In ehemaligem Pandemie-Hotspot

Corona-Vorhersage im Klärwerk: Forscher entwickeln Frühwarnsystem - „Liegen fünf Tage vor den offiziellen Zahlen“

Forschern der TU München gelang es jetzt mit Abwasser ein Corona-Frühwarnsystem zu entwickeln.
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Forschern der TU München gelang es jetzt mit Abwasser ein Corona-Frühwarnsystem zu entwickeln.

Im Berchtesgadener Land wollen Forscher und Behörden ein Frühwarnsystem für den Pandemie-Verlauf entwickeln. Erste Ergebnisse machen Hoffnung.

  • Das Coronavirus hatte das Berchtesgadener Land hart getroffen.
  • Forscher und Behörden wollen nun ein Frühwarnsystem installieren.
  • Eine Auswertung der Abwasserproben lieferte jetzt erste Ergebnisse (Update vom 17. Dezember, 13.01 Uhr).
  • Hier finden Sie die Corona-News aus Bayern. Außerdem bieten wir Ihnen in einer Karte* die aktuellen Fallzahlen im Freistaat.

Update vom 17. Dezember, 13.01 Uhr: Das Frühwarnsystem funktioniert. Das sind die Erkenntnisse eines Pilotprojekts der TU München im besonders von Corona betroffenen Landkreis Berchtesgaden. Hier haben Forscher versucht aus Analysen des Abwassers im Klärwerk die Entwicklung der Corona-Infektionen vorherzusagen.  „Wir liegen mit unseren Ergebnissen vier bis fünf Tage vor den offiziellen Zahlen“, sagte Professor Jörg Drewes.

Seit gut drei Wochen nehmen die Forscher unterstützt vom Sanitätsdienst der Bundeswehr Proben aus den Klärwerken der Umgebung. Und das zahlt sich aus. Grundsätzlich sei es so möglich, ein Frühwarnsystem aufzubauen, erklärte Drewes. „Wir können sehen, wenn drei oder vier Leute infiziert sind.“

Großer Vorteil des Projekts: Es können so genauere Zahlen der Betroffenen ermittelt werden. Denn häufig verlaufen Corona-Infektionen symptomlos und tauchen so in keiner Statistik auf. Jetzt müssen die Forscher das System noch weiter verbessern. Dann könnte es vielleicht schon bald flächendeckend eingesetzt werden.

Erstmeldung vom 4. Dezember 2020

Berchtesgaden - Im Landkreis Berchtesgadener Land an der Grenze zu Österreich sind die Corona*-Zahlen im Oktober massiv gestiegen. Der Kreis machte deutschlandweit Schlagzeilen und ging am 20. Oktober in den Lockdown. Damals traten auch Ausgangsbeschränkungen in Kraft.

Berchtesgaden: Coronaviren im Abwasser - Forscher und Behören wollen Frühwarnsystem installieren

Nun wollen Forscher und Behörden im Berchtesgadener Land mit der Analyse von Coronaviren* im Abwasser ein Frühwarnsystem für den Pandemieverlauf installieren. Dazu sollen bei dem Pilotprojekt an zehn Messstellen im Landkreis Proben ausgewertet werden. Das teilte das Landratsamt mit.

Damit würden erstmals in Deutschland flächendeckend Abwasserproben analysiert. Durch die Korrelation mit den Einwohnerzahlen und bestätigten Corona-Fällen* sollen sie Aufschluss über das Infektionsgeschehen geben. Viele infizierte Menschen entwickelten wenig oder kaum Symptome*. Sie könnten das Virus aber trotzdem an Risikogruppen weitergeben, heißt es.

Corona-Frühwarnsystem? Forschung im Berchtesgadener Land

Wissenschaftler suchen deshalb nach Frühwarnsystemen zum Schutz der Bevölkerung. Ziel sei, das Infektionsgeschehen früher zu erkennen - und dementsprechend auch früher darauf reagieren zu können. An einem solchen System forsche die TU München mit dem Technologiezentrum Wasser (TZW) in Karlsruhe und Epidemiologen der Bundeswehr nun im Landkreis Berchtesgadener Land.

Schon vor vielen Monaten gab es Virusnachweise im Abwasser. Auf Basis entsprechender Analysen vermuteten Forscher* etwa, dass der Erreger in Italien früher zirkulierte als angenommen. Spuren waren in Abwasserproben aus Mailand und Turin entdeckt worden, die aus dem vergangenen Dezember stammten.

Video: Corona-Pandemie: Jetzt kommt die Überwachung über das Abwasser

Coronavirus in Bayern: „Virenfracht“ im Abwasser lässt Rückschlüsse auf Covid-Infektionen zu

Im Sommer hatten Forscher aus Aachen und Frankfurt eine Methode zu Überwachung von Corona-Infektionen im Abwasser entwickelt. Die gemessene „Virenfracht“ einer Anlage erlaube Rückschlüsse auf die Anzahl der mit Covid-19 infizierten Menschen im Einzugsgebiet, teilte die RWTH Aachen damals mit. Die Sensitivität reiche aus, um als Frühwarnsystem anzuzeigen, ob der Inzidenz-Wert von 50 Corona-Infektionen pro 100.000 Einwohnern überschritten werde. (kam/dpa) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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