Pandemie

Nach Impfstoff-Chaos um Johnson & Johnson – Experte warnt vor vierter Corona-Welle in Deutschland

Deutschland könnte in den kommenden Monaten Impfstoff für jüngere Menschen fehlen. Durch das Chaos um Johnson & Johnson wird eine vierte Welle wahrscheinlicher.

Frankfurt/Amsterdam – Neben dem schwedisch-britischen Corona-Impfstoff von Astrazeneca gerät nun auch das US-amerikanische Vakzin von Johson & Johnson in die Kritik.* Die Europäische Arzneimittelagentur EMA prüfte zuletzt Fälle von Thrombosen, als Nebenwirkungen der Impfung mit diesem Mittel. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA sorgte zu Beginn der Woche schließlich für Tatsachen: Ein sofortiger Impfstopp mit dem Vakzin wurde empfohlen. Der US-Pharmakonzern schob daraufhin am Dienstag (13.04.2021) den Marktstart des Vakzins in Europa für unbestimmte Zeit auf.*

Der empfohlene Impfstoff mit Johnson & Johnson sorgt auch in Deutschland für Unruhe: Das Mittel war im Impfplan der Bundesregierung fest eingeplant – und könnte darin nun eine erhebliche Lücke reißen. Die für April bis Juni 2021 vorgesehenen Johnson & Johnson-Impfdosen, rund zehn Millionen, könnten nun, ähnlich wie 15 Millionen Astrazeneca-Dosen, lediglich an ältere Menschen, wohl im Alter über 60 Jahren, verimpft werden. Somit könnte eine erhebliche Menge an Corona-Impfstoff für jüngere Menschen fehlen. Lieferungen des Herstellers Biontech/Pfizer könnten diese Entwicklung kurzfristig aufhalten – für die Sommermonate sind 40 Millionen Impfdosen geordert – allerdings wird die Liefermenge ab dem dritten Quartal gedrosselt.*

Das Coronavirus Sars-CoV-2 kursiert weiterhin weltweit. (Symbolfoto)

Corona: Impfstoff-Knappheit – Experte war vor vierter Welle in Deutschland

Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, warnt gegenüber der „Augsburger Allgemeinen“ deshalb vor Impfstoff-Knappheit: „Alles in allem hätten wir erst Ende des Jahres genug für die unter 60-Jährigen“, so Watzl. „Dann könnte uns eine vierte Pandemie-Welle bevorstehen, weil wir noch nicht die Herdenimmunität erreicht haben, die wir eigentlich im Spätsommer bzw. Anfang Herbst erwarten könnten“, führt er weiter aus. Die Bundesregierung müsse deshalb nun reagieren und zusätzliche Impfdosen bei Herstellern wie Biontech/Pfizer oder Curevac bestellen.* Der Experte empfiehlt dem Gesundheitsministerium in diesem Fall einen Alleingang, da der Weg über die Europäische Union zu lange dauern würde, so Watzl. Jens Spahn hatte zuletzt für Schlagzeilen gesorgt, als er davon sprach, den russischen Impfstoff Sputnik V für Deutschland, unabhängig von Planungen der EU, sichern zu wollen.*

Corona-Pandemie

Alles Wichtige zur Pandemie finden Sie im kompakten Überblick in den Corona-News.*

Zuletzt stand auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder deshalb in der Kritik. Söder erklärte, dass der Freistaat bereits einen Vorvertrag mit dem russischen Impfstoff-Hersteller von Sputnik V abgeschlossen habe.* (tu mit AFP/dpa) *fr.de und hna.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © National Institute of Infectious Diseases/AP/dpa

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Kommentare