Masern-Impfung

Viele Kleinkinder in Hessen sind nicht vollständig geimpft

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Kleiner Pieks mit großer Wirkung: Zwei Impfungen als Kleinkind schützen gegen die Masern.

Ein kleiner Pieks mit großer Wirkung: Die Masern-Impfung schützt vor einer schlimmen Krankheit. Doch viele Kleinkinder in Hessen sind nicht vollständig geimpft, wie neue Zahlen zeigen.

Die Masern sind eine hoch ansteckende Krankheit, die vor allem Kinder betrifft und die bei besonders schweren Verläufen tödlich sein kann. Trotzdem sinkt die Zahl der Menschen in Deutschland, die gegen die Viruserkrankung geimpft sind.

Vor allem in Hessen scheint es viele Menschen zu geben, die Impfungen nicht ernst genug nehmen, wie eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt. Die Krankenkasse hatte sich angeschaut, wie die Kinder, die im Jahr 2016 geboren wurden und durchgehend bei der TK versichert sind, geimpft wurden. Dabei stellte sich heraus, dass 3,2 Prozent der Kinder in Hessen gar keine Impfung erhalten hatten. Mit nur 28,1 Prozent vollständig geimpften Kindern bildet Hessen das Schlusslicht der Bundesländer.

Masern-Impfpflicht ab März 2020 - wer braucht die Impfung gegen Masern?

Um der Masern Herr zu werden, soll es ab März 2020 in Deutschland eine Masern-Impfpflicht geben. Impfverweigerern drohen dann künftig Kita-Verbot und Bußgelder. Künftig müssen dann alle Kinder, die eine Kita, Schule oder andere Gemeinschaftseinrichtungen besuchen, nachweisen, dass sie gegen Masern geimpft sind. Die Impfpflicht gilt auch für alle, die in solchen Einrichtungen arbeiten. Auch für Personal in medizinischen Einrichtungen und für alle in Flüchtlingsunterkünften Beschäftigten soll die Masern-Impfpflicht gelten. Derzeit wird das Gesetz im Bundestag beraten.

Welche Strafen drohen bei fehlender Masern-Impfung?

Kinder, die nicht gegen Masern geimpft sind, sollen nach Inkrafttreten des Gesetzes vom Besuch der Kita ausgeschlossen werden. Mitarbeiter, die die Impfung verweigern, dürfen nicht in Gemeinschafts- oder Gesundheitseinrichtungen arbeiten. Eltern, deren Schulkinder nicht geimpft sind, müssen mit Bußgeldern von bis zu 2500 Euro rechnen. Ein solches Bußgeld kann auch gegen Einrichtungen verhängt werden, die ungeimpfte Kinder zulassen und gegen Personal, das sich nicht impfen lässt.

Welche Ausnahmen von der Impfpflicht gegen Masern gibt es?

Doch es gibt auch Ausnahmen: Wer bereits vor Inkrafttreten des Gesetzes im März 2020 eine Gemeinschaftseinrichtung besucht oder dort arbeitet, muss den Impf-Nachweis erst bis zum 31. Juli 2021 erbringen. Wer vor 1970 geboren wurde oder wem gesundheitliche Schäden drohen, ist von der Impfpflicht ausgenommen, genau wie alle, die bereits an Masern erkrankt waren.

Masern-Situation in Deutschland und Europa macht Experten Sorgen

Die Masern-Situation macht Experten schon seit einiger Zeit wieder Sorgen. Seit 2018 stieg die Zahl der Masernfälle in Europa sprunghaft an, wie die Weltgesundheitsorganisation WHO berichtet. Dieser Trend setzt sich 2019 fort: Im ersten Halbjahr 2019 wurden in Europa etwa 90.000 Masernfälle gemeldet, im gesamten Jahr 2018 waren es 84.462.

