Die Welt trauert

Trump sorgt mit Lösch-Tipp für Kopfschütteln - so antwortet die deutsche Feuerwehr

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US-Präsident Trump.

Der Mittelpunkt von Paris, das Notre-Dame, brennt in der Nacht zum Dienstag beinahe nieder. Das sind die Reaktionen.

Paris - Architektonisch ist die Kathedrale Notre-Dame, die von 1163 bis 1345 dauerte, eine der frühesten gotischen Bauten überhaupt und die am meisten besuchte Touristenattraktion von Paris (rund 13 Millionen Besucher im Jahr). 1804 krönte sich hier Napoléon Bonaparte selbst zum Kaiser der Franzosen und kurz zuvor, in den Jahren von 1792 bis 1802, während der Französischen Revolution, war die Kathedrale geschlossen, Statuen und Metallobjekte wurden zerstört. Die Revolutionäre wollten die Kirche abreißen lassen. Verhindert wurde das durch die Pariser-Bürger.

Notre-Dame: Queen Elizabeth II. drückt ihr Bedauern aus

Die britische Königin Elizabeth II. hat erschüttert auf das verheerende Großfeuer in der Pariser Kathedrale Notre-Dame reagiert.

„Prinz Philip und ich waren zutiefst betrübt, als wir die Bilder des Feuers sahen, das die Kathedrale Notre-Dame überflutet hat. Meine aufrichtige Bewunderung gilt den Rettungskräften, die ihr Leben riskiert haben, um dieses wichtige Nationaldenkmal zu retten. Meine Gedanken und Gebete sind die in dieser schwierigen Zeit bei den Gläubigen, die in der Kathedrale und in ganz Frankreich beten", teilt die Queen (92) in einem Schreiben mit. 

Ihr ältester Sohn, Thronfolger Prinz Charles (70) wendete sich in einer gesonderten Mitteilung an den französischen Präsidenten Emmanuel Macron: Man leide mit dem Volk in Frankreich. Er verwies auf einen Großbrand auf Schloss Windsor bei London vor 27 Jahren.

Im November 1992 hatte ein Feuer einen erheblichen Teil des Schlosses zerstört. Der Brand, der in der Kapelle ausgebrochen war, vernichtete neun Staatsräume und beschädigte etwa 100 Räume schwer. Der Wiederaufbau dauerte Jahre; der Brandschutz wurde verbessert.

Pariser Notre-Dame: Macron und Merkel-Sprecher twittern emotional

Am Abend stand der Mythos in Flammen. Die Welt reagiert geschockt. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat wegen des Brands eine wichtige Fernsehansprache abgesagt. "Ich bin traurig, dass ich heute Abend sehen muss, wie dieser Teil von uns allen brennt", twitterte Macron.

Aus Deutschland kamen entsetzte Stimmen: Vizekanzler Olaf Scholz teilte auf Twitter mit, er hoffe, dass es der Feuerwehr rasch gelingt, den Brand einzudämmen und das Wahrzeichen zu retten.

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Der Regierungssprecher Angela Merkels, Steffen Seibert, twitterte: „Es tut weh, diese schrecklichen Bilder der brennenden #NotreDame zu sehen. #NotreDame ist ein Symbol Frankreichs und unserer europäischen Kultur. Mit unseren Gedanken sind wir bei den französischen Freunden. #Paris“

Notre-Dame in Paris brannte: Donald Trump gibt Tipps

Und aus den USA gab Donald Trump Tipps: „So schrecklich das gewaltige Feuer der Notre-Dame-Kathedrale in Paris zu sehen. Vielleicht können fliegende Wassertanker eingesetzt werden, um es zu löschen. Müssen schnell agieren." Das sorgte vielerorts für Kopfschütteln. Der französische Zivilschutz reagierte auf Trump und stellte klar nun, dass die Wucht der Wassermassen das gesamte Kirchengebäude zum Einsturz bringen könnte.

