Corona-Pandemie in Deutschland

Forscher schlagen Alarm! Warnung vor möglichen resistenten Corona-Mutanten

Das Coronavirus breitet sich in Deutschland weiter aus. Britische und brasilianische Corona-Mutanten sind auf dem Vormarsch. Sie gelten als besonders gefährlich.

Seit über einem Jahr hat das Coronavirus die Welt und somit auch ganz Deutschland voll im Griff. Die Infektionszahlen und die 7-Tage-Inzidenzen schießen wieder in die Höhe* und rücken damit das Ende des Lockdowns und mögliche Lockerungen in weite Ferne. Wäre da nur das „ursprüngliche“ Coronavirus, dann könnte man sich bald gegen das Virus mit zugelassenen Impfstoffen, wie zum Beispiel von AstraZeneca, Johnson & Johnson oder auch Biontech, impfen lassen und das Ende der Pandemie wäre in greifbarer Nähe – denn genau dafür wurden die Vakzine entwickelt. Doch der Plan geht so eventuell nicht auf.

Coronavirus: Forscher warnen– Resistente Corona-Mutanten auch in Deutschland denkbar

Doch es grassiert leider nicht nur das „ursprüngliche“ Coronavirus, sondern auch viele Mutanten sind im Umlauf. In Brasilien herrscht die Corona-Variante P.1, in Südafrika ist es B.1.351. Auch in Deutschland fassen die Mutanten langsam aber sicher Fuß und breiten sich immer weiter aus. So musste ein Kindergarten in Eppingen bei Heilbronn in Baden-Württemberg wegen eines Corona-Mutanten-Ausbruchs* geschlossen werden, wie echo24.de* berichtet.

Die Corona-Varianten gelten als ansteckender und gefährlicher als das „Ursprungsvirus“ – ob die in Deutschland zugelassenen Impfstoffe auch gegen die verschiedenen Mutanten wirksam sind, lässt sich nicht mit 100-prozentiger Sicherheit sagen. Bisher hat Deutschland keine eigene Corona-Variante, gegen die aktuellen Therapien und Impfstoffe weniger oder gar nicht wirken – aber wäre so ein Szenario denkbar? Forscher des Leibniz-Instituts in Göttingen sagen ganz klar: Ja.

Die britische Coronavirus-Variante B.1.1.7Diese Variante des Coronavirus ist seit November 2020 aus Großbritannien bekannt, wo sie sich rasant verbreitete. Auch in Deutschland hat die britische Variante den bis dahin vorherrschenden Wildtyp und andere Varianten weitgehend verdrängt.
Die südafrikanische Coronavirus-Variante B.1.351Sie ist nach derzeitigem Wissensstand wohl etwas weniger ansteckend als die britische Variante B.1.1.7 – aber immer noch ansteckender als bisherige Varianten.
Die brasilianische Coronavirus-Variante P.1Auch diese Variante steht im Verdacht, ansteckender zu sein als die ursprünglichen Varianten des Coronavirus. Das Robert-Koch-Institut hält eine erhöhte Übertragbarkeit für denkbar.
Die kalifornische Coronavirus-Variante B.1.427, bzw. B.1.429Eine Studie der University of Californa in San Francisco (UCSF) deutet nun offenbar darauf hin, dass diese Virus-Variante B.1.427, bzw. B.1.429 ansteckender sein könnte als der Wildtyp und möglicherweise heftigere Krankheitsverläufe auslöst. Die Studie ist derzeit noch unveröffentlicht.
Die französische Coronavirus-VarianteIn Frankreich ist bei acht Personen eine neue Variante aufgetaucht, die nicht im PCR-Test nachgewiesen werden konnte. Die französische Variante übertrage sich nicht so leicht, daher sei sie auch nicht besonders gefährlich.

In Deutschland: Forscher warnen vor möglichen resistenten Corona-Mutanten

Laut zwei Forschern vom Leibniz-Institut für Primatenforschung in Göttingen, Stefan Pöhlmann und Markus Hoffmann, könnte auch in Deutschland eine neue Coronavirus-Mutante entstehen. Es sei vor allem jetzt durchaus denkbar, wenn sich das Virus in der dritten Welle stark ausbreitet, wie NTV berichtet. Wie genau könnte es dazu kommen?

Den wissenschaftlichen Angaben nach könnte eine solche „Escape-Variante“ dann entstehen, wenn sich das Virus in einer Bevölkerung mit unvollständigem Immunschutz ausbreitet. Ein Mensch weist einen unvollständigen Immunschutz zum Beispiel immer dann auf, wenn die Immunität nach einer überstandenen Krankheit oder Impfung langsam wieder abnimmt.

In solch einem Fall, also bei einer Bevölkerung mit einem gewissen Grad an Immunität, hätte eine Corona-Variante mit einer vergleichbaren Infektionsfähigkeit mehr Chancen, sich durchzusetzen als das Ursprungsvirus, erklären Pöhlmann und Hoffmann.

Coronavirus in Deutschland: Ursprungsvirus gegen Mutante-Ausbreitung

„Falls in einer Bevölkerung kaum Immunität vorherrscht, so wie derzeit in Deutschland, würde eine Escape-Variante in direkter Konkurrenz mit den vorherrschenden Virusvarianten stehen, die ihrerseits noch genügend empfängliche Wirte vorfinden“, erklärten die Wissenschaftler. In diesem Szenario könnte sich die Corona-Variante nur dann durchsetzen, wenn sie besser übertragbar wäre.

Laut Wissenschaftlern: B.1.351 (Südafrika) und P.1 (Brasilien) gelten als „Escape-Varianten“

In Zusammenarbeit mit Kollegen des Uniklinikums Ulm haben Pöhlmann und Hoffmann herausgefunden, dass ein für die Covid-19-Therapie eingesetzter Antikörper bei den Varianten B.1.351 (Südafrika) und P.1 (Brasilien) komplett wirkungslos gewesen sei. Das heißt: Diese Mutanten lassen sich als „Escape-Varianten“ einstufen. Es sei also davon auszugehen, dass Infizierte mit Corona-Varianten B.1.351 und P.1 schlechter auf herkömmliche Therapien und Präparaten ansprechen als Infizierte mit dem Ursprungsvirus.

Außerdem gehen die Wissenschaftler auch davon aus, dass britische und brasilianische Varianten immer noch durch die verfügbaren Impfstoffe gehemmt würden. „Allerdings ist der Impfschutz möglicherweise reduziert und von kürzerer Dauer“, so die Forscher. Deswegen wäre es umso wichtiger, die Bevölkerung in Deutschland so schnell wie möglich durchzuimpfen.

Corona-Ausbreitung in Deutschland: Resistente Mutanten als „ein extremes Szenario, aber nicht auszuschließen“

Um besser gegen die Coronavirus-Varianten gewappnet zu sein, könnten die vorhandenen Corona-Impfstoffe angepasst werden. „Dieses Vorgehen würde der Impfstrategie ähneln, mit der wir uns vor Grippeviren schützen“, erklärten Pöhlmann und Hoffmann. Wie NTV weiter berichtet, könnten durchaus Varianten entstehen, die nicht mehr durch aktuelle Impfstoffe gehemmt werden können.

Dies sei „ein extremes Szenario, aber nicht auszuschließen“. Deswegen ist es umso wichtiger, die Coronavirus-Pandemie so schnell wie möglich in den Griff zu bekommen oder mit Corona-Regeln weitgehend einzudämmen. *echo24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © NIAID-RML/dpa

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