Immer wieder kommt es zu lokalen Masernausbrüchen, die Zahl der Impfgegner scheint zu steigen. Deutschlandweit sind nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums weniger als 95 Prozent der Bevölkerung geimpft. Allerdings benötigt man eine Impfquote von 95 Prozent, so dass sich die Krankheit nicht mehr weiter ausbreiten kann, sagen Experten. Hier soll die Impfpflicht helfen. „Das ist ein ganz wichtiges Werkzeug, um die Masern endlich auszurotten“, sagte der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Masern: Eins von 1000 erkrankten Kindern stirbt

Hans-Iko Huppertz, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin, betont gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: „Wir wollen erreichen, dass keine Epidemien mehr auftreten und die Masern möglichst ausgerottet werden.“ Er kritisiert deshalb, dass von dem bisherigen Gesetzesentwurf ältere Jugendliche und Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden, nicht erfasst werden. Da gebe es Impflücken.

„Die Erkrankung ist schwer, eines von 1000 erkrankten Kindern stirbt. Das kann man mit einer völlig harmlosen Maßnahme verhindern“, so Huppertz weiter. „Alle Möglichkeiten der Überzeugung sollten weiterhin ausgeschöpft werden. Dazu gehört auch, Ärzte, die von Impfungen abraten, zur Verantwortung zu ziehen.“

Masern - eine hoch ansteckende Krankheit

An Masern erkranken vor allem Kinder, weshalb die Infektionskrankheit auch „Kinderkrankheit“ genannt wird. Allerdings können auch Erwachsene erkranken, wenn sie keine Immunität erworben haben. Typisch für die Masern sind rote Hautflecken, Fieber und ein geschwächter Allgemeinzustand. Schwere Verläufe der Masern können lebensbedrohlich sein. In Deutschland ist die Masernerkrankung meldepflichtig. Eine spezifische Therapie gegen die Masern gibt es nicht, man kann lediglich die Symptome wie Fieber bekämpfen.

Masern-Impfung - effektiver Schutz vor der Krankheit

Die Impfung gegen Masern* ist laut Forschung die effektivste Methode gegen die Krankheit. Dadurch wurde die Zahl der Todesfälle durch Masern zwischen 2000 und 2015 um geschätzte 79 Prozent gesenkt. In Deutschland wird meist ein Mehrfachimpfstoff eingesetzt, der gegen Masern, Mumps und Röteln wirkt.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die erste Impfung gegen Masern für Säuglinge im Alter von 11 bis 14 Monaten. Die zweite Impfung sollte im Alter von 15 bis 23 Monaten folgen. Dabei handelt es sich nach Angaben des Robert-Koch-Instituts nicht um eine Auffrischungsimpfung, sondern um eine Maßnahme zur Schließung von Impflücken.

So wirken Impfungen

Wer sollte sich gegen Masern impfen lassen?

Die Masern-Impfung wird eigentlich im frühen Kinderalter durchgeführt*. Wer jedoch noch nicht geimpft ist, sollte sich auch als Erwachsener gegen Masern impfen lassen. Das Robert-Koch-Institut (RKI) empfiehlt eine Masern-Impfung für alle Erwachsenen, die nach 1970 geboren wurden und „noch gar nicht oder nur einmal in der Kindheit gegen Masern geimpft wurden“. Wer vor 1970 geboren wurde, hat die Masern „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ bereits durchgemacht, so das RKI. Aber uch bei unklarem Impfstatus sollte man sich impfen lassen.

Weltgesundheitsorganisation will Masern bis 2020 ausrotten

Eigentlich sollten die Masern bis 2020 ausgerottet werden, so der Plan der Weltgesundheitsorganisation. Anfang des Jahres hat die WHO das „Vermeiden oder Verzögern von Impfungen“ in die Liste der globalen Gesundheitsbedrohungen aufgenommen. Dort stehen Impfgegner nun in einer Reihe mit bedrohlichen Krankheiten wie HIV, Dengue-Fieber oder Ebola.

Von Tanja Banner

*fnp.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion.

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