Mehr als nur Training

Jan Frodeno beendet „Ironman daheim“ mit Erfolg – Spenden für Corona-Krise

Der dreifache Ironman-Weltmeister Jan Frodeno bestreitet eine Langdistanz in den eigenen vier Wänden. Die einmalige Aktion für einen guten Zweck entfacht einen Medienrummel.

  • Der dreifache Ironman-Weltmeister Jan Frodeno will einen kompletten Ironman zuhause absolvieren
  • Hintergrund ist die Corona-Krise*, die Frodeno in Spanien aussitzt
  • Frodeno zeigt, „dass man zu Hause trotz der Einschränkungen vieles bewirken kann“ und sammelt Spenden

Update 11.04.2020, 17.20 Uhr:

Der dreimalige Ironman-Weltmeister Jan Frodeno hat am Samstag seinen „Ironman dahoam“ erfolgreich beendet und rund 200.000 Euro für wohltätige Zwecke in der Coronakrise gesammelt. Der 38-Jährige spulte in seinem Haus in Girona/Spanien die Ironman-Distanz über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und einem 42,195 km langen Marathon ab.

Beim Schwimmen (47:30 Minuten) nutzte Frodeno die Gegenstromanlage in seinem Pool, für das Radfahren auf der Rolle (4:13 Stunden) und die Einheit auf dem Laufband (2:58 Stunden) griff er auf eine Trainings-App (Zwift) zurück - beim Laufen musste er allerdings aufgrund vom Computerproblemen zwischenzeitlich unterbrechen.

Die reine Rennzeit von knapp acht Stunden ist aller Ehren wert. Bei seinem dritten Hawaii-Sieg im Vorjahr hatte Frodeno den Streckenrekord auf 7:51:13 Stunden gedrückt, der von ihm 2016 in Roth aufgestellte Weltrekord liegt bei 7:35:39.

Erstmeldung

Girona - Dass es sich längst um keinen Aprilscherz mehr handelt, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben. Abwegig war die Vermutung ja nicht, als Jan Frodeno an jenem für Scherze aller Art freigegebenen Datum verkündete, er bestreite die mythenumwobenen 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen als „Ironman daheim“.

Mittlerweile ist das findige Unterfangen, das am Ostersamstag um acht Uhr morgens startet und auf mehreren Kanälen, darunter Frodenos Facebook-Seite, als Live-Stream läuft, in aller Munde. Geschwommen wird eine Dreiviertelstunde in einem kleinen Pool mit Gegenstromanlage, geradelt wird in seinem Trainingsraum mit dem Rennrad auf der Rolle, wobei über die Plattform Zwift Ausdauerenthusiasten auf der ganzen Welt sich zumindest teilweise beteiligen können, anschließend geht es noch aufs Laufband.

Allein auf Instagram hat Ironman Jan Frodeno 400.000 Follower

„Es geht darum zu zeigen, dass man zu Hause trotz der Einschränkungen vieles bewirken kann“, sagt der im spanischen Girona beheimatete Ironman-Weltmeister, der auf seinem großzügigen Anwesen am Rande der katalonischen Stadt alle Voraussetzungen vorfindet, um nicht gegen die strengen Ausgangsbeschränkungen zu verstoßen, die selbst einem dreifachen Hawaii-Champion (2015, 2016, 2019) und Triathlon-Olympiasieger (2008) gerade mal erlauben, den Hund Gassi zu führen oder zum Einkaufen zu gehen.

Daher sei die Idee „aus einer gewissen Hilflosigkeit geboren“, gesteht der 38-Jährige. „Hättest du das vor zehn Jahren zu mir gesagt, hätte ich dich für verrückt erklärt, aber besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen“, teilt er über seine sozialen Netzwerke mit. Allein auf Instagram hat der Triathlon-Star Frodeno mehr als 400.000 Follower.

