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Raceboarderin Langenhorst: „Ich weiß jetzt zu 100 Prozent: Ich gehöre oben mit dazu!“

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Von: Uli Kellner

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Snowboarderin Carolin Langenhorst, 26, aus Bischofwiesen jubelt.
Endlich der erste Weltcupsieg: Carolin Langenhorst, 26, aus Bischofwiesen. © dpa

Rechtzeitig vor der WM in Georgien ist sie in Topform: Raceboarderin Carlin Langenhorst, 26, die in Scuol ihr erstes Weltcuprennen gewann und Lust auf mehr hat.

Einen Monat vor der WM in Georgien hat Snowboard Germany eine neue Siegfahrerin. Beim Weltcup in Scuol vor zehn Tagen raste Carolin Langenhorst, 26, erstmals in ihrer Karriere ganz oben aufs Stockerl. Klammert man das Rennwochenende in Bansko aus, wo es für das ganze Team nicht lief, weckt das Hoffnungen. Darüber und über ihre WM-Erwartungen sprachen wir mit der Raceboarderin vom WSV Bischofswiesen.

Mit Ihrem ersten Weltcupsieg haben Sie viele überrascht, Carolin. Sie sich selber selber auch?

Langenhorst: Jein. Ich wusste, es ist möglich und machbar – und ich hatte mich gut gefühlt an diesem Tag. Es waren genau die Bedingungen, die mir liegen.

Welche genau?

Langenhorst: Harte Bedingungen! Dass man richtig schön auf die Kante gehen kann. Es hatte zwar die Tage davor leicht geschneit, alles war angezuckert. Aber überwiegend war es Kunstschnee.

In wieweit hatte sich Ihr Erfolg angekündigt?

Langenhorst: Nicht so direkt. Ich bin tatsächlich von ganz unten nach ganz oben durchgestartet. Im Rennen davor war ich disqualifiziert, bin nicht mal ins Finale gekommen. Es lief allgemein eher durchwachsen. Meistens hatte ich einen guten Quali-Lauf, hab’s mir aber mit dem zweiten verbockt.

Trotzdem hatten Sie dann so stabile Nerven?

Langenhorst: Normal setzt irgendwann der Kopf bei mir ein, das stimmt. Diesmal habe ich versucht, entspannt ranzugehen, mir nicht ganz so viele Gedanken zu machen. Ich habe gewusst: Ich bin in der Quali überragend gefahren. Dieses Gefühl habe ich mir jedes Mal wieder in den Kopf gerufen. Ich habe mir gesagt: Wenn ich so fahre, ist heute richtig viel drin. So habe ich mich von Lauf zu Lauf gepusht. Ich denke, das war die richtige Taktik an diesem Tag.

Im Finale stand dann Ramona Hofmeister neben ihnen im Startgate, Ihre hochfavorisierte Teamkollegin. Schluckt man da?

Langenhorst: Das war interessant. Alle Leute haben gesagt: Das muss doch der Lauf gewesen sein, wo du richtig nervös warst! Tatsächlich war das aber der entspannteste Lauf. Ich habe gewusst: Wir sind beide im großen Finale, stehen danach zusammen oben auf dem Podest. Alles was noch kommt, kann nur noch Zugabe sein, die Kirsche auf der Torte. Deswegen konnte ich da ganz entspannt runterfahren.

Hatten Sie Ramona zuvor schon mal besiegt?

Langenhorst: Nur in Quali-Läufen, aber die zählen ja nicht richtig. In den Finalrennen hat immer Ramona gewonnen.

Was hatte aus Ihrer Sicht bisher zum ganz großen Wurf gefehlt?

Langenhorst: Ich denke, je mehr Erfahrung man sammelt, desto näher kommt man dem Platz oben auf dem Stockerl. Ich hab aber auch ein bisschen was an den Schuhen verändert. Meine Unterschenkel sind recht kurz, deswegen hab die Zungen von der Außenschale ein Stück abgeschnitten – das scheint ganz gut zu funktionieren. Jetzt kann ich beim Frontside-Kurs besser aufkanten.

Ist Ihr erster Platz auch eine Ansage im Hinblick auf die WM?

Langenhorst: Er bringt mir auf jeden Fall sehr viel Selbstbewusstsein. Ich weiß jetzt zu 100 Prozent: Ich gehöre oben mit dazu! Wenn ich einen guten Tag erwische, kann ich auch in der Spitzengruppe mitmischen. Dieses Gefühl nehme ich mit in die nächsten Rennen.

Dreimal waren Sie bisher bei einer WM dabei – Platz sieben in Park City 2019 war Ihr bestes Ergebnis. Reicht es im vierten Anlauf für eine Medaille?

Langenhorst: Es ist alles möglich! Wir haben zwei Chancen, eventuell sogar drei mit dem neuen Teamevent. Klar: Jeder kämpft um eine Medaille – aber das Können ist da, diesen Beweis habe ich jetzt.

Interview: Uli Kellner

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