Besonders gefährdete Gruppe

Corona-Forscher decken auf: Sterberisiko bei Rauchern auffällig hoch - Experte gibt ihnen einen Rat

Sars-CoV-2 und das Rauchen - lange wurde gerätselt, welche Auswirkungen Nikotin auf eine Infektion haben würde. Jetzt bringt eine Studie Licht ins Dunkel. Das Ergebnis ist niederschmetternd.

München - Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit - dieser Warnhinweis ist seit mehr als zwei Jahrzehnten in Deutschland auf den Zigaretten-Packungen zu lesen. Aber wohl nie zuvor steckte in diesem Slogan so viel Wahrheit wie während der Corona-Pandemie*. Denn Freunde des Glimmstängels leben neuesten Erkenntnissen zufolge mit einem deutlich erhöhten Risiko, infolge einer Infektion mit dem Virus schwer an Covid-19* zu erkranken oder sogar an der Lungenkrankheit zu sterben.

Vor diesem Zusammenhang warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO, nachdem im vergangenen Jahr sogar Gerüchte aufgekommen waren, das inhalierte Nikotin könnte einen Schutz gegen Sars-CoV-2 darstellen. Mittlerweile ist klar: Das war allenfalls Wunschdenken.

Corona und Rauchen: Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen können schwerwiegende Folgen haben

Das Ärzteblatt etwa verweist darauf, dass langjähriges Rauchen nicht nur die Lunge schädige, sondern auch eine beschleunigte Atherosklerose zur Folge habe. Diese krankhafte Verhärtung von Blutgefäßen durch die Ansetzung von Plaque mündet in Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Schwächungen also, die Covid-19 sich zunutze macht, um besonders folgenschwer im Körper* zu wüten.

Dem Magazin zufolge sollte beim Rauchen die kumulative Dosis beachtet werden. Diese lasse sich durch die Angabe der Packungsjahre ermitteln. Dahinter verbirgt sich die Zahl der täglich gerauchten Packungen multipliziert mit der Anzahl der Jahre als Raucher. In einer Studie der „Cleveland-Clinic“ sei die Rate der im Krankenhaus behandelten Covid-19-Patienten unter aktuellen oder ehemaligen Rauchern 4,65 mal höher gewesen als unter Erkrankten, die sich noch nie eine entzündete Zigarette zwischen die Lippen geschoben haben. Das Sterberisiko sei sogar 6,2-fach erhöht. Außerdem verriet 24Vita.de*, wer mit dem Rauchen aufhört, lebt gesünder und glücklicher.

Video: Mit diesen 10 Tipps werden sie einfacher zum Nichtraucher

Corona und Rauchen: Sterberisiko fast doppelt so hoch - unabhängig von Alter oder Geschlecht

Zu beachten sei, dass ein Teil des zusätzlichen Risikos auch auf das deutlich höhere Alter der Langzeitraucher zurückzuführen sei. Doch auch unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und ethnischer Herkunft spuckte die Analyse für Corona-Infizierte mit mehr als 30 Packungsjahren eine 2,25 mal höhere Hospitalisierungsrate aus, die Gefahr eines tödlichen Krankheitsverlaufs ist 1,89 mal so hoch.

An der Studie nahmen 7102 Menschen teil, von denen der überwiegende Teil - nämlich 6020 - nie geraucht haben. 172 sind aktuelle Raucher, 910 waren dem Nikotin einst verfallen. Dass erhöhte Sterberisiko infolge einer Corona-Infektion gilt dabei auch für letztere. Der Internist und Pneumologe Prof. Stefan Andreas sieht auch deshalb die Pandemie als Anlass, um sich das Rauchen abzugewöhnen. Dies gelte unabhängig davon, wie lange die Sucht schon anhält.

Corona und Rauchen: Flimmerhärchen müssen leiden - haben bei Infektion aber besonders wichtige Funktion

In Mitleidenschaft geraten bei Rauchern etwa die Flimmerhärchen, die sozusagen einen Teppich der Schleimhaut in den Atemwegen bilden. Dazu erklärt der Experte: „Die sind quasi die Müllabfuhr der Lunge. Sie führen Schleim und Bakterienreste nach oben, sodass sie abgehustet werden können.“ Dies sei gerade im Hinblick auf einen möglichen Corona-Befall der Lunge eine wichtige Funktion.

Wer nicht mehr raucht, kann sich über eine ziemlich rasche Erholung seiner Flimmerhärchen freuen. „Ein Rauchverzicht senkt das Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung relativ schnell“, macht Andreas Mut. Diese Besserung stelle sich zwar nicht umgehend ein, aber sei von Tag zu Tag spürbar. Deshalb betont der Leiter der Lungenfachklinik Immenhausen in Hessen: „Man sollte auf keinen Fall weiterrauchen, weil man sich sagt: Es ist ja sowieso zu spät aufzuhören!“

Corona und Rauchen: Krebsforscher werfen deutscher Politik Versagen im Kampf gegen Tabakkonsum vor

Womöglich provoziert Sars-CoV-2 nun also einen Umschwung, der trotz der groß angelegten Warn-Kampagne seit dem Ende des vergangenen Jahrtausends ausblieb. Erst vor wenigen Wochen hatte das Deutsche Krebsforschungszentrum die Bundesrepublik* als europäisches Schlusslicht im Kampf gegen den gesundheitsschädlichen Tabakkonsum dargestellt. Dr. Ute Mons als Leiterin der Stabsstelle Krebsprävention schimpfte: „Die Politik hat weitgehend versagt bei der Tabakkontrolle.“

Derzeit würde jede vierte Frau zwischen 25 und 69 Jahren Nikotin in ihre Lunge saugen, bei den Männern dieser Altersgruppe sei es sogar ein knappes Drittel. Und auch unter Jugendlichen gibt es zahlreiche Raucher: Hier greifen sechs Prozent der Jungen und 5,2 Prozent der Mädchen zum Glimmstängel. Festzuhalten bleibt auch: Im Jahr 2018 war bei 13 Prozent der Todesfälle im Land Tabakkonsum im Spiel.

Laut der „Techniker Krankenkasse“ sind jährlich mehr Todesfälle auf das Rauchen zurückzuführen als auf AIDS, Alkohol, illegale Drogen, Verkehrsunfälle, Selbstmorde und Morde zusammen. Folglich gelte: Rauchen ist das wichtigste vermeidbare Gesundheitsrisiko. Das galt für die Zeit vor der Pandemie. Aber jetzt erst recht. (mg, dpa) *merkur.de und 24Vita.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

Rubriklistenbild: © Andrea Warnecke/dpa

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