News-Ticker für Bayern

Corona in Bayern: Kommt ein zusätzlicher „Schul-Feiertag“? Berichte über Impf-Spritzen-Misere in München

Ein Arzt bereitet eine Dosis mit dem Impfstoff von Biontech-Pfizer für eine Impfung vor.
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Ein Arzt bereitet eine Dosis mit dem Impfstoff von Biontech-Pfizer für eine Impfung vor.

Ministerpräsident Markus Söder geht es mit der Impfung zu langsam. Er will, dass sich der Staat mit mehr Produktionsmöglichkeiten und schnelleren Genehmigungsverfahren befasst.

  • Nach Verdachtsfällen der Corona-Mutation* im Bayreuther Klinikum werden die Angestellten ausgegrenzt (siehe Update vom 30. Januar, 10.17 Uhr).
  • Markus Söder fordert in Punkto Impf-Planung eine Prüfung des russischen und chinesischen Impfstoffs (siehe Update vom 30. Januar, 15.31 Uhr).
  • Hier finden Sie die aktuellen Fallzahlen im Freistaat* als Karte.
  • Dieser News-Ticker wird regelmäßig aktualisiert.

+++++ Dieser News-Ticker ist beendet. Die Fortsetzung ab dem 1. Februar finden Sie hier. +++++

Coronavirus: Neues Impf-Desaster in München? Brisanter Medien-Bericht wirft Fragen auf

Update vom 31. Januar, 20.59 Uhr: Hätte man in München deutlich mehr impfen können als bisher geschehen? Einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zufolge trifft dies zu. Offenbar hat die Landeshauptstadt auf Grund nicht vorhandener Spezial-Spritzen* auf die Erweiterung der Dosis aus der Impfung von Biontech und Pfizer verzichten müssen, wie auch tz.de* berichtet. Der Grund: Die Stadt habe bereits solche nachbestellt, sie seien jedoch entweder gar nicht oder nur in geringen Mengen angekommen. Jetzt will man reagieren.

Corona in Bayern: Freie Wähler preschen mit Vorschlag vor - kommt zusätzlicher Feiertag?

Update vom 31. Januar, 18.13 Uhr: Als Ersatz für die coronabedingt abgesagten Faschingsferien haben die Freien Wähler im Landtag zusätzliche freie Tage vorgeschlagen. So könnte beispielsweise der 14. Mai, der Freitag nach Christi Himmelfahrt, heuer als Ferientag deklariert werden, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, Eva Gottstein, am Sonntag. „Außerdem sollten wir unserer engagierten Lehrerschaft den Buß- und Bettag als zusätzlichen freien Tag anbieten, denn das haben sich die Kolleginnen und Kollegen mehr als verdient.“

Der Buß- und Bettag ist am 17. November. Bayernweit haben an diesem Tag die Schulen geschlossen, die Lehrer haben aber nicht dienstfrei. An vielen Schulen wird der Tag für einen sogenannten pädagogischen Tag genutzt. Lehrer protestantischen Glaubens haben aber die Möglichkeit, von derartigen Veranstaltungen fernzubleiben, um zum Gottesdienst zu gehen.

Update vom 30. Januar, 17.01 Uhr: Nach der Zulassung des Corona-Impfstoffes von Astrazeneca arbeiten Bund und Länder an einer Anpassung der bisherigen Impfstrategie. Ein Ergebnis zeichnete sich in einer Videoschalte der Gesundheitsminister von Bund und Ländern an diesem Samstag bereits ab: Das Präparat soll, entsprechend einer Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko), lediglich an 18- bis 64-Jährige geimpft werden. Das sagte der derzeitige Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz, Bayerns Ressortchef Klaus Holetschek (CSU). Die Detailberatungen sollen allerdings am Montagabend fortgesetzt werden.

