Eltern mit emotionaler Botschaft

Ein Zwillingsbruder (8) auf diesem Foto stirbt plötzlich in der Nacht 

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Wiley (r.) mit Vater J.R., Zwillingsbruder Oliver und Mutter Jessica. Das Foto entstand wenige Wochen vor seinem Tod bei einem Konzertbesuch.

Eine Familie in Portland wurde von einer schrecklichen Tragödie getroffen. Die Eltern haben deswegen eine wichtige Botschaft im Internet verbreitet.

  • Ein achtjähriger Junge stirbt ganz plötzlich
  • Seine Eltern wandeln ihre Trauer um in emotionale Postings
  • Sie haben eine wichtige Botschaft an alle Eltern

Portland/USA - Der Eintrag ist mit einem dunklen Stift auf liniertem Papier verfasst, die kindlich gezeichneten Buchstaben stehen manchmal mitten in der Zeile: „Hallo an denjenigen, der dieses Tagebuch liest. Mein Name ist Wiley. Ich bin acht Jahre alt. Ich wurde in Portland geboren und lebe in einem Haus im Wald. Ich glaube, ich werde später im Leben neue Technologien entwickeln.“

Auf den ersten Blick ist das einfach nur der nette Eintrag eines Kindes, das sich auf sein späteres Leben freut. Tragisch wird die Geschichte erst, wenn man erfährt, dass Wiley vergeblich auf seine Zukunft hoffte. Denn diesen Tagebuch-Ausschnitt fanden seine Eltern - am Tag, nachdem der Achtjährige aus heiterem Himmel verstarb.

Nach Wileys Tod wendet sich sein Vater an die LinkedIn-Community 

Sein Vater hat den Eintrag jetzt im Zuge eines emotionalen Postings auf LinkedIn veröffentlicht, über das in Deutschland zuerst der Focus berichtet hatte. Der Eintrag wurde bisher (Stand: 21. November, 16 Uhr) beinahe 45.000 Mal gelikt und über 4000 Mal kommentiert. 

In dem Posting mit dem Titel „It‘s later than you think“ (“Es ist später, als du denkst“) erzählt J.R. Storment die ganze, herzerweichende Geschichte seines Sohnes. Er verlinkt dabei auch weiter auf einen Eintrag seiner Ehefrau Dr. Jessica Brandes. Sie ist die Mutter Wileys und dessen Zwillingsbruder Oliver.

Dass Wiley nicht aufstand machte seiner Mutter zunächst keine Sorgen

Ein neuer Tag beginnt für die Familie Storment-Brandes. Mutter Jessica hat noch den Vortag im Kopf, der in einem gewöhnlichen, glücklichen Sommerabend endete. Oliver spielt morgens im Bett mit dem iPad, Wiley schläft scheinbar friedlich weiter. 

Als der Junge auch am späten Vormittag nicht aufsteht, schaut seine Mutter erneut nach ihm. „Ich sah, dass seine Füße unter der Decke gefleckt waren. Da wusste ich es schon“, erinnert sie sich. 

Sie untersucht den Körper ihres Jungen und erkennt: Er ist seit mindestens acht Stunden tot. Gestorben mitten in der Nacht, neben seinem schlafenden Zwillingsbruder.

Der erste Anruf gilt nicht dem Notarzt, sondern ihrem Mann

Sie zieht ihr Handy hervor und will schon den Notruf wählen, doch sie weiß, dass es zu spät ist. Deswegen gilt Jessicas erster Anruf ihrem Mann, der gerade in einem Meeting steckt. „J.R., Wiley ist tot“, sagt sie schlicht. 

Während ihr Mann unter Schock nach Hause gefahren wird, ruft sie den Notwagen und hat dann nur wenige Minuten, ihrem Sohn Oliver zu erklären, dass sein Bruder und „bester Freund“ tot ist. 

Die Eltern müssen 2,5 Stunden warten, bis sie zu ihrem toten Sohn dürfen

Der Notarzt kommt und stellt den Tod des Kindes fest. Es folgt die Kriminalpolizei, die in Fällen von plötzlichem Kindstod standardmäßig hinzugezogen wird um Fremdverschulden auszuschließen. 

