Schockierender Fall in Mannheim

12 Katzen leiden in Messie-Hölle, 1 Tier tot: Wieso lässt das Amt das zu?

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Zahlreiche Katzen werden aus einer Messie-Hölle in Mannheim befreit.

Zwölf Katzen durchleben in Mannheim einen wahren Messie-Albtraum! Bei einer Zwangsräumung können acht von ihnen gerettet werden – vor Ort zeigt sich ein schreckliches Bild.

  • In Mannheim haben Tierschützer mehrere Katzen aus einer Messie-Wohnung gerettet
  • Die Rettung der völlig verwahrlosten Tiere zog sich über Tage hinweg
  • Die Stadt Mannheim und die Tierschutzorganisation "Arche Noah" nehmen Stellung

Update vom 7. November, 9:15 Uhr: Anya Telzerow vom Tierschutz „Arche Noah” ist wütend über die Angaben der Stadt Mannheim. Besonders die Aussage, dass es keine Hinweise auf eine Zucht gegeben hätte, macht die Tierpflegerin sauer. Nicht nur, dass 12 Katzen in dem Haushalt lebten, es waren auch Jungtiere dabei. Ein Kitten hatten die Besitzer bei ihrem Auszug mitgenommen. Die Baby-Katzen waren laut Telzerow bereits bei der Veterinärkontrolle im September auf der Welt, man hätte also „auf eine illegale Zucht stoßen müssen”, ist sich die Tierpflegerin sicher. Auch der unordentliche Zustand der Wohnung habe sich über Wochen hinweg nicht verändert. Im August hatte der Hausmeister Fotos von den Räumen gemacht. „Die gleichen Schmutzflecken haben wir in der Badewanne im Oktober gefunden. Also kann im September eigentlich keine Kontrolle stattgefunden haben”, so Telzerow.

Mannheim: Katzen aus Messie-Haushalt gerettet - Stadt äußert sich zu Vorwürfen

Update von 18:45 Uhr: Nach der Befreiung mehrerer verwahrloster Katzen aus einem Messie-Haushalt in Mannheim erheben die Tierretter schwere Vorwürfe gegen das Veterinäramt. 

Hätten die völlig verstörten Vierbeiner schon viel früher aus ihrer Hölle gerettet werden können? Die Stadt Mannheim hat sich nun auf Anfrage von MANNHEIM24* zu dem Fall geäußert. Laut einer Sprecherin ist bereits am 7. August 2019 eine schriftliche Anzeige eingegangen, die auf „tierschutzrechtliche Missstände in besagtem Haushalt“ hingewiesen habe. Zwei Tage später hätten eine zuständige Veterinärin und eine Sachbearbeiterin der Tierschutzbehörde eine Kontrolle vor Ort durchgeführt. 

Zum Kontrollzeitpunkt gab es jedoch keinerlei Umstände, die eine sofortige Beschlagnahmung der festgestellten fünf Katzen hätten rechtfertigen können: Katzenfutter und Wasser war für die Tiere bereitgestellt. Die Anzahl der vorgefundenen Tiere ergab auch keine Hinweise auf eine vorliegende Zucht“, so die Sprecherin der Stadt Mannheim

Auch als die Situation Mitte September 2019 noch einmal in Augenschein genommen worden sei, hätten sich „keine Grundlagen für eine Beschlagnahmung der angetroffenen Katzen“ ergeben. Die Bewohner seien anschließend umgezogen. Nur vier Wochen später fanden Tierretter in der Wohnung des Messie-Paares schreckliche Zustände vor. 

Mannheim: Katzen aus Messie-Haushalt gerettet – Wie konnte es so weit kommen?

Mannheim/Schwetzingen - Es sind Bilder, die einen sofort erschaudern lassen: In einer völlig verdreckten und versifften Wohnung in Mannheim stapeln sich Müllberge, dreckiges Geschirr, leere Müll- und Plastiktüten. Kaputte Lampen liegen auf dem Boden, an den Tapeten sind große, braune Flecken zu sehen und Schimmel setzt sich an den Wänden ab. Zwischen Schüsseln und Flaschen krabbeln kleine Käfer herum. Die Aufnahmen zeigen die Wohnung eines Messie-Paares – und das schreckliche Zuhause von 12 komplett verstörten Katzen.

Anya Telzerow von der Schwetzinger Tierschutzorganisation „Arche Noah" hat zusammen mit anderen Tierschützern acht Katzen aus der Messie-Hölle in Mannheim befreien können – die Rettung hat unglaubliche fünf Tage gedauert. Telzerow erinnert sich an die furchtbaren Zustände im Haushalt: „Da war ein zentimeterhoher Berg aus undefinierbaren Sachen, Lebensmitteln, Müll und Katzenkot – und das war in der Küche!