Nun legt der Präsidenten des Deutschen Feuerwehrverbandes gegen Trump nach: Ein Löscheinsatz aus der Luft beim Kampf gegen das Feuer in der Pariser Kathedrale Notre-Dame wäre aus Sicht Hartmut Ziebs wenig sinnvoll gewesen. „Absoluter Humbug“, urteilte Ziebs über einen entsprechenden Vorschlag von US-Präsident Donald Trump. „Das macht ja überhaupt keinen Sinn, wenn man mehrere Tonnen Wasser auf einmal auf das Objekt schmeißt von oben aus der Luft. Dann kommt es zum Gebäudeeinsturz und dann hat man genau das Gegenteil von dem erreicht, was man will“, sagte Ziebs am Dienstag der dpa.

Trump bekundete zudem seine Solidarität mit Frankreich und bot die Hilfe seiner Regierung beim Wiederaufbau "dieses unersetzlichen Symbols der westlichen Zivilisation" an.

Der Mittelpunkt der französischen Hauptstadt Paris berührt die Welt. Emotional gab auch EU-Ratschef Donald Tusk an: „Notre-Dame von Paris ist Notre-Dame von ganz Europa. Wir stehen heute alle an der Seite von Paris.“

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Notre-Dame in Paris brannte: „New York Times“ mit schweren Vorwürfen

Frankreichs Medien titeln mit großem Entsetzen: „Das Herz in Asche“, titelte die katholische Tageszeitung „La Croix“ am Dienstag. Die Zeitung „Le Parisien“ sah „Unsere Dame der Tränen“, „Le Figaro“ überschrieb seine Eins mit „Die Katastrophe“. „Les Echos“ schrieb von „Der Tragödie von Paris“, „Libération“ fügte Notre-Dame einen Buchstaben hinzu: „Unser Drama“.

Die US-Zeitung „New York Times“ macht der Menschheit schwere Vorwürfe: „Der Brand kommt nicht lange nach anderen großen Schocks für Paris, darunter das Seine-Hochwasser im vergangenen Jahr und die Terroranschläge 2015. In seiner Rede an die Nation beschrieb Mister Macron das, was Pariser jetzt fühlen, als „tremblement intérieur“ - ein inneres Beben. Das ist eine akkurate Beschreibung unseres Gefühls für Leere und Verlust. Zudem gibt es angesichts des beträchtlichen Schadens eine geteilte Trauer und Enttäuschung, dass wir als eine Zivilisation daran gescheitert sind, die Aufpasser für etwas Unbezahlbares zu sein. In hundert Jahren werden die Menschen noch immer vom Feuer 2019 sprechen.“

Pariser Kathedrale Notre-Dame steht in Flammen - und die Menschen sind in tiefer Trauer.

Notre-Dame: Die weiteren Reaktionen auf den Brand in Paris

EU-Kommissionspräsident JEAN-CLAUDE JUNCKER: „Ich verfolge minütlich den Brand, der Notre-Dame in Paris gepackt hat. Notre-Dame gehört der ganzen Menschheit. Welch trauriger Anblick. Ich teile die Gefühle der französischen Nation, die auch unsere sind.“

Bundespräsident FRANK-WALTER STEINMEIER: „Wir hoffen, dass möglichst viele Teile des reichen kulturellen Erbes erhalten werden können und denken an alle Einsatzkräfte, die hoffentlich bei ihrer wichtigen und selbstlosen Arbeit unverletzt bleiben.“

Der frühere US-Präsident BARACK OBAMA: „Es liegt in unserer Natur zu trauern, wenn wir sehen, wie Geschichte verlorengeht - aber es liegt auch in unserer Natur, für morgen wieder aufzubauen, so stark wir können.“

„Entsetzt“, „Schrecklich“: Pariser Notre-Dame brennt lichterloh

UN-Generalsekretär ANTÓNIO GUTERRES: „Entsetzt über die Bilder aus Paris mit dem Feuer, das die Kathedrale Notre-Dame verschlingt - ein einzigartiges Beispiel des Welterbes, das seit dem 14. Jahrhundert steht. Meine Gedanken sind bei den Menschen und der Regierung in Frankreich.“

