gegnern erwarte er den gleichen Respekt wie früher.

Für die Veranstalter der siebentägigen Tour durch die Niederlande mit Ziel am Sonntag im belgischen Geraardsbergen ist Contador freilich eine Attraktion, auch wenn er auf der ersten Etappe nicht ins Geschehen eingreifen konnte. Beim Sprintsieg des Thüringers Marcel Kittel überquerte der umstrittene Spanier am Montag abgeschlagen im Hauptfeld die Ziellinie.

“Es war nicht der ideale Tag für ein Comeback bei einer Etappe mit mehr als 200 Kilometern Länge, Regen, einer Menge Wind und einem flachen Streckenprofil“, sagte Contador. “Diese Tage werden mir aber gut tun, um wieder meinen Rhythmus zu finden.“

Mit breitem Lachen zeigt er sich derweil auf der Homepage der Veranstaltung. Darunter wird die Rückkehr des Spaniers gepriesen. Sechs Monate hatte er aussetzen müssen. Rückwirkend war Contador im Februar zwei Jahre wegen Dopings gesperrt worden, die Strafe lief am Sonntag ab. “Ich werde mich immer daran erinnern“, meinte Contador zu seiner gezwungenermaßen rennfreien Zeit.

Nun tritt der Spanier wieder für das Team Saxo Bank-Tinkoff Bank von Bjarne Riis an, dem geständigen Dopingsünder früherer Tage. Contador bestreitet die Einnahme unerlaubter Mittel nach wie vor. Vor zwei Jahren hatte seine Dopingprobe bei der Tour de France allerdings einen positiven Befund auf Clenbuterol ergeben.

Contador hat die Probe stets auf ein “verunreinigtes Steak“ zurückgeführt. Es hätte keinen Beweis für eine Fleisch-Kontamination gegeben, hieß es aber in der Urteilsbegründung des Internationalen Sportgerichtshofes CAS, als er die Sperre gegen Contador aussprach. Sämtliche Erfolge wurden dem Spanier seit dem 21. Juli 2010 aberkannt, also auch der dritte Sieg bei der Tour de France (2010) und sein zweiter Erfolg beim Giro d'Italia ein Jahr später.

In diesem Jahr habe er die Tour aus anderen Augen gesehen, meinte Contador. Wenn er nicht selbst draußen trainierte, verfolgte er den Toursieg von Bradley Wiggins vor dem Fernseher. Auch Olympia erlebte Contador nur als Zuschauer.

Wie die erste Trophäe seiner Rückkehr hat er nun vor dem Eneco-Tourauftakt sein Trikot auf seinem Bett ausgebreitet. Die Startnummer elf für den Kapitän des Teams links und rechts auf dem Rücken, darunter jeweils der Name Contador. “Ich weiß nicht, ob Erleichterung das richtige Wort ist, aber ich freue mich wieder auf den Wettkampf. Das ist es, was ich mag.“ Die Eneco-Tour soll auch zum Warmfahren für sein großes Saisonziel - die am 18. August in Pamplona beginnende Vuelta - dienen. Danach strebt er den Start bei der WM (15. bis 23. September) in den Niederlanden an.

dpa

Die Gewinner der Tour de France seit 1989

Die Gewinner der Tour de France seit 1989

1989: Greg LeMond (USA, auf dem ersten Platz stehend) © Getty Images
1990: Greg LeMond (USA) © Getty Images
1991: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1992: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1993: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1994: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1995: Miguel Indurain (Spanien) © Getty Images
1996: Bjarne Riis (Dänemark) Riis gab später zu, gedopt zu haben . Die Disqualifikation ist nicht möglich, da die Verwendung von Doping nach acht Jahren verjährt. Die Organisatoren der Tour de France hatte Riis zunächst aus ihrer Siegerliste gestrichen. Mittlerweile wird er dort wieder geführt. © Getty Images
1997: Jan Ullrich (Deutschland) © Getty Images
1998: Marco Pantani (Italien) © Getty Images
1999: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2000: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2001: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2002: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2003: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2004: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2005: Lance Armstrong (USA) © Getty Images
2006: Floyd Landis (USA). Landis wurde aber am 21. September 2007 der Titel aberkannt. Er war positiv auf Testosteron getestet worden. © Getty Images
Dafür wurde Oscar Pereiro nachträglich zum Gewinner der Tour de France 2006 erklärt. © Getty Images
2007: Alberto Contador (Spanien) © Getty Images
2008: Carlos Sastre (Spanien) © Getty Images
2009: Alberto Contador (Spanien) © Getty Images
2010: Alberto Contador (Spanien) © dpa
2011: Cadel Evans (Australien) © ap
2012: Bradley Wiggins (Großbritannien) © ap

Auch interessant:

Meistgelesen

«Grammotzki» erhöht den Druck - Kein Gedanke an Abstieg
«Grammotzki» erhöht den Druck - Kein Gedanke an Abstieg
EM-Entscheidung vertagt - UEFA setzt München weitere Frist
EM-Entscheidung vertagt - UEFA setzt München weitere Frist

Kommentare