Mannheim: Katzen durchleben Messie-Hölle – Tierschützer machen schreckliche Entdeckung

Ein schrecklicher Vorfall ereignet sich, als der Besitzer der Wohnung mit einigen Männern in die Messie-Wohnung in Mannheim kommt und alle Fenster öffnet. Wie Anya Telzerow MANNHEIM24* berichtet, springt eine Katze panisch aus dem 4. Stock. Als die Tierschützer wenige Stunden später eintreffen, finden sie das schwer verletzte Tier vor. Doch es flüchtet vor den Tierrettern und lässt sich nicht einfangen. „Leider haben wir sie dann erst einen Tag später bergen können, da war sie schon verstorben. Das war ziemlich heftig“, berichtet die Tierpflegerin.

Vom 15. bis 19. Oktober fangen die Mitglieder von „Arche Noah“ acht Tiere ein. „Alle geretteten Katzen sind unterernährt und psychisch am Ende“, erzählt die Tierschützerin. Die geretteten acht Katzen kommen beim Schwetzinger Tierheim unter und werden dort unter ständiger Beobachtung aufgepäppelt. Um einen Kater stehe es aber momentan besonders schlecht, wie die Tierretterin berichtet. Er braucht eine Infusion, da sein Immunsystem nach der Rettung komplett absackte. 

Ein Zustand, der eigentlich nicht von heute auf morgen entstehen kann: Völlig verdreckt finden die Tierschützer die Wohnung in Mannheim vor.

Die Tierschützerin erklärt, dass Katzen, die zuvor in Dauerstress und Panik lebten, nach der Rettung oftmals sehr krank werden. Deshalb bleiben die Tiere noch eine Weile im Tierheim, bis sie vermittelt werden können. Aber nicht nur körperlich, auch psychisch leiden die Tiere. Vor lauter Angst sind zwei Katzen wie „erstarrt“, zwei andere sind sehr aggressiv. 

Mannheim: Katzen aus Messie-Haus gerettet – schwere Vorwürfe gegen Veterinäramt

Besonders tragisch ist die Tatsache, dass die Katzen wohl schon viel früher aus der Messie-Hölle hätten gerettet werden können. Denn wie die Tierschützerin erklärt, habe das Veterinäramt Mannheim bereits zwei Mal die Wohnung kontrolliert – und nie etwas Schwerwiegendes gefunden. „Nie und nimmer war das Veterinäramt in der Wohnung gewesen, wie sie behaupten, denn das schafft niemand in nur 4 Wochen aus seiner Wohnung zu machen“, sagt Telzerow fassungslos zu MANNHEIM24*. Auch die Unterernährung und das lichte Fell der Katzen weise auf eine längerfristige Unterversorgung der Tiere hin. „Das hätte alles verhindert werden können“, sagt sie wütend.

7 der 8 geretteten Katzen.

Die Stadt Mannheim schreibt auf Anfrage der Rhein-Neckar-Zeitung zu dem Vorfall: „Zum Zeitpunkt der Vorort-Kontrolle des Veterinärdienstes war keine ausreichende Grundlage für eine Beschlagnahmung der angetroffenen Katzen gegeben. Eine auch nur vorübergehende Herausnahme der Tiere hätte vorausgesetzt, dass erhebliche tierschutzrechtliche Mängel und eine Vernachlässigung der Tiere oder schwerwiegende Verhaltensstörungen nach dem Gutachten eines Amtsveterinärs vorliegen.“ Nachdem das Messie-Ehepaar eine fristlose Kündigung erhalten hatte und im Oktober ausgezogen war, offenbarte sich aber bei der Zwangsräumung das wahre grausame Schicksal. 

Mannheim: Katzen leben in Messie-Haus: Durchleben drei Tiere nochmal die Hölle?

Das Messie-Paar hat drei Katzen beim Auszug noch mitgenommen. „Arche Noah“ habe versucht, eine Anzeige bei der Polizei aufzugeben – doch laut Anya Telzerow würde das nichts bringen, da das Veterinäramt Mannheim keine Beanstandungen im September aufgegeben hatte. Da aber das Ehepaar ab sofort in einer anderen Stadt lebt, ist von nun an ein anderes Veterinäramt zuständig. Ob dies eingreifen muss, wird sich aber erst noch zeigen. Bis dahin kümmern sich Anya Telzlerow und andere Tierpfleger um die acht geretteten Katzen. Die Kosten müsse der Verein „Arche Noah“, der auf Spenden angewiesen ist, übrigens selbst tragen. 

Bei einem Hundehalter aus Mannheim machte die Polizei nur eine Woche später ebenfalls eine erschreckende Entdeckung, wie MANNHEIM24.de* berichtet: Der polizeibekannte Tierquäler hielt 22 Hunde unter schrecklichen Bedingungen – eine Hündin wird die Strapazen wahrscheinlich nicht überleben. Schon in der Vergangenheit ist der Besitzer wegen Verstöße gegen das Tierschutzgesetzes aufgefallen. Die 22 Hunde, darunter auch 15 Jungtiere, werden auf Tierheime in der Region verteilt.

*MANNHEIM24 ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

jol

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