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Ukraine-Krieg: Zoo in der Ukraine unter Beschuss – Tiere harren aus

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Im größten Zoo der Ukraine harren Tiere unter Beschuss der russischen Truppen aus. Auch viele Tiere, die unter Artenschutz stehen, sollen in Gefahr sein.

Mykolajiw – Ein Ende des Ukraine-Konflikts* ist auch mehr als einen Monat nach Kriegsbeginn nicht abzusehen. Nicht nur Menschen leiden unter dem Überfall durch Russland* auf die Ukraine. Im Ukraine-Krieg* ist im Museum des größten Zoos der Ukraine ein neues Exponat hinzugekommen: Die Rakete, die am dritten Tag des russischen Angriffs im Tierpark von Mykolajiw einschlug - zwischen Eisbär- und Tigergehege. Menschen und Tiere blieben unverletzt, doch der Zoodirektor fürchtet um das Leben seiner Schützlinge.

Etwa 4000 Tiere beherbergt der größte Zoo des Landes im Süden der Ukraine*. Fast die Hälfte der rund 400 hier vertretenen Arten stehe auf der internationalen Roten Liste der bedrohten Arten, sagte Direktor Wolodymyr Toptschyji der AFP. Er würde die Tiere gern in Sicherheit bringen. „Aber es gibt nicht genügend Fahrzeuge, um die Tiere zu transportieren, und die einzige Straße in Richtung Odessa ist durch den Verkehr verstopft“, so Toptschyji. „Außerdem ist es immer noch sehr kalt.“ Giraffen, Elefanten und Nilpferde könnten während ihres Abtransports erfrieren. Aus Kiew* hatten Tierschutzorganisationen bereits unter schwierigen Bedingungen Tiere aus dem Zoo von der Ukraine nach Polen gefahren und in Sicherheit gebracht.*

Krieg in der Ukraine: Bomben schlagen in Zoo ein - Zootiere sitzen fest

Mykolajiw ist schwer umkämpft. Für Wladimir Putin* ist die Stadt unweit des Schwarzen Meeres strategisch wichtig, um auf dem Landweg die Hafenstadt Odessa zu erreichen. Ein Großteil von Mykolajiws 500.000 Einwohnern ist inzwischen geflohen.
Ebenfalls zu fliehen kommt für den Zoodirektor und seine Mitarbeiter nicht in Frage, sie wollen die Tiere nicht im Stich lassen. Den Einsatz der rund hundert Angestellten lobt Toptschyji als „heldenhaft“. Viele schlafen sogar im Zoo, um gefährliche Fahrten durch die Stadt zu vermeiden.

Ukraine-Krieg: Eine Giraffe im Zoo von Mykolaiv. Der Zoo im Süden der Ukraine steht unter dem Beschuss Russlands.
Ukraine-Krieg: Eine Giraffe im Zoo von Mykolaiv. Der Zoo im Süden der Ukraine steht unter dem Beschuss Russlands. © BULENT KILIC / afp

Auch der Zoologe Viktor Dyakonow lebt jetzt mit seiner Frau, einer Tierärztin, in dem Tierpark. Während einmal mehr die Sirenen vor Luftangriffen warnen, zeigt er den Amurleoparden, „die seltenste Unterart“ der Spezies. Die Raubkatze streicht nervös an den Gitterstäben des Käfigs entlang. Ob der Leopard wegen des Lärms oder wegen des ersten Besuchers seit Wochen so unruhig ist, sei schwer auszumachen, sagt Dyakonow.

Die Deutsche Tierparkgesellschaft (DTG) hat ihren Kollegen in der Ukraine Unterstützung und Hilfe angeboten. „Nach dem heimtückischen Überfall Putins auf die Ukraine sind unsere Gedanken bei den Menschen dort!“, hieß es von der DTG. „Als Zooverband sind wir natürlich vor allem mit unseren Gedanken bei unseren Zookollegen, ihren Familien und den Tieren! Deshalb wollen wir konkret helfen!“ Man stehe im direkten Kontakt mit den Kollegen in der Ukraine.

Ukraine-Krieg: Zootiere sitzen in umkämpfter Stadt fest

Die Angriffe Russlands bedeuten auch für die Tiere Stress. Nach der ersten schlugen noch weitere Raketen auf dem Gelände ein, nahe dem Verwaltungsgebäude und in eine Voliere. Den Mitarbeitern zufolge handelte es sich um geächtete Streubomben, deren Füllung oft erst lange nach dem Abwurf explodiert.

Ukraine-Krieg: Eine Giraffe im Zoo von Mykolaiv. Der Zoo im Süden der Ukraine steht unter dem Beschuss Russlands.
Ukraine-Krieg: Eine Giraffe im Zoo von Mykolaiv. Der Zoo im Süden der Ukraine steht unter dem Beschuss Russlands. © BULENT KILIC / Afp

Den meisten Tieren gehe es dennoch gut, sagt Tierpflegerin Olga, während sie das Flusspferdweibchen Rikky beim Schwimmen beobachtet. „Unsere Tiere fressen und vermehren sich“, sagt Zoodirektor Toptschyji. Am 8. März brachte ein Leopardenweibchen inmitten heftiger Bombardements ein Junges zur Welt. „Es ist Frühling, da beginnen die Geburten.“ Seit mehr als drei Wochen ist der Zoo von Mykolajiw für Besucher geschlossen. Eintrittskarten werden dennoch weiterhin verkauft. Freunde des mehr als 120 Jahre alten Tierparks kaufen sie, um den Zoo auch in Kriegszeiten zu unterstützen. (afp/df) * fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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