Beschwerden häufen sich

Impf-Chaos in NRW: Heftige Kritik - „Voll-Katastrophe“ - doch Ministerpräsident Laschet sieht es ganz anders

Neben dem Liefer-Chaos muss Deutschland die nächste Impf-Hürde überwinden: die Verteilung. Doch eine digitale Terminvergabe schafft mehr Probleme als Lösungen.

  • Wer in Deutschland über 80 ist, wird geimpft - so zumindest der Plan.
  • Doch nicht nur die Impfstoff-Lieferung sorgt für Chaos, auch die Terminvereinbarung.
  • In Nordrhein-Westfalen brach die Website zur Vergabe der Impf-Termine am ersten Tag zusammen.

Update vom 25. Januar, 16.53 Uhr: Im Zuge massiver Probleme bei der Online-Vergabe von Impfterminen musste die schwarz-gelbe Landesregierung in Nordrhein-Westfalen einiges an Kritik wegstecken. Auch die SPD-Landtagsfraktion kritisierte die Start-Schwierigkeiten als „Impf-Chaos“. Mona Neubaur, Landesvorsitzende der Grünen, sprach von einer „Voll-Katastrophe“. Ministerpräsident Armin Laschet gab sich dagegen zuversichtlich und sprach von einem „gelungenen Impfstart“. Der CDU-Vorsitzende betonte, zehntausende Menschen hätten einen Termin bekommen. Es sei klar gewesen, dass es am Anfang zu „Stauungen“ bei der Terminvergabe kommen werde. 

Corona-Impf-Chaos in NRW: Website mit Terminen bricht zusammen - „Ein kompletter Fail“

Erstmeldung: Düsseldorf - Seit Weihnachten schon sind Impf-Teams in ganz Deutschland damit beschäftigt Risikopatient:innen gegen das Coronavirus zu impfen. Doch nicht nur die Lieferung, auch die Verteilung des Corona-Impfstoffes gestaltet sich komplizierter als erhofft. Während mobile Teams sich um die Impfungen von Patienten in Kranken- und Pflegeeinrichtungen kümmern, muss sich der Rest der gefährdeten Personengruppe um einen Termin bemühen. Das gestaltet sich in den verschiedenen Bundesländern sehr unterschiedlich: Meist wird auf Telefon- und Online-Dienste gesetzt.

Viele ältere Menschen sind mit der Vereinbarung eines Impf-Termins allerdings überfordert. Dass sich der Prozess durch die andauernden Lieferprobleme verzögert hat, macht die Sache nicht gerade einfacher. In Nordrhein-Westfalen setzt die Kassenärztliche Vereinigung, neben der Hotline 0800 116 117 01 (Rheinland) bzw. 0800 116 117 02 (Westfalen), auf eine Website zur Termin-Vereinbarung. Am 25. Januar sollten über 80-Jährige hier ab 8.00 Uhr morgens einen Termin bekommen.

Impf-Website zur Terminverarbeitung in NRW überfordert: Beschwerden häufen sich - „kompletter Fail?“

Wer einen Computer hat und damit die Möglichkeit überhaupt wahrnehmen kann, der muss seit Montag trotzdem mit einer Fehlermeldung rechnen. Die Website www.116117.de brach am Morgen unter dem Andrang der vielen Corona-Impf-Anwärter zusammen. Beschwerden und Nachfragen häuften sich auch auf Social Media. „Derzeit erscheint die Meldung: Rufen Sie uns an. Was folgt die Ansage: ‚Leider sind, wegen der hohen Nachfrage, unsere Leitungen überlastet.‘“, beschwert sich ein Nutzer wütend auf Twitter. „Was soll diese @116117 Digitalisierung der Anmeldung zur Impfung sein, wenn nicht ein kompletter Fail?“

Gegen 11.30 Uhr konnte der Fehler dann vorerst behoben werden. Kassenvereinigung und Gesundheitsministerium baten weiter um Geduld bei der telefonischen und digitalen Terminvergabe. „Es wird unter Hochdruck an der Beseitigung der Engpässe gearbeitet.“ Auch am Nachmittag setzen sich die Probleme fort. Wer die Website aufruft, bekommt meist die Meldung: „Leider ist es aufgrund der erhöhten Nachfrage aktuell nicht möglich, Impftermine zu buchen. Wir arbeiten intensiv daran den Online-Buchungsservice schnell wieder herzustellen. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal.“

Leider bleibt die Terminvergabe nicht das einzige Problem bei der bundesweiten Verteilung der Coronavirus-Impfstoffe. Schon der Weg ins Impfzentrum stellt viele ältere Menschen in Deutschland vor Probleme. In den Strategien der meisten Landesregierungen sind Impftermine zu Hause oder beim Hausarzt aber derzeit nicht vorgesehen.

Rubriklistenbild: © Felix Kästle

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