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„Das Gebiet ist zerklüftet“: Probleme bei Waldbrandbekämpfung in der Sächsischen Schweiz

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Von: Tanja Banner, Sarah Neumeyer

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Mit Hubschraubern wird ein Waldbrand im tschechischen Nationalpark Böhmische Schweiz in Hrensko nahe der Grenze zu Sachsen gelöscht.
Mit Hubschraubern wird ein Waldbrand im tschechischen Nationalpark Böhmische Schweiz in Hrensko nahe der Grenze zu Sachsen gelöscht. © Robert Michael/dpa

Zahlreiche Waldbrände halten Deutschland in Atem. Vor allem Brandenburg und Sachsen sind derzeit betroffen. Die Zahl der Waldbrände nähert sich einem Rekord.

Update vom Mittwoch, 27. Juli, 10.45 Uhr: In den Waldbrandgebieten im Süden Brandenburgs und im Nationalpark Sächsische Schweiz geht der Kampf gegen die Flammen weiter, die Lage hat sich in der Nacht zu Mittwoch aber etwas entspannt. In beiden Gebieten sei die Ausbreitung des Feuers verhindert worden, hieß es auf Anfrage.

In der Sächsischen Schweiz sei die Lage in zwei von fünf Brandgebieten nach wie vor angespannt, sagte der Sprecher des Landratsamtes Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Thomas Kunz. „Das Gebiet ist zerklüftet und nicht leicht zu erreichen“, sagte Kunz. Zudem erschwerten Totholz und die Witterung die Brandbekämpfung. Der Brand erstreckt sich derzeit auf etwa 250 Hektar.

Waldbrand in munitionsbelasteten Gebieten: Experte forder Löschpanzer

Im Süden Brandenburgs waren die Flammen etwas zurückgegangen, wie Thomas Trodler vom Führungsstab der Feuerwehr im Elbe-Elster-Kreis am Mittwochmorgen sagte. Noch immer sei eine Fläche von rund 850 Hektar betroffen, ein heißer Brand mit Flammen und Rauchentwicklung tobe allerdings nur noch auf einer Fläche von rund 500 Hektar. Besonders problematisch seien nach wie vor die Einsätze in zwei Abschnitten, in denen Munition im Boden vermutet werde. „Hier können die Feuerwehrleute aus Sicherheitsgründen nur von den Wegen aus den Brand bekämpfen“, sagte Trodler. Zudem arbeitet ein Bergepanzer der Bundeswehr Schneisen in den Wald, auf denen dann andere Einsatzfahrzeuge sicher unterwegs sind.

Der Feuerökologe Johann Georg Goldammer hält den Einsatz von Löschpanzern bei Waldbränden in munitionsbelasteten Gebieten für sinnvoll. In der TV-Sendung rbb24 Spezial zum Waldbrand in Elbe-Elster sagte der Experte am Dienstagabend, er verstehe nicht, warum in Brandenburg in diesem Jahr noch kein Löschpanzer eingesetzt worden sei.

Waldbrände in Deutschland: Lage spitzt sich zu

Erstmeldung vom Dienstag, 26. Juli: Frankfurt – Es ist heiß in Deutschland und regnet nur wenig – die Waldbrandgefahr ist derzeit hoch. Betrachtet man die Deutschlandkarte des EU-Waldbrandinformationssystems EFFIS, sieht man zahlreiche rote Punkte – die Satelliten erkennen aus ihren Erdumlaufbahnen Regionen, die deutlich heißer sind als die Umgebung und markieren sie als Waldbrände. Für das Jahr 2022 verzeichnet EFFIS bereits 21 Waldbrände in Deutschland mit einer verbrannten Fläche von mehr als 3300 Hektar (Stand: 26. Juli 2022). Das Jahr 2022 ist noch längst nicht zu Ende und wird derzeit nur von den Werten aus dem Jahr 2018 übertroffen, als bei 33 Waldbränden 3622 Hektar Land verbrannt sind.

Vor allem Brandenburg ist immer wieder betroffen. Besondere Sorge macht den Einsatzkräften derzeit ein Waldbrand in Falkenberg (Landkreis Elbe-Elster). Dort könnte auffrischender Wind dafür sorgen, dass sich das Feuer schneller ausbreitet. Rund 350 Einsatzkräfte kämpfen gegen den Brand, betroffen sind offiziellen Angaben zufolge etwa 850 Hektar Land. Derzeit ist nicht absehbar, wann der Brand unter Kontrolle gebracht werden kann, der Brand gilt als Großschadenslage. Um sie vor dem Feuer zu schützen, wurden bereits zahlreiche Anwohnerinnen und Anwohner aus den Orten Kölsa, Kölsa-Siedlung und Rehberg in Sicherheit gebracht, es wird über die Evakuierung des Orts Lönnewitz nachgedacht. Ein Problem bei den Löscharbeiten: Die betroffene Fläche ist teils mit Munition belastet.

Waldbrände in Deutschland: Brandenburg und Sachsen besonders betroffen

Auch in Sachsen brennt es: Wegen eines Waldbrands im Nationalpark Sächsische Schweiz wurde für Bad Schandau Katastrophenalarm ausgelöst. Wie groß das betroffene Gebiet ist, ist unklar, da es felsig und unwegsam ist. Das Feuer griff am Montag (25. Juli) vom Nationalpark Böhmische Schweiz in Tschechien auf den Nationalpark Sächsische Schweiz über, während sich die Lage auf der anderen Seite der Grenze dramatisch zuspitzte.

Experte zu Waldbränden: Deutschland ist ein Waldbrandland

Bereits zuvor hatte es in Brandenburg gebrannt: Im Juni waren in Treuenbrietzen und Beelitz (beide im Landkreis Potsdam-Mittelmark) mehrere hundert Feuerwehrkräfte im Einsatz, um zwei Waldbrände zu stoppen. Und auch im Rhein-Main-Gebiet brennt es immer wieder – erst kürzlich bekämpften die örtlichen Feuerwehren einen großen Waldbrand bei Hanau.

Somidh Saha vom Karlsruher Institut für Technologie geht davon aus, dass Deutschland jetzt ein Waldbrandland ist. Als Folge des Klimawandels erlebe man nun stärkere Hitzewellen und Dürren, und so steige eben auch die Feuergefahr, so der Fachmann. Auch in Südeuropa kommt es derzeit zu zahlreichen Bränden. (tab/sne/dpa)

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