Erster Grand Slam für den Russen

Tennis-Sensation bei den US Open: Medwedew entzaubert Djokovic - und jubelt wie ein Fußballer

Überraschende Szene nach dem Triumph: Daniil Medwedew und sein FIFA-Jubel.
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Überraschende Szene nach dem Triumph: Daniil Medwedew und sein FIFA-Jubel.

Daniil Medwedew hat das US-Open-Finale gegen Novak Djokovic gewonnen. Der Russe feierte seinen ersten Grand-Slam-Titel auf ungewöhnlich Weise.

New York - Es war eigentlich alles angerichtet für Novak Djokovic. Er hatte schon drei Grand Slams in diesem Jahr gewinnen, bei den US Open* sollte der vierte und damit historische Triumph folgen. Zuletzt gelang Rod Laver 1969 dieses Kunststück - und dabei bleibt es auch vorerst, denn Djokovic unterlag im Finale überraschend deutlich dem Russen Daniil Medwedew. Am Ende stand es 6:4, 6:4, 6:4, das Match dauerte gerade einmal etwas mehr als zwei Stunden.

Schon bevor die historische Chance auf den Grand Slam endgültig vergeben war, konnte Djokovic die Tränen nicht zurückhalten. Für den Serben hatte so wenig wie selten zuvor in einem großen Finale geklappt, beim letzten Seitenwechsel brach es dann auf der Bank sitzend aus ihm heraus und er heulte bitterlich in sein Handtuch.

US Open: Medwedew entzaubert Djokovic - und jubelt wie ein Fußballer

Ein Schlag ins Netz beendete einige Minuten später endgültig alle Träume vom vierten großen Titel in einem Kalenderjahr. In Melbourne, Wimbledon und Paris hatte er 2021 bereits gewonnen. Die einzige Niederlage bei einem Grand-Slam-Turnier in diesem Jahr war dann bitter und unerwartet deutlich.

Kurios: Medwedew feierte dann wie ein Fußballer. Denn sein Jubel stammt aus dem beliebten Videospiel „FIFA“ - hinfallen lassen und wie ein toter Fisch liegenbleiben. In der Gamer-Szene gilt dieser Move schon fast als legendär. Der US-Open-Gewinner sagte nach dem Match: „Ich spiele gerne FIFA. Ich spiele gerne Playstation. Das nennt sich Toter-Fisch-Jubel. Ich habe mir etwas wehgetan. Aber ich bin glücklich, dass ich es legendär gemacht habe für mich.“

Als Djokovic* das Mikrofon ergriff waren seine Augen noch immer feucht, womöglich auch schon wieder - so sehr beschäftigten den 34-Jährigen die Umstände. „Mein Herz ist gefüllt mit Freude und ich bin der glücklichste lebende Mann, weil ihr mir das Gefühl gegeben habt, speziell zu sein“, sagte Djokovic in Richtung des Publikums. „Ihr habt meine Seele berührt. Ich habe mich in New York* noch nie so gefühlt. Danke euch vielmals. Ich liebe euch und ich sehe euch bald wieder.“

Daniil Medwedew gewinnt US Open - Novak Djokovic verpasst historische Chance

„Sorry Novak und Fans. Wir wussten alle, was er heute versucht hat, zu erreichen“, sagte Medwedew in seiner Rede bei der Siegerehrung zu seinem ersten Grand-Slam-Erfolg und sprach dann direkt zu seinem unterlegenen Kontrahenten. „Ich habe das noch nie zu jemandem gesagt, aber ich sage es jetzt zu dir: Für mich bist du der größte Tennisspieler der Geschichte.“ Rod Laver, der 1969 alle Grand-Slam-Turniere gewann, bleibt aber der letzte Mann, dem das gelungen ist.

Wie in den vorausgehenden Runden verlor Djokovic den ersten Satz - dass er aber direkt sein erstes Aufschlagspiel an Medwedew abgeben musste, war ungewöhnlich. Nach lediglich 36 Minuten lag er 0:1 zurück gegen einen Gegner, der alles im Griff hatte. Selbst drei Breakbälle für Djokovic und die ungeniert für den Serben jubelnden Zuschauer zu Beginn des zweiten Durchgangs brachten den 25-Jährigen nicht aus der Ruhe. Aus 0:40 machte er das 1:1. Djokovic haderte immer wieder sichtbar und wirkte mental nicht so souverän wie noch beispielsweise beim Halbfinalsieg gegen Alexander Zverev.

Djokovic-Frust und Medwedew-Konter im US-Open-Finale

Als Medwedew einen neuerlichen ersten Aufschlag quasi geschenkt bekam, weil mitten im Ballwechsel über die Stadionlautsprecher plötzlich Musik spielte und der Schiedsrichter unterbrach, war Djokovic aufgebracht. Als er kurz darauf auch seine zweite Breakchance nicht nutzte, zerstörte der Weltranglistenerste nach gut einer Stunde Spielzeit völlig gefrustet seinen Schläger. Es kam noch schlimmer: Medwedew schnappte sich keine zehn Minuten später das nächste Break zum 3:2 und hüpfte euphorisiert in Richtung Bank.

Was auch immer Djokovic machte, der 1,98 Meter große Medwedew war in zu vielen Situationen flink genug und gut genug für eine Antwort. Nach 90 Minuten hatte er den zweiten Satz gewonnen.

Djokovic dagegen war weit von seiner Bestform entfernt und gab im dritten Satz seine beiden ersten Aufschlagspiele ab. Enge Situationen, sonst seine Stärke, gingen nahezu immer zugunsten Medwedews aus. Dazu kamen verschenkte Punkte in Situationen, in denen ein Novak Djokovic an einem normalen Tag keine Punkte verschenkt. Nach einem Shirtwechsel Djokovics vergab Medwedew zwar seinen ersten Matchball, wenige Minuten später aber sank er zu Boden - als Sieger. (akl/dpa) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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