„Kann viel größere Auswirkungen haben“

Düsteres Szenario zu Corona-Mutation: Mathematiker rechnet mit Verfünffachung der Toten und warnt eindringlich

Eine Medizintechnikerin am Universitätsklinikum Marseille bereitet  Proben vor, um sie auf eine hochansteckende Corona-Mutation zu untersuchen.
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Eine Medizintechnikerin sucht nach der ansteckenderen Corona-Mutante: Sie sollte nicht unterschätzt werden.

Was ist schlimmer: ein Virus, das tödlicher ist, oder eins, das ansteckender ist? Ein Londoner Mathematiker hat eine beklemmende Rechnung aufgestellt.

  • Die Corona-Mutation aus Großbritannien* bringt aktuell alle Lockdown-Prognosen durcheinander.
  • Sie ist zwar nicht tödlicher, aber ansteckender. Kein großer Grund zur Sorge also?
  • Ein Mathematiker rechnet jetzt vor, warum die Virus-Variante sogar zu mehr Toten führen könnte - rein statistisch.

London - Bestimmte Corona-Mutationen* haben Hoffnungen auf baldige Lockdown-Lockerungen, zum Beispiel in Deutschland, zunichte gemacht - selbst, wenn die Fallzahlen tendenziell sinken. Der Mathematiker Adam Kucharski, spezialisiert auf Infektionsausbrüche, hat jedoch schon früh eine eindrückliche Rechnung zu der als deutlich ansteckender geltenden Mutante aus Großbritannien gemacht: 50 Prozent mehr Infektiösität würde 978 mehr Tote bedeuten - in nur einem Monat. „Eine solche Virus-Variante wäre ein viel größeres Problem als eine Variante, die 50 Prozent tödlicher ist“, twitterte er.

Seine Rechenbeispiel zur erhöhten Sterberate geht so: Nimmt man einen R-Wert* von 1,1 (was der aktuellen Lage in vielen EU-Großstädten nahekommt) und ein Sterberisiko von 0,8 Prozent an, würden innerhalb von vier Wochen 129 von 10.000 infizierten Menschen sterben.

Horror-Beispielrechnung zu Corona-Mutante: „Kann viel größere Auswirkungen haben“

„Was, wenn die Mutante um 50 Prozent tödlicher wäre?“, fragt Kucharski auf Twitter weiter. Seine Antwort: Es gäbe 193 Tote im Monat. Drastischer wäre aber ein um 50 Prozent ansteckenderes Virus (wenn die zwei anderen Variablen gleich bleiben): Dann rechnet der Londoner Dozent mit einem sprunghaften Anstieg auf 978 Tote im gleichen Zeitraum.

„Mein Beispiel soll nur als Veranschaulichung dienen, aber mein Punkt ist: Der Anstieg von etwas, des exponentiell wächst (zum Beispiel eine Virus-Übertragung) kann viel größere Auswirkungen haben als der gleich große Anstieg von etwas, das nicht exponentiell wächst“ (wie zum Beispiel die Schwere einer Krankheit), schließt er seinen Thread ab.

Corona-Mutationen: Mathematiker warnt davor, dass Impfstoff wirkungslos werden könnte

Vor wenigen Tagen warnte der Autor überdies in der Financial Times: „Bei HIV zum Beispiel gibt es Hinweise, dass die Mutationen mit der Zeit weniger aggressiv werden, da Viren, die ihren Wirt rasch töten, eine weniger große Chance auf Weiterverbreitung haben als Viren, die einen milderen Verlauf auslösen.“

Bei Sars-CoV-2 könnte das allerdings anders sein, meint Kucharski in dem Artikel. Ein weniger tödliche Variante könnte keinen Vorteil haben, glaubt er - er geht dabei davon aus, das die Weiterübertragung oft schon geschehe, bevor der Erkrankte Symptome entwickelt.

„Allerdings, nun, da das Impfen* zu mehr Immunität führt, könnte das Druck auf das Virus ausüben, sich zu verändern. Eine aktuelle Studie legt nahe, dass Coronaviren sich daran anpassen und dann trotz ursprünglicher Unempfindlichkeit gegenüber dem Erreger Wieder-Ansteckungen möglich sind.“ (frs) *Merkur.de gehört zum Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerk.

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