Während der ganzen Zeit dürfen die Eltern nicht zu ihrem toten Kind. Vater J.R. dreht fast durch, nach einer Stunde erhält er zumindest die Erlaubnis, durch das Fenster des Kinderzimmers zu lugen. Sich mit seinen eigenen Augen davon zu überzeugen, dass sein Kind tot im Bett liegt. 

Nach mehr als zwei Stunden darf die Familie endlich zurück zu Wiley. Den Eltern bleiben etwa 30 Minuten, sich zu verabschieden. Dann wird die Leiche des Kindes weggebracht. 

Die Familie bleibt zu dritt zurück. In einem ganz anderen Universum als dem, in dem sie noch am Morgen erwacht war, wie die Mutter schreibt. 

Todesursache war vermutlich ein epileptischer Anfall

Woran ist Wiley gestorben? Die Eltern vermuten, dass es ein epileptischer Anfall war. Wiley hatte im Vorfeld nur einmal einen Anfall erlitten. Anschließend hatten Untersuchungen bei mehreren Ärzten ergeben, dass er an der sogenannten Rolando-Epilepsie litt. Das ist eine normalerweise milde Form der Krankheit, die bei Kindern auftritt und sich ganz natürlich wieder auswächst. 

Das Risiko eines SUDEP - diese Abkürzung steht für „sudden unexpected death in epilepsy“, also plötzlich auftretender, unerwarteter Tod durch Epilepsie - liegt bei lediglich 1:45.000.

Der gestorbene Wiley hatte bereits eine Freundin gefunden

Einer der vielen unendlichen schweren Momente in diesem Monat, so schreibt es der Vater, war derjenige, in dem er die Todesurkunde unterschreiben musste. Wileys Namen darauf zu sehen sei bereits schwer gewesen, aber zwei Felder weiter unten brach es ihm schier das Herz entzwei. „Hat nie gearbeitet“, „War nie verheiratet“, stand da zu lesen. 

Dabei wollte Wiley genau das. Seinen Jobwunsch änderte er, wie in diesem Alter üblich, fast jeden Tag. Doch das Mädchen seines Herzens, so war er sich sicher, hatte er bereits getroffen. An seinem ersten Schultag. Er habe sie gesehen und noch am gleichen Tag ihre Hand gehalten, erzählt der Vater. Und erklärt, dass Wiley mit seiner Auserwählten in Kontakt blieb, obwohl die Familie zwischenzeitlich in Großbritannien und Hawaii lebte. 

Erst wenige Wochen vor Wileys Tod kam die Familie seiner Liebsten zurück nach Portland. Wiley und seine Freundin trafen sich in dieser Zeit zweimal. Für seine Mutter ist das ein kleiner Trost: „Ich finde es unglaublich, dass er geliebt hat und nie gelernt hat was es bedeutet, ein gebrochenes Herz zu haben.“ 

Emotionaler Appell der Eltern des toten Wiley

Der Rest der Familie muss diese Bürde jetzt für den Rest seines Lebens tragen. „Viele haben mich gefragt, wie sie helfen können“, berichtet Vater J.R.: „Umarmt eure Kinder. Arbeitet nicht zu lange.“ Anderenfalls, so könne er aus eigener Erfahrung berichten, bliebe nichts zurück als Bedauern. 

Auch Mutter Jessica hat Konsequenzen gezogen: Ihre beruflichen Kontakte sollten sich nicht wundern, wenn eine Antwort mal länger benötige, als erwartet. „Wisst einfach, dass ich dann Zeit verbringe mit den Menschen, die ich liebe und meine neue Identität erschaffe. Ich rate euch, dasselbe zu tun.“

Die englischen Originalversionen der Posts von Vater und Mutter finden sich auf LinkedIn.

Andere Fälle

Auch die Mutter der im Alter von nur neun Jahren getöteten Loreeley hat sich an die Öffentlichkeit gewandt (tz.de* berichtete). Bewegend war auch eine Aktion, mit der die Freunde von Alen ihm gedachten - der Jugendliche war zuvor in München erstochen worden (tz.de* berichtete). 

Um ihre Trauer zu verarbeiten, hat eine 29-jährige Frau ein emotionales Video über ihren verunglückten Freund geteilt. Der Bergsteiger (25) starb bei einem Absturz am Großen Krottenkopf in Tirol. 

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

huc

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