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Nach Erdbeben in der Türkei und Syrien: Wettlauf gegen Kälte, Schnee und Regen

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Von: Tobias Becker

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Die Türkei und Syrien sind von starken Erdbeben betroffen. Bis jetzt sind tausende Tote die Folge. Ein Blick auf das Wetter der nächsten Tage lässt Böses erahnen.

Tausende Tote, zerstörte Städte, viele Vermisste – die Türkei und Syrien wurden von heftigen Erdbeben heimgesucht. Das Leid der Menschen vor Ort, die Bilder der Trümmerhaufen, die schwindende Hoffnung auf das Überleben von Freunden und Familien, all das sorgt auch weit weg von der Tragödie für Mitgefühl. In Heilbronn, Stuttgart und anderen Städten werden Hilfsaktionen geplant, Menschen machen sich auf den Weg, um zu helfen. Doch während der humanitäre Stein ins Rollen kommt, droht die nächste Krise: das Wetter vor Ort.

Die Rettungsarbeiten laufen auf Hochtouren, Hilfsaktionen starten und vielerorts wird auch getrauert, so auch bei der islamischen Gemeinde in Neckarsulm, nachdem am Montagmorgen ein Erdbeben der Stärke 7,4 den Südosten der Türkei erschüttert hat. Auch aus Heilbronn kommt Hilfe in die betroffenen Gebiete, die nach dem ersten Beben auch noch 22 weitere, teils starke Nachbeben erlebt haben. Doch die Lage wird durch das Wetter noch verschlimmert, denn starker Regen und auch Schneeregen erschweren Helfern die Arbeit.

Erdbeben-Katastrophe in der Türkei und Syrien: Schnee, Regen und Minus-Temperaturen

Und es kommt noch heftiger: Die Menschen in der Türkei und Syrien werden dazu aufgefordert, sich im Freien aufzuhalten. Viele können gar nicht mehr zurück in ihre Häuser, da diese von den Erdbeben zerstört wurden, müssen also ohnehin im Freien bleiben. Hinzu kommt, dass die Erdbeben zu einem Zeitpunkt stattgefunden haben, als die meisten Menschen wohl im Bett lagen. Sachen packen? Nicht möglich. Eisige Temperaturen, winterliches Schneewetter und starker Regen verschlimmern die Lage also deutlich.

Erdbeben in der Türkei und Syrien: Bis zu minus 10 Grad möglich

Die Türkei-Tragödie geht weiter, denn bei solchen Wetterbedingungen sind weitere Opfer nahezu absehbar. In der Türkei und Syrien drohen Gefahren von unten und oben – die Erdbeben und die Temperaturen. Laut „Bild“ erklärt Klimatologe Dr. Karsten Brandt von „Donnerwetter.de“: „Besonders die jetzt betroffenen Gebiete um Gaziantep, Kilis und Dyabarkir bekommen 10 bis 20 cm Neuschnee und minus 10 Grad in der Nacht.“ Sogar von einem Schneesturm ist die Rede.

Gegenüber echo24.de erklärt Jacqueline Kernn vom „Deutschen Wetterdienst“ (DWD): „Es ist auch in der Region Winter. Zwar gibt es tagsüber leichte Plusgrade, die auf türkischer Seite zwei bis fünf Grad betragen, auf syrischer Seite auch bis zu acht, neun Grad.“ Aber: Die Nächte sind das größte Problem. „Nachts gibt es Frost und kann regional oder lokal durchaus auch in den strengen Frostbereich gehen, vor allem Richtung Ende der Woche“, so die Diplom-Meteorologin. Strenger Frostbereich, das bedeutet minus zehn Grad!

Für die Menschen vor Ort eine gefährliche Wetterlage, die zu der Erdbeben-Gefahr dazu kommt. Kaum Kleider, keine Wärme, kein Dach über dem Kopf und dann Minus-Temperaturen, bei denen viele Menschen in Baden-Württemberg nur ungern die warme Wohnung verlassen würden. Hinzu kommt auch noch Wind mit einer Geschwindigkeit von bis zu 50 Kilometern pro Stunde. Das macht es auch für die ausrückenden Hilfsorganisationen aus Baden-Württemberg schwerer.

Wetter in Erdbeben-Region wird heftiger: Wenn das Tiefdruckgebiet weg ist, wird es nicht wärmer

Grund für die Wetterbedingungen ist ein Tiefdruckgebiet, dass derzeit über der Region liegt. Besteht also Hoffnung, wenn das Tief weitergezogen ist? „Unglücklicherweise wird es dann nicht wärmer“, erklärt DWD-Expertin Kernn gegenüber echo24.de. Der Grund: Das Tiefdruckgebiet bringt vorderseitig warme Luft aus Süden, rückseitig kalte Luft aus Norden. Kernn: „Wenn das Tiefdruckgebiet weg ist, werden die Nächte sehr kalt.“

Zwar wird es in der Erdbeben-Region in der Türkei und Syrien wohl trockener werden, aber eben auch kälter in der Nacht. Für Hilfsaktionen vor Ort ist das Wetter denkbar ungünstig. Dennoch muss es schnell gehen, denn bei der Aussicht wird es für die betroffenen Menschen nicht leichter zu überleben. In Deutschland werden inzwischen auch Spenden für Hilfsorganisationen und die Menschen in der Erdbeben-Region gesammelt.

Wetter in der Türkei und Syrien: Eisige Kälte sorgt für schlimme Bedingungen nach Erdbeben

Der türkische Wetterdienst hat für Dienstag für die vom Erdbeben betroffenen Gebiete niedrige Temperaturen und teils Schneefall und Regen vorhergesagt. In den südöstlichen Provinzen Mardin und Diyarbakir werde Schnee erwartet, teilte die Meteorologische Generaldirektion laut „Deutsche Presseagentur“ (dpa) mit. In den Provinzen Malatya und Hatay soll es regnen.

Demnach soll es in der Provinz Kahramanmaras, dem Epizentrum des Erdbebens in der Türkei und Syrien, bis zu minus fünf Grad kalt werden. Die Kälte schlägt in den kommenden Tagen jedoch noch heftiger zu. Betroffen sind von der Katastrophe nach Einschätzung der türkischen Regierung zehn Provinzen, in denen rund 13,5 Millionen Menschen leben. Die Türkei gilt neben Italien und Griechenland als größte Erdbeben-Region in Europa, wie „merkur.de“ berichtet.

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