Goodwill-Vorstoß

Amazon-Chef Bezos mit überraschendem Blog-Beitrag - Er reagiert damit auf einen Vorschlag von Joe Biden

Jeff Bezos: Der Amazon-Chef hat Pläne von US-Präsident Joe Biden für eine Anhebung der Unternehmenssteuern begrüßt.
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Jeff Bezos: Der Amazon-Chef hat Pläne von US-Präsident Joe Biden für eine Anhebung der Unternehmenssteuern begrüßt.

Amazon steht derzeit in den USA schwer in der Kritik. Jetzt hat sich Konzern-Chef Jeff Bezos zu Wort gemeldet - und eine überraschende Forderung gestellt.

Seattle/Washington – Der Chef des Onlinehändlers Amazon Jeff Bezos* hat das von US-Präsident Joe Biden angekündigte Zwei-Billionen-Dollar-Programm zur Modernisierung der Infrastruktur begrüßt - und sich für höhere Steuern auf Firmengewinne ausgesprochen. „Wir unterstützen eine Anhebung der Unternehmensteuer“, schreibt Bezos in einem am Dienstag veröffentlichten Blogbeitrag auf der Webseite des Konzerns.

Amazon stehen seit längerem wegen Steuervermeidung in der Kritik. Erst vor wenigen Wochen hatte US-Präsident Joe Biden* Amazon angegriffen: Er zitierte eine Studie von 2019, wonach viele der 500 weltweit größten Unternehmen, „inklusive Amazon keinen einzigen Penny Bundessteuer zahlen“. Das sei „einfach falsch“.

Nach einer vor wenigen veröffentlichten Studie des Institute on Taxation and Economic Policy haben alleine im vergangenen Jahr 55 US-Konzerne zusammen 40 Milliarden Dollar Gewinn eingefahren, ohne einen Cent Körperschaftssteuer zu zahlen. Zu den Steuervermeidern gehören Branchen-Schwergewichte wie Nike, FedEx, HP und der Softwarekonzern Salesforce.

US-Präsident Biden plant gigantische Infrastrukturprogramm

Die Diskussion um die Unternehmenssteuern hat mit Bidens Plänen zuletzt erheblich Fahrt aufgenommen. Der neue US-Präsident plant ein Infrastrukturpaket von 2,3 Billionen Dollar. Neben einer umfassenden Erneuerung von Straßen, Brücken oder Flughäfen will der Demokrat auch andere Bereiche wie Wasserversorgung oder Stromleitungen sanieren.

Einen Teil der Kosten will die neue US-Regierung über eine Anhebung der Unternehmenssteuern reinholen. Nach den Plänen soll die Körperschaftssteuer um sieben Punkte auf künftig 28 Prozent steigen. Bidens Vorgänger Donald Trump hatte den entsprechenden Satz zuvor von 35 auf 21 Prozent gesenkt. Auch den Steuersatz auf Auslandsgewinne von US-Gesellschaften will Biden von bislang 10,5 auf demnächst 21 Prozent anheben. Die Debatte um höhere Abgaben an den Fiskus dürfte auch bei der Videokonferenz der G20-Finanzminister am Mittwoch (7. April) ein Thema sein.

Amazon kann positive PR gut gebrauchen

Dass Bezos oder Amazon sich öffentlich zu politisch brisanten Themen äußern, ist eher ungewöhnlich. Allerdings steht der weltgrößte Onlinehändler derzeit unter wachsendem Druck und kann positive PR derzeit gut gebrauchen. Neben der Diskussion um Steuervermeidung sieht sich Amazon auch wegen der Arbeitsbedingungen für seine Mitarbeiter derzeit in der Kritik. In Alabama stimmen Amazon-Mitarbeiter erstmals über die Gründung einer Gewerkschaft ab. Sollte sich dafür eine Mehrheit finden, wäre dies für den Konzern eine Zäsur. (dpa