tz-Interview mit Christine Theiss

Rock im Ring! Frau Doktor schlägt zu

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Dr. Christine Theiss

München - Am Freitag ab 18 Uhr verteidigt Kickbox-Queen Christine Theiss ihren Titel gegen Olga Stavrova im Circus Krone. Die tz traf die Weltmeisterin zum Interview.

Rock am Ring? Beim Musikfestival gibt’s was auf die Ohren – aber im Circus Krone wird auch gerockt: Ring frei für Frau Doktor Christine Theiss gegen Olga Stavrova. Um 18 Uhr startet die Fight Night, wir sprachen mit der Münchner Kickbox-Queen. Das tz-Interview.

Frau Theiss, was erwarten Sie vom Kampf?

Theiss: Russische Kämpfer gehen immer durch eine sehr harte Schule. Wer sich dort durchsetzt, gehört zu den Besten. Ich habe gesehen, dass sie sehr fest hinhaut. Meine Deckung sollte stehen und meine Leber geschützt sein.

Kampfansagen fehlen, abseits des Rings wirkt Frau Stavrova introvertiert.

Theiss: Daraus darf man keine Rückschlüsse ziehen, man weiß nie, was Show ist und was nicht. Die Jungs trommeln sich immer mächtig auf die Brust, die Mädels nehmen sich eher zurück und geben dir die Packung dann im Ring.

In Ihrer Vorbereitung haben Sie Bekanntschaft mit dem Hochwasser gemacht.

Theiss: Ja, in Köln. Meine Laufstrecke am Rhein war weggespült, ich musste stattdessen an der vierspurigen Stadtautobahn laufen. Der Montag war überhaupt hart, wir haben sieben Stunden lang bis abends um zehn Uhr die erste Folge von „Mein Mann kann“ gedreht.

Wie schaffen Sie es, den Fokus für den Kampf zu finden?

Theiss: Ich lege im Kopf den Schalter um und bin seit Dienstag voll fokussiert auf den Kampf. Das Umschalten zwischen meinen Paralleluniversen, die ich mir im Moment aufbaue, gelingt mir sehr gut.

Wie verlaufen die letzten Stunden vor dem Kampf?

Theiss (lacht): Immer gleich, weil ich in meinem tiefen Inneren ein kleiner Chaot bin. Freitagvormittag gehe ich mit meinen Hunden lange spazieren, um runterzukommen. Anschließend packe ich meine Sporttasche. Danach gibt es ordentlich Kohlenhydrate zum Mittagessen. Bevor ich in die Halle fahre, schlafe ich noch mal drei Stunden.

Und machen dann Ihre Gegnerin platt?

Theiss: So ist der Plan.

In der ersten Runde?

Theiss: Ich glaube nicht, dass ich in meinem Leben in Runde eins jemanden umhauen werde. Mein Rekord liegt bei Runde zwei, das war schon schnell.

Hoffentlich wird’s nicht so eng wie im DFB-Pokalfinale. Sie waren dort und haben den Pokal übergeben.

Theiss: Die letzten zehn Minuten in Berlin waren furchtbar, weil ich unten am Spielfeld­rand stand. Ich weiß gar nicht, wie die Trainer das machen, die Sicht von dort ist besch…. Ich sage nicht, dass ich bei meinen Kämpfen grundsätzlich von einem K.o.-Sieg ausgehe, aber wenn ich die Möglichkeit sehe, mache ich den Sack zu.

Christine Theiss: Schön, klug und knallhart

Christine Theiss: Schön, klug und knallhart

Sie ist schön, klug und knallhart: Dr. Christine Theiss ist das sympathische Aushängeschild des Kickboxens in Deutschland. Wir stellen die Weltmeisterin und Ärztin vor. © fkn
Die 30-jährige Powerfrau passt in kein gängiges Klischee. Eine Intellektuelle, die auch noch die Herzlichkeit in Person ist, soll Champion im Kickboxen sein? Das passt doch gar nicht zusammen, oder? Keineswegs. Theiss ist eine Powerfrau der Superlative. © Sampics
2007 wurde sie Profi-Weltmeisterin im Kickboxen. Den Titel hat die Münchnerin seitdem 11-mal verteidigt. das Bild zeigt Theiss (rechts) beim Kampf gegen die Belgierin Kate Mintiens im Dezember 2009. © dpa
Die Kickboxerin stammt aus einer Mediziner-Familie: Theiss' Eltern sind beide Ärzte. Sie selbst beendete 2007 das Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München mit dem Staatsexamen. Im Dezember 2008 promovierte sie zur Dr. med. © Sampics
Das Thema ihrer Doktorarbeit: "G-CSF-Therapie zur adjuvanten Behandlung des verzögert revaskularisierten Myokardinfarktes." Um das gleich festzuhalten: Dabei geht es nicht um Kieferbrüche, sondern um Herzinfarkte. © dpa
Seit 2003 tariniert Theiss im Kampfsportzentrum Steko in München. Zur Wiesn-Zeit entstehen dort auch schon mal Promo-Fotos wie dieses, das sie beim Kämpfen im Dirndl zeigen - mit Profi-Weltmeister Besim Kabashi. © dpa
Links auf dem Bild ist Theiss' Trainer Mladen Steko - er trug ebenfalls jahrelang den Weltmeister-Gürtel im Kickboxen. In der Mitte steht Rocksängerin Kim Wilde. Deren Song "Lights down low" läuft am Samstag, 4. September 2010, vor Theiss' WM-Kampf in der Kölner Lanxess-Arena gegen die Spanierin Imam Chaoub Chairi (26). © fkn
Theiss Trainingspensum ist wirklich weltmeisterlich: Sechsmal in der Woche absolviert sie zwei Trainingseinheiten. Was sich auch in Form einer Top-Figur auszahlt. © fkn
Bei einer Größe von 1,75 Metern bringt die 30-Jährige (links) 60 Kilogramm auf die Waage. © Sampics
Im Laufe ihrer Karriere holte Theiss 26 Siege und kassierte lediglich eine Niederlage. © Sampics
Neun ihrer Kämpfe beendete die Weltmeisterin (links) vorzeitig per Knockout. © Sampics
Auf diesem Foto liefert Theiss sich in Steko's Sportcenter eine Sparringsrunde im Abendkleid gegen Weltmeister Besim Kabashi. Der trägt Anzug. © dpa
Und auf diesem Bild trainiert Theiss ihre hammerharten Kicks im Unterwasserbecken. © dpa
2008 gewann Theiss den Bayerischen Sportpreis in der Kategorie „Hochleistungssportler plus“. © Getty
Bei der Preisverleihung zeigte sie dem damaligen Kultusminister Siegfried Schneider gleich mal, wie ein perfekter Kinnhaken angesetzt wird. © Getty
Neben ihrer Karriere als Kickboxerin und Ärztin ist Theiss auch als Model erfolgreich. © Sampics
Momentan liegt ihr Hauptaugenmerk beim Kämpfen. Sie will ihren Weltmeister-Gürtel noch möglichst lange verteidigen. © dpa
Sport-Frauen unter sich: Theiss (links) mit Katrin-Müller Hohenstein, der Moderatorin des "Aktuellen Sportstudios". © Getty
Ihr Kampf heute ist Nummer 39 in Ihrer Karriere. Wie viele werden es noch?

Theiss: 40 werden es auf jeden Fall. Danach habe ich einen ganz, ganz wunderschönen Plan im Kopf, wie mein Abschied aussehen soll. Aber jetzt habe ich erst mal Lust auf den heutigen Kampf. Ich will den Ring rocken.

Interview: M. Müller

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