Österreichs Präsident ALEXANDER VAN DER BELLEN: „Schreckliche, verstörende Bilder aus Paris: Die großartige Kathedrale Notre-Dame brennt. Wir sind heute in Gedanken in Paris.“

Österreichs Bundeskanzler SEBASTIAN KURZ: „Schockierende Bilder aus Paris. Ein Wahrzeichen, Weltkulturerbe und eines der schönsten Bauwerke der französischen Geschichte. Notre-Dame steht in Flammen. Wir hoffen, dass kein Mensch verletzt ist. Unsere Gedanken sind in Paris.“

Auf Twitter schrieb Außenminister Heiko Maas (SPD), die brennende Kirche „trifft auch uns ins Herz“. „Unsere Gedanken sind bei allen Einsatzkräften und unseren französischen Freundinnen und Freunden“, erklärte er.

Nach Feuer in Notre-Dame/Paris: Kirchenvertreter um Papst bestürzt

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, nannte Notre-Dame „so etwas wie die Seele von Paris“. Mit Schrecken und großer Trauer sehe er die Bilder von der brennenden Pariser Kathedrale, schrieb er am späten Sonntagabend bei Facebook.

Kardinal Reinhard Marx reagierte mit Fassungslosigkeit und Erschütterung. In einem Brief an den Erzbischof von Paris, Michel Aupetit, schrieb Kardinal Marx laut einer am Dienstag in Bonn verbreiteten Mitteilung: „Was gestern mit Ihrer Bischofskirche Notre-Dame geschehen ist, lässt sich nicht in Worte fassen. Ich übermittle Ihnen, den Gläubigen des Erzbistums Paris und allen Menschen Frankreichs meine tief empfundene Anteilnahme.“ Und: „Die Karwoche mit ihren aufrüttelnden Bildern und Texten ist für Paris, Frankreich und Europa zu einer Woche tiefster Trauer geworden“, schrieb Marx weiter. „In der Sprachlosigkeit über diesen Schicksalsschlag“ versichere er dem Pariser Erzbischof das Gebet der Gläubigen in Deutschland.

Der Vatikan erklärte am Dienstag, Papst Franziskus bete "für Frankreichs Katholiken und für die Bevölkerung von Paris". Auch von deutschen Geistlichen kamen Worte der Anteilnahme.

"Der Papst ist Frankreich nahe", schrieb der Vatikansprecher am Dienstagmorgen bei Twitter. Denjenigen, die mit der "dramatischen Situation" in Paris konfrontiert seien, entbiete Franziskus seine Gebete.

Lesen Sie auch: Claus Kleber ging der Brand während dem „heute journal“ im ZDF extrem nahe

Dépardieu zu Paris: Wunde an der Notre-Dame ist entsetzlich

Der französische Schauspieler und Wahlrusse Gerard Dépardieu hat mit Entsetzen auf das Feuer in der Pariser Kathedrale Notre-Dame reagiert. „Mir fehlen die Worte, diese Wunde an der Kathedrale von Notre-Dame ist entsetzlich, aber es ist ein Unheil, das vom Himmel hereinbricht und unsere Gesellschaft trifft, die immer instabiler wird und kein Fundament hat“, sagte der 70-Jährige der italienischen Tageszeitung „La Repubblica“ (Dienstag).

Auch das passiert: Der Algorithmus von Youtube verwechselt den Brand von Notre-Dame in Paris mit dem Anschlag auf das World Trade Center 2001 - und zeigt entsprechende Informationen an*.

Lesen Sie auch: Notre-Dame in Paris steht lichterloh in Flammen, aber in den öffentlich rechtlichen Fernsehen scheint das Feuer wohl erstmal kein Thema zu sein. Selbst ein Ex-ARD-Chef schießt gegen seinen Sender.

mke/dpa/afp

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