Anhand der Datenanalyse von Versicherten

Neue Impfstoff-Strategie gegen Corona: Krankenkasse stellt Konzept vor - Todesfälle könnten drastisch reduziert werden

Eine Krankenschwester impft eine 92-jährige Frau mit Covid-19 Impfstoff von Biontech/Pfizer
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Eine Krankenschwester impft eine 92-jährige Frau mit Covid-19 Impfstoff von Biontech/Pfizer

Risiko-Patienten sollen gezielter identifiziert und zu den Menschen gehören, die als erste geimpft werden sollen. Die Krankenkasse Barmer stellt ein neues Konzept vor.

  • Durch eine neuen Impfstrategie der Krankenkasse Barmer sollen Krankenhäuser entlastet werden.
  • Mithilfe des Verfahrens könnte es 45 Prozent weniger Todesfälle geben.
  • Barmer-Chef Prof. Christoph Straub stellt das Konzept zur Verbesserung vor.

München - Der Corona-Impfstoff gegen den Erreger SARS-CoV-2 ist seit Ende 2020 auf dem Markt. Es ist eine gute Nachricht, die bei vielen Bürgern und Bürgerinnen für Hoffnung sorgt. Schlagzeilen um den begehrten Impfstoff lassen sich dennoch nicht vermeiden. Von zu wenigen Impfstoff-Dosen bis hin zu Fragen wie „Ist der Wirkstoff wirklich sicher?“ und „Wer darf nun zuerst geimpft werden? Bin ich ein Risiko-Patient?“ - derzeit wird in den Medien täglich über den Impfstoff und über das Coronavirus aufgeklärt.

Die Krankenkasse Barmer möchte nun ein neues und verbessertes Konzept vorstellen, bei dem Risiko-Patienten gezielter ausgewählt und geimpft werden können. Die Krankenkasse soll berechnet haben, dass es durch die neue Impf-Strategie bis zu 45 Prozent weniger Todesfälle geben könnte.

Coronavirus-Impfstoff in Deutschland: Krankenkasse Barmer mit neuer Impf-Strategie

Professor Christoph Straub ist Chef der Barmer Krankenkasse und äußert sich in einem Interview mit Bild.de zu dem neuen Konzept: „Wir haben das Modell entwickelt, um die bestehende Impfstrategie zu verfeinern. Der Ethikrat, die Leopoldina und die Stiko stellen fest, dass sie innerhalb von Risikogruppen nicht differenzieren können, weil ihnen die Daten fehlen. In den Krankenkassen liegen diese Daten aber vor“. Krankenhäuser würden durch die neue Strategie ebenfalls entlastet werden.

Zwei wesentliche Effekte habe diese Verfeinerung der dritten Prioritätengruppe: „Die Gefahr einer Überlastung des Versorgungssystems sinkt deutlich. Denn das Risiko, dass Patienten einen schweren Krankheitsverlauf haben, sie ins Krankenhaus und dort beatmet werden müssen und sogar versterben, lässt sich nachweislich deutlich reduzieren“, so Professor Christoph Straub weiterhin.

Impfstoff gegen das Corona-Virus: Millionen Daten von Versicherten analysiert

Um ein neues Konzept und somit auch eine Verbesserung der jetzigen Impfstoff-Strategie aufzustellen, habe die Krankenkasse Daten der neun Millionen Versicherten analysiert. Das bedeutet, die Krankenkassen prüfen, welcher Patient oder welche Patientin mit Vorerkrankungen zu kämpfen hat und welche Begleiterkrankungen sie bei einer Corona-Erkrankung gehabt haben. Nach der Auswertung wird schließlich priorisiert.

Das Verfahren schließt an die bisherige Impfverordnung an, sei aber viel genauer und könne das jeweilige Risiko einer einzelnen Person berechnen, berichtet das Online-Portal weiter. Das Statement von Straub: „Mit unserer Verfeinerung ließen sich gegenüber der bisherigen Impfverordnung 45 Prozent der Todesfälle vermeiden“, so Straub. „Es geht um eine möglichst gezielte Einsetzung des knappen Impfstoffs, der noch monatelang knapp sein wird.“

Neues Konzept für Impfstoff-Durchführung von Risiko-Patienten: „Wir brauchen klare Linien“

„Es müsste entsprechend geregelt werden, dass wir und die anderen Kassen das Modell auf die Datensätze anwenden, die Risikopersonen identifizieren dürfen“, so der Barmer-Chef. Das System bzw. das Rechenmodell, welches die Krankenkasse Barmer zur Auswertung genutzt hat, ist veröffentlicht worden und könnte nun von allen Krankenkassen benutzt werden. Derzeit ist es so, dass sich Patienten selbst um einen Termin kümmern müssen. Impfarzt Dr. Thomas Assmann befürwortet das neue Konzept der Barmer, dass Patienten mit ihrer Diagnose angeschrieben und zu einem Termin eingeladen werden.

Aber auch ihm kommen ein paar Zweifel auf: „Man kann ja nicht alles statisch berechnen. Es handelt sich schließlich um Menschen. Und da ist es eben oft auch eine Ermessenssache des Arztes, ob es sinnvoll ist, eine Person zu impfen - zum Beispiel bei Palliativpatienten.“ Eine ständige Strategie-Änderung kann man nicht machen, da viele Menschen mit den vielen Regeln überfordert sind. „Beim Fußball kann auch nicht alle fünf Minuten jemand kommen und die Regeln ändern. Wir brauchen endlich klare Linien!“. Ein ehrliches und offenes Statement des Arztes. Wichtig wäre es, trotz Impfstoff-Dosen und Impfungen, die uns gegen SARS-CoV-2 schützen, sich an die Lockdown-Regeln zu halten, um eine dritte Welle zu verhindern. (jku) *Merkur.de und tz.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

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