In Berliner Flüchtlingsunterkunft

Nach tödlichen Schüssen auf Flüchtling: Ermittlungen gegen drei Polizisten

Nach den tödlichen Schüssen auf einen Flüchtling, wird erneut gegen drei Polizisten ermittelt. Es ist unklar, ob sie aus Notwehr gehandelt haben.

Berlin - Mehr als eineinhalb Jahre nach den tödlichen Schüssen auf einen 29-jährigen Iraker in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft wird erneut gegen drei Polizisten ermittelt. Dies habe das Kammergericht angeordnet, sagte Staatsanwaltschaftssprecher Martin Steltner am Mittwoch.

Ermittlungen gegen die Polizisten wurden zunächst eingestellt

Zunächst waren die Ermittlungen im Vorjahr mit Verweis auf Notwehr und Nothilfe eingestellt worden. Dagegen wandte sich die Witwe des Irakers und erzwang beim Kammergericht einen Beschluss zu neuen Ermittlungen. Die Umstände beim Schusswaffeneinsatz seien bislang nur unzureichend aufgeklärt worden, sagte der Sprecher zu der Einschätzung des Gerichts.

Flüchtling soll mit Messer auf Mitbewohner losgegangen sein

Der Flüchtling soll Ende September 2016 mit einem Messer auf einen Mann losgegangen sein. Dieser soll versucht haben, die sechsjährige Tochter des 29-Jährigen zu vergewaltigen. Die Polizei hatte die Schüsse wegen der gefährlichen Situation als gerechtfertigt verteidigt. Nach damaligen Angaben der Staatsanwaltschaft wurden mehrere Schüsse aus mehreren Dienstwaffen abgegeben. Die Polizei war wegen der Missbrauchsvorwürfe in die Unterkunft gerufen worden.

Die Beratungsstelle ReachOut und der Berliner Flüchtlingsrat sprachen am Mittwoch von einem Teilerfolg auf dem Weg zu einer lückenlosen Aufklärung. Nach den bisherigen Ermittlungen stehe nicht fest, ob der Iraker tatsächlich mit einem Messer bewaffnet gewesen sei. Zu einem tödlichen Flüchtlingsdrama kam es indes in Stade bei Hamburg, wie nordbuzz.de* berichtet.

dpa

*nordbuzz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © dpa / Oliver Berg / Symbolbild

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