Schimmelige Pizza und Schlimmeres

Restaurant am Walchensee: Kontrolleure machen Ekelfund - dahinter steckt ein tragisches Schicksal

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Der Lebensmittelkontrolleur hatte oft Beanstandungen in dem Restaurant und Hotel am Walchensee (Symbolbild).

Die Funde drehen Gästen den Magen um: Faulige Schweinelende, graue Hühnerschenkel und Schlimmeres. Selbst der Anwalt der Wirtin eines Restaurants am Walchensee fordert ein Verbot.

WalchenseeDer Lebensmittelkontrolleur stand in den vergangenen Jahren oft in der Küche des Hotel-Restaurants Zum Schwaigerhof in Walchensee. Und meist hatte er etwas zu beanstanden. 

Restaurant am Walchensee: Schimmelige Pizza und Schlimmeres gefunden

So auch am 18. Februar, als er diverse Lebensmittel sicherstellte, die „Anzeichen von Verderb“ aufwiesen – unter anderem eine schimmelige Pizza, angetrocknete Salami, faulig riechende Schweinelende und grau verfärbte Hühnerkeulen. 

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Restaurant am Walchensee: Wirtin bekommt Berufsverbot und Freiheitsstrafe

Das Untersuchungsergebnis lautete in allen Fällen: „Zum Verzehr durch Menschen nicht geeignet.“ Deshalb musste sich die Geschäftsführerin (79) des Hotels wegen Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetzbuch vor Gericht verantworten: Sie wurde zu einer Freiheitsstrafe von 18 Monaten auf Bewährung verurteilt. Zudem verhängte das Gericht ein dreijähriges Berufsverbot.

„Sie sind nicht mehr in der Lage, den Betrieb zu führen“, machte Richter Helmut Berger der Frau klar. Die Angeklagte, die wegen ähnlicher Verstöße im August 2015 schon einmal zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und drei Monaten verurteilt worden war, räumte die Vorwürfe vorbehaltlos ein. „Schlechte Sachen werden eigentlich immer weggeschmissen. Die Kontrollen waren vormittags, bis zum Öffnen am Nachmittag hätten wir auch das weggeworfen“, erklärte die 79-Jährige und fügte hinzu: „Es hat sich nie jemand beschwert, und es ist niemand zu Schaden gekommen.“

Restaurant am Walchensee: „Das ist alles äußerst traurig“

Auf Vorhalt des Gerichts, dass in der Zwischenzeit der Kontrolleur erneut Grund zur Kritik gehabt habe, sagte die Frau selbst: „Es ist einfach zu oft.“ Inzwischen strebten sie und ihr Ehemann den Verkauf des Hauses an. „Es sind Interessenten da, aber es ist noch nicht spruchreif“, erklärte die alte Dame, die ihre Übernachtungsgäste noch jeden Tag selbst bewirtet. 

Ihrem Mann, der sich vor vier Jahren ebenfalls wegen der verdorbenen Lebensmittel in seiner Küche hatte verantworten müssen und damals ein Beschäftigungsverbot erhalten hatte, falle es schwer, sich davon zu trennen. „Er hat alles aufgebaut“, sagte die Frau.

„Das ist alles äußerst traurig“, zeigte der Richter Mitgefühl. Der Mitarbeiter des Landratsamts erklärte, gegenüber der Behörde habe sich die Frau stets einsichtig gezeigt. „Ich habe den Eindruck, dass es einfach nicht mehr umgesetzt werden kann – altersmäßig“, sagte der Kontrolleur. 

Angesichts der beharrlichen Verstöße hielt der Staatsanwalt eine Vollzugsstrafe für erforderlich. Er beantragte, die Geschäftsführerin ungeachtet ihres hohen Alters für 20 Monate einzusperren. „Das muss man ihr nicht mehr zumuten“, sagte Richter Berger. Er verurteilte die 79-Jährige zu einer Gefängnisstrafe von 18 Monaten, die er jedoch für fünf Jahre zur Bewährung aussetzte. „Zudem wird der Angeklagten jegliche Tätigkeit im Hotel- und Gaststättenbereich für die Dauer von drei Jahren untersagt“, ergänzte der Richter.

Restaurant am Walchensee: Selbst der Verteidiger plädiert für Berufsverbot

Die Frau hatte sich in ihrem letzten Wort gewünscht, „dass man wenigstens den Hotelbetrieb bestehen lässt“. Doch auch ihr Verteidiger hatte – damit die Bewährungszeit erfolgreich verlaufen könne – für ein Berufsverbot plädiert. „Letztlich ist das Ganze einer Überforderung geschuldet“, argumentierte der Rechtsanwalt. Aber das nötige Umdenken finde bei der Angeklagten wohl nur statt, „wenn von strafrechtlicher Seite klar ist: Sie können nicht mehr weiterarbeiten.“

Das sah auch der Richter so. „Das Lebenswerk ist am Boden. Aber man muss irgendwann einen Schlussstrich ziehen“, sagte Berger. „Warum das Landratsamt nicht schon längst untersagt hat, den Betrieb weiterzuführen, ist mir schleierhaft.“ 

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