Snowboard

„Wohnung blitzblank, alles geputzt“

Snowboarderin Selina Jörg bejubelt ihren Sieg bei der WM 2019 in Park City.
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Ganz oben angekommen: Selina Jörg nach dem Gewinn ihrer WM-Goldmedaille im Parallelriesenslalom.

Snowboard-Weltmeisterin Selina Jörg über ihre Corona-Infektion samt häuslicher Quarantäne.

Es sei ein kleiner Schock gewesen, als ihre persönliche Corona-Ampel plötzlich Rot anzeigte. Snowboard-Weltmeisterin Selina Jörg (32, Sonthofen) wurde Ende Oktober positiv auf Covid-19 getestet, was eine häusliche Quarantäne nach sich zog – auch für ihre Teammitglieder aus dem Race-Kader. Wie es Jörg während ihrer Corona-Infektion ging und was der Befund konkret für sie bedeutete, verrät die Allgäuerin in unserem Interview.

  • Ausgerechnet die Weltmeisterin steckte sich mit dem Coronavirus an.
  • Sie hatte einen milden Krankheitsverlauf und eine gefühlt sehr lange Quarantäne.
  • Ihr nächstes großes Ziel ist eine weitere WM-Medaille.

Selina, der Verband Snowboard Germany hat sich sehr strenge Hygiene-Regeln gegeben – trotzdem wurden Sie positiv auf Covid-19 getestet. Haben Sie eine Erklärung dafür? Wissen Sie, wo Sie sich angesteckt haben?

Jörg: Ja, ich weiß es. Ich hab mich aber dazu entschlossen, kein großes Statement abzugeben. Es war einfach so, alles ein bisschen unglücklich gelaufen – ich hab’s aber gut überstanden und bin jetzt hoffentlich immun (lacht).

Im Allgäu, wo Sie wohnen, grassiert das Virus wie fast überall. Kennen Sie noch andere Betroffene?

Jörg: Ja, einige. Zwischenzeitlich gingen die Zahlen im Allgäu durch die Decke.

Ging es Ihnen schlecht während der Infektion oder hatten Sie das Glück eines milden Verlaufs?

Jörg: Es ging. Zwei Tage lag ich richtig flach – mit Kopf- und Gliederschmerzen, aber ohne Fieber und Geschmacksverlust. Ein paar Tage habe ich mich schwach gefühlt, aber in anderen Jahren wäre ich gefühlt nach drei Tagen wieder ins Training gegangen.

Heißt das, Sie hätten es ohne die Routinetests gar nicht bemerkt?

Jörg: Genau. Ich bin krank geworden, habe mich testen lassen – und dann ist es gleich mal Rot aufgepoppt.

Vermutlich ein Schock im ersten Moment.

Jörg: Ja, natürlich. Corona ist immer so weit weg gewesen, das hatten immer die Anderen – und wenn man dann selber dazu gehört, ist das schon erst mal ein Schockmoment.

Auch wegen der verpflichtenden häuslichen Quarantäne. Wie viele Tage waren es am Ende?

Jörg: 14 genau bis zum Abschlusstest, der natürlich auch negativ sein musste. Ja, da hatte ich mal richtig viel Zeit zu Hause (lacht). Die Wohnung ist blitzblank, alles ist geputzt, jede Schublade aufgeräumt. Am Ende wurde es dann schon arg lang.

Und Ihr ganzes Racing-Team musste gleich mit in Quarantäne . . .

Später internationaler Durchbruch: Im Jahr vor ihrem WM-Coup gewann Selina Jörg bereits Olympia-Silber.

Jörg: Genau. So ist die Regel, wenn man Kontaktperson war. Als Vorsichtsmaßnahme hat es auch viele betroffen, mit denen ich auf den Lehrgängen gar keinen Kontakt hatte. Ich hoffe, dass das unser Team jetzt für diesen Winter hinter sich gebracht hat.

Wie sind Sie sonst durch dieses spezielle Jahr gekommen?

Jörg: Eine Radtour nach Kiel oder andere größere Sommerprojekte gab es dieses Jahr nicht. Ich hab aber mein Training umgestellt, andere Schwerpunkte gesetzt: weg von der Kraft, hin zu Schnelligkeit und Sprüngen – was mir immer so ein bisschen gefehlt hat. Mit Paul Berg und Lisette Thöne hatte ich eine super Trainingsgruppe. Paul ist als Snowboardcrosser ein Top-Athlet. Und Lisette war praktisch meine Trainerin – sie hat ja ihre aktive Bobkarriere beendet; von ihr als ehemalige Anschieberin konnte ich ganz viel lernen. In meinem Alter ist es wichtig, neue Reize zu setzen, auch für den Kopf. Dass man sich mal löst von dem Althergebrachten.

Dass Sie als Weltmeisterin weiterfahren, war relativ schnell klar. Bis zur nächsten WM, die im März in China stattfinden soll? Gar bis zu Olympia 2022?

Jörg: Ich entscheide das von Saison zu Saison. Jetzt ist das große Ziel der anstehende Weltcup-Winter mit dem Highlight WM. Im März schaue ich dann wieder, wie es weitergeht.

Was man sich als Weltmeisterin für ein Ziel setzt, dürfte klar sein, oder?

Jörg: Ziel ist auf jeden Fall eine Medaille. Es wäre ein großer Traum, bei der WM nachzulegen und diese Glücksgefühle noch einmal zu erleben.

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