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Schwimmende Zeitbombe: Vor Küste des Jemen droht eine Ölpest

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Öltanker „Safer“ vor Küste des Jemen
Der verwahrloste Öltanker „Safer“ liegt seit Jahren vor der Küste des Jemen. Im Inneren des Tankers befinden sich 1,1 Millionen Barrel Rohöl und damit eine Menge, die das Rote Meer und seine Küsten bei einem Leck oder Unfall über Hunderte Kilometer mit schwarzem Schlick überziehen könnte. © -/Umweltorganisation Holm Akhdar/dpa

Ein Tanker rostet vor sich hin - mit 1,1 Millionen Barrel Rohöl an Bord. Die Folgen einer Ölkatastrophe wären für Umwelt und Bevölkerung des Jemen verheerend. Die Vereinten Nationen versuchen, das Unglück abzuwenden.

Sanaa/Den Haag - Der Tanker wirkt gespenstisch. Verwahrlost schwimmt der 350 Meter lange Koloss vor der Küste des Jemen, Rost hat sich in den rotbraunen Stahl gefressen.

Im Inneren der „Safer“: 1,1 Millionen Barrel Rohöl und damit eine Menge, die das Rote Meer und seine Küsten bei einem Leck oder Unfall über Hunderte Kilometer mit schwarzem Schlick überziehen könnte. Mit einer Konferenz am Mittwoch versuchen die Vereinten Nationen im Wettlauf gegen die Zeit, eine drohende Umweltkatastrophe noch zu verhindern.

Ökologische Zeitbombe

Der Tanker war im Jemen seit den 1980er Jahren eigentlich als fest ankernde, schwimmende Lagereinheit (FSO) im Einsatz. Er speicherte Öl, das über eine Pipeline von Feldern im Landesinneren kam und dann exportiert wurde. Aber nachdem der Jemen 2015 in einem Bürgerkrieg versank, wurden Produktion und Export gestoppt. Die staatliche Ölfirma SEPOC stellte die teure Wartung ein, 2016 wurde die „Safer“ außer Dienst gestellt - mit 1,1 Millionen Barrel Öl an Bord.

Inzwischen hat sich das 45 Jahre alte Schiff mit seiner Ladung in eine ökologische Zeitbombe verwandelt. Das „Risiko einer massiven Ölpest“ stehe unmittelbar bevor, warnte der UN-Nothilfekoordinator für den Jemen, David Gressly. Er sagt eine „massive Katastrophe“ für Umwelt und Menschen voraus rund um ein Land, das mit den Folgen eines jahrelangen Bürgerkriegs kämpft. Am Mittwoch wollen die UN zusammen mit den Niederlanden bei einer Geberkonferenz Geld sammeln, um die Krise noch rechtzeitig abzuwenden. „Wir müssen jetzt handeln“, sagte Kitack Lim, Generalsekretär der Weltschifffahrtsorganisation IMO, vor Beginn der Konferenz. „Es ist jetzt an der Zeit. Die Risiken sind hoch.“

Die Zeit drängt

80 Millionen Dollar (etwa 76 Mio Euro) wären nötig, um das Öl aus der „Safer“ über mehrere Monate in ein anderes Schiff zu pumpen. Der alternde Tanker würde dann in eine Werft geschleppt und verkauft. Nach vielen Warnungen und Verzögerungen auch wegen des Konflikts kommt Bewegung in den Rettungsplan: Die Huthi-Rebellen, die nahe liegende Häfen seit ihrem Vormarsch im Jemen kontrollieren, stimmten dem UN-Vorschlag grundsätzlich zu.

Die Zeit drängt. Rost und die verschleppte Wartung könnten jederzeit zu Öllecks führen, oder das in den Tanks angesammelte Gas könnte sich entzünden und eine Explosion samt Großfeuer verursachen. Es würde dann etwa eine Woche dauern, bis der Ölteppich die Küsten erreicht. Die ohnehin leidende Fischerei, Lebensgrundlage für 1,7 Millionen Menschen, wäre vorerst am Ende, verdreckte Entsalzungsanlagen würden die Wasserversorgung gefährden. Die wichtigen Häfen Hudaida und Salif müssten wohl Monate schließen. Auch das wäre verheerend für das Land, das 90 Prozent seiner Lebensmittel importiert.

Riesiger Ölteppich befürchtet

Umweltschützer erinnern an die Ölkatastrophe mit dem Tanker „Exxon Valdez“ vor Alaska 1989. Im Fall der „Safer“ könnte nun bis zu vier Mal so viel Öl austreten. Die Organisation Greenpeace sagt ein dramatisches Szenario voraus für Tiere, Pflanzen und Korallen im Roten Meer. Das Analyseprojekt ACAPS schätzt, dass bei einem Brand auf der „Safer“ 500 Quadratkilometer Agrarflächen verunreinigt würden. Ruß würde Papaya-, Zitrus- und Mangofrüchte bedecken und Ernten von Mais, Tomaten oder Süßkartoffeln gefährden.

Säuberungsarbeiten nach solch einer Katastrophe mit Kosten von rund 20 Milliarden Dollar (18,9 Mrd Euro) könnte der Jemen sich niemals leisten. Ein Ölteppich bis hoch nach Saudi-Arabien und zur anderen Seite der Meerenge Bab al-Mandab könnte noch ganz andere Folgen haben: Die wichtige Schifffahrtsstrecke und Zufahrt zum Suezkanal müsste womöglich geschlossen werden. Für Logistik und Handel wäre es eine dramatische Neuauflage des Falls „Ever Given“ - das Containerschiff, das tagelang den Suezkanal blockierte. Durch die Wasserstraße laufen täglich zwölf Prozent des weltweiten Handels. dpa

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