Ironman in den eigenen Wänden bringt Jan Frodeno maximale Publicity

„Frodo“ nutzt seine immense Strahlkraft, um mit einer sportlichen Aktion gesellschaftliche Verantwortung zu demonstrieren: Denn die Schnapsidee ist längst in ein Hilfsprojekt überführt: Über eine eigene Plattform  sollen möglichst viele Spenden eingesammelt werden. Partner haben dazu Produkte zum Verkauf gestiftet. Der eine Teil der Erlöse fließt an lokale Einrichtungen des Gesundheitswesens in Girona. Der andere Teil soll über die Organisation „Laureus Sports for Good“ verteilt werden, um soziale Projekte nach der Corona-Pandemie zu fördern. Beispielsweise wenn Kinder in beengt lebenden Familien Opfer von häuslicher Gehalt geworden sind.

Weil Frodenos Event, unter dem Slogan „Tri@home“ gefasst, dem guten Zweck dient, ist ein Medienrummel entstanden, der beinahe das Interesse vor einem Hawaii-Start übersteigt, wie sein Freund und Manager Felix Rüdiger festgestellt hat. Seine Erklärung: „Alle verspüren einen maximalen Bedarf an sportlichen Wettkämpfen, aber ernstzunehmender Sport findet ja nicht statt.“ Da erzeugt ein in die eigenen vier Wände verlegter Ausdauerdreikampf, an dem eine digitale Gemeinschaft auch noch teilweise teilhaben kann, natürlich maximale Publicity. 

Corona-Krise: Ironman Jan Frodeno organisiert Schutzmasken

„Es dient definitiv nicht der Selbstdarstellung“, stellt Jan Frodeno klar, der nach eigener Aussage auch nicht auf neue Bestzeiten, Leistungsdaten oder Wattzahlen schielt. „Mir geht es einfach darum, Aufmerksamkeit zu erregen, um Geld zu sammeln. Damit möchte ich diejenigen unterstützen, die zurzeit tagein, tagaus das wirkliche Wettrennen auf Leben und Tod in den Krankenhäusern machen.“ In seiner Wahlheimat ist das Gesundheitssystem trotz der strengen Maßnahmen teilweise kollabiert.

Mal abgesehen davon, dass natürlich der Bekanntheit seiner Ausrüster oder von ihm genutzter Simulations-Plattformen gesteigert wird, ist ihm das Anliegen für die Vorort-Hilfe abzunehmen: Der zweifache Familienvater hat von seiner Haushälterin Ane, die in ihren ursprünglichen Beruf als Krankenschwester zurückwollte, erfahren, wie dramatisch die Versorgungslücken sind*. Selbst für das Personal im Hospital in Girona waren nicht genügend Schutzmasken vorhanden, von denen der Eisenmann dann selbst 2000 organisiert hat.

Ironman daheim – Keine einmalige Aktion von Jan Frodeno?

Rüdiger hat nun noch eine Reihe von technischem Equipment wie Webcams, Stative und Kabel aus Deutschland nach Spanien gesendet. Schließlich sollen sich Interessierte von der fast zwölfstündigen Streaming-Show nicht gleich wieder abwenden, weil die Bilder zu eintönig sind oder womöglich verwackeln. Schon mit virtuellen Radfahrten – initiiert unter dem Hashtag „FrodissimoFriday“ – erreichte der Triathlon-Olympiasieger zuletzt jeden Freitag rund 2500 Mitstreiter, die daheim vor ihren Bildschirmen mitschwitzten.

Wie viele nun seiner nächsten Herausforderung aktiv und passiv folgen und welche Geldsumme letztlich zusammenkommt, darüber wird nicht spekuliert. Frodeno sagt nur: „Ich habe den Willen, zu helfen und etwas zu geben.“ Denn anders als die Dachmarke Ironman glaubt die Vorzeigefigur nicht mal mehr daran, dass der eigentliche Saisonhöhepunkt im Oktober auf Hawaii stattfinden kann. „Da muss man über die USA anreisen, sitzt 24 Stunden im Flieger. Das ist Maximalrisiko.“ Hört sich so an, als bliebe der „Ironman daheim“ gar keine einmalige Aktion.

Von Frank Hellmann

*fr.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion

Rubriklistenbild: © picture alliance/Felix Rüdiger/dpa

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