Abgesehen davon zeichnete sich nach Worten Holetscheks grundsätzlich bereits ab, dass es bei der bisherigen Priorisierungs-Reihenfolge bleiben werde. Das erklärte auch Jens Spahn in einer Fragerunde. In der Diskussion ist zudem, dass in besonderen Härtefällen Impfungen künftig auch für Personen möglich sein sollen, die nach der geltenden Impf-Reihenfolge eigentlich noch nicht an der Reihe sind. Einzelne Länder, darunter Bayern, haben dafür bereits spezielle Impfkommissionen angekündigt oder eingerichtet, um über besondere Einzelfälle entscheiden zu können.

Gleichzeitig betonte Holetscheck, dass er vom Impfgipfel an diesem Montag erwarte, dass dort Klartext geredet und pragmatische Lösungen gefunden werden. „Wenn wir nicht riskieren wollen, das Vertrauen der Menschen in die Impfung zu gefährden, brauchen wir jetzt endlich Verlässlichkeit bei den Lieferungen und eine längerfristige Planbarkeit der Liefermengen“, betonte der CSU-Politiker.

Corona in Bayern: Neues Medikament an sechs Kliniken verteilt - Schwerer Verlauf soll verhindert werden

Unterdessen gibt es noch weitere Neuigkeiten. Nach dem Kauf von 200.000 Dosen eines neuen Corona-Medikaments für ganz Deutschland soll ein Teil der Arzneimittel an sechs Universitätskliniken in Bayern verteilt werden. Krankenhäuser in den jeweiligen Regionen bezögen dann von dort aus ihren Bedarf, sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums in München.

Die neuen Corona-Medikamente, sogenannte monoklonale Antikörper, sollen Patienten in der Frühphase einer Covid-19-Erkrankung helfen und einen schweren Verlauf verhindern. Die Kosten sollen sich bundesweit auf 400 Millionen Euro belaufen.

Corona: Söder fordert „Not-Impfstoffwirtschaft“ - und Prüfung der russischen und chinesischen Impfstoffe 

Update vom 30. Januar, 15.31 Uhr: Dass ihm die Impfung gegen das Coronavirus in Bayern zu langsam vorangeht, hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mehr als einmal deutlich gemacht. Jetzt hat er in einem Interview mit der Welt vorgeschlagen in Deutschland eine „Not-Impfstoffwirtschaft“ zu etablieren. Das heißt, der Staat gebe klare Vorgaben aus, um Produktionskapazitäten zu erhöhen und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. Die Corona-Notlage erfordere diesen Schritt.

Außerdem forderte der bayerische Landeschef, dass sich die europäischen Zulassungsbehörden mit den Impfstoffen der Chinesen und Russen befassen sollen. Sollten diese effizient sein, würde einem Einsatz auch in Deutschland nichts im Wege stehen. Ob Söder diese Vorschläge auch Montag auf der Konferenz der Ministerpräsidenten, der Kanzlerin und Vertretern der Impfstoff-Firmen einbringen wird, bleibt offen.

Corona-Mutations-Verdachtsfall in Bayreuther Klinik führt zu Ausgrenzung der Angestellten

Update vom 30. Januar, 10.17 Uhr: Nachdem bekannt wurde, dass es am Klinikum Bayreuth Verdachtsfälle auf die neuartige Corona-Mutation aus Großbritannien gibt, hat sich der Alltag für die Angestellten drastisch verändert. Ihr Leben gleicht mittlerweile einem Spießrutenlauf. Die mehr als 3300 Mitarbeiter sind sogar in ihrer Freizeit Anfeindungen und Ausgrenzung ausgesetzt.

So wurde eine Kollegin an einer Tankstelle abgewiesen, als der Angestellte den Klinikparkausweis der Frau gesehen hat, erzählt der Pressesprecher Frank Schmälzle. Das Kind einer anderen Frau wurde in der Notbetreuung isoliert. „Es durfte den ganzen Tag nur allein spielen.“ In einem anderen Fall hatten sich Nachbarn beschwert, weil eine Klinikmitarbeiterin die Waschküche des Hauses ohne FFP2-Maske nutzte.

Corona in Bayern: Klinikum Bayreuth verteidigt seine Angestellte

„Bei aller berechtigten Sorge: Unsere Mitarbeiter mit Patientenkontakt werden täglich getestet. Das ist ein Maß an Sicherheit, das sich kaum noch steigern lässt“, meint Schmälzle. „Von den Kollegen geht vermutlich sogar weniger Risiko aus als von jedem anderen Bürger.“ Ob sich jedoch die 23 Verdachtsfälle als echt herausstellen, ist noch nicht klar. Das Klinikum gehe zum jetzigen Zeitpunkt aber davon aus. „Solche Verdachtsfälle werden keinesfalls leichtfertig ausgesprochen. Wir rechnen fest damit, dass wir tatsächlich die Mutation im Haus haben.“

Dennoch wird am kommenden Mittwoch die Anordnung aufgehoben, dass die Klinikangestellten nicht mit dem ÖPNV zur Arbeit fahren dürfen. Bis dahin gilt auch ein Aufnahmestopp für Patienten. Unklar ist aber, ob bis dahin das endgültige Ergebnis der Untersuchung der Verdachtsfälle bereits vorliegt.

Update vom 29. Januar, 21.27 Uhr: Trotz Lockdown dürfen zumindest die Abschlussklassen ab dem 1. Februar im Wechselunterricht in die Schulen zurückkehren. In manchen bayerischen Regionen gelten allerdings erst einmal Ausnahmen, etwa im fränkischen Hof.

Corona-Lockerungen in Bayern: Abschlussklassen dürfen wieder in die Schule - doch es gibt Ausnahmen

Auch im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge sowie in Stadt und Landkreis Bayreuth bleiben die Absolventen aufgrund der hohen Corona-Infektionszahlen erst einmal eine Woche länger daheim.

Wegen mehrerer Mutations-Verdachtsfälle müssen die Abschlussklassen in der Region Hof Stadt weiter im Distanzunterricht lernen. Das Homeschooling gilt zunächst für zwei Wochen. Bevor die Schüler wieder zurückkehren, sollen alle getestet werden.

Corona in Hof/Bayern: Mehrere Mutations-Verdachtsfälle in Abschlussklassen - Schnelltests für Firmen

Firmen in der Region bekämen Schnelltests zur Verfügung gestellt, kündigte Landrat Oliver Bär (CSU) an. Außerdem sei geplant, vier zusätzliche Teststationen einzurichten. Alle positiven Corona-Testergebnisse in der Region sollen zunächst auf eine Mutation untersucht werden.

In insgesamt 14 Fällen in Stadt und Landkreis Hof bestand am Freitag der Verdacht auf eine hochansteckende Mutation. Einen Zusammengang mit der Grenznähe zu Tschechien schließen die Behörden nicht aus.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) lag die Zahl der Infektionen pro 100 000 Einwohner binnen sieben Wochen für die Stadt Hof bei 220,4, für den Landkreis bei 227,8. Für den Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge meldete das RKI am Freitag eine Sieben-Tage-Inzidenz von 249,1, für die Stadt Bayreuth von 137,7 und für den Landkreis Bayreuth 138,9.

Corona in Bayern: Söder erhebt Vorwürfe - und benennt Schuldigen de Desasters beim Corona-Impfstoff

Erstmeldung vom 29. Januar, 11.09 Uhr: München - Bayerns Ministerpräsident Markus Söder* hat die Europäische Union scharf kritisiert. Er warf der EU Fehler im Kampf gegen die Corona-Pandemie* vor. Es sei zu spät Impfstoff* bestellt und zudem nur auf wenige Hersteller gesetzt worden, sagte der CSU*-Chef am Freitag im ZDF-„Morgenmagazin“. Das Ergebnis sei bislang ungenügend. „Die operative Verantwortung lag in Europa“, hielt Söder fest. Man habe die grundlegende Bedeutung unterschätzt.

Söder erneuert Corona-Impfkritik: „An einigen Stellen am Anfang unterschätzt“

Man sei in Deutschland einige Wochen nach Beginn des Impfstarts nun an einem Punkt, an dem die bestellten Mengen nicht ankommen und Impfungen deswegen verschoben werden. „Das ist schon eine sehr, sehr unsichere Situation für so ein wichtiges Thema. Und ich glaube, man hat es auch in Deutschland an einigen Stellen am Anfang unterschätzt“, sagte Söder. Nun brauche es „maximale Transparenz“ bei der Aufarbeitung der Probleme. Söder begrüßte den Impfgipfel von Bund und Ländern am Montag.

Es gehe jetzt darum, schneller an mehr Impfstoff* zu kommen. „Das kann doch nicht sein, dass ein so großer Kontinent, der wirtschaftlich so stark ist und so viele große Pharma-Unternehmen hat, nicht mehr an Produktion möglich machen kann, als nur ein Werk, dass jetzt gerade in Marburg ans Band gehen soll“, sagte Söder.

Wird der Corona-Lockdown im Februar gelockert? Söder ist skeptisch: „Ich finde nicht, dass ...“

Bezüglich einer Lockerung der Corona-Maßnahmen*, die bis Mitte Februar befristet sind, zeigte er sich skeptisch. „Ich bin nicht überzeugt, dass am 14. alles aufgehoben wird. Ich finde nicht, dass es die Zeit für große Lockerungen ist.“ Mutation* und vorschnelle Lockerungen seien „eine toxische Kombination“, so Söder.

Video: AstraZeneca - Impfstoff und Hersteller in der Kritik

Corona: Impfen geht nur langsam voran - Söder äußert in ZDF-Talkshow von Markus Lanz Kritik

Bereits in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz, bei der Söder am Mittwochabend per Video zugeschaltet war, kritisierte er das langsame Impfen in Deutschland.* „Die Impf-Logistik steht eigentlich in Deutschland. (...) Was da ist an Impfstoff, wird verimpft“, erklärte er und kritisierte, dass offenbar zu wenig bestellt wurde. „Insgesamt entsteht da wirklich kein gutes Bild“, gab er gegenüber Lanz zu. Viele Impfstoff-Hersteller würden offen sagen, dass Europa zu spät bestellt habe und deshalb auch später dran sei. Laut Söder wirke es so, als ob man ein klassisch europäisches Vergabe- und Bestellungsverfahren gemacht habe. Dabei werde oft knapp kalkuliert und auf die Preise geachtet. „Das ist in normalen Zeiten ein sicheres und gutes Verfahren“, erklärte er weiter. In Not-Zeiten sie dies aber schwierig. Möglicherweise habe man auch zu sehr auf einzelne Impfstoffe gesetzt, kritisierte Söder.

Für seine Impf-Kritik hatte sich Söder bereits am Mittwoch (27. Januar) einen Konter von Ludwig Hartmann, dem Fraktionsvorsitzenden der Grünen, eingefangen. „Söders Impfkritik ist ein billiges Blamegame“, lautete der Vorwurf. „Ausgerechnet der Mann, der seit Beginn der Pandemie mit aller Macht das Gesicht der deutschen Coronapolitik sein will und sich beim Verkünden neuer Maßnahmen breit vor die Mikros der Hauptstadtpresse schiebt, drückt sich feige zur Seite, wenn er auch die Verantwortung mittragen soll für das, was schief läuft. Er ist aber nicht nur Ministerpräsident und als CSU-Vorsitzender Teil der Bundesregierung, sondern hat mit seinem Parteifreund Manfred Weber auch den Vorsitzenden der größten EU-Parlamentsfraktion an der Hand“, kritisierte Ludwig Hartmann im Interview mit Merkur.de. Laut ihm hätte Söder also aktiv daran arbeiten können, dass hierzulande Produktionskapazitäten für mehr Impfstoff aufgebaut werden. „Das hat er nicht getan, sondern lieber Pressekonferenzen und Bild-Zeitungsinterviews gegeben.“ (kam/dpa) *Merkur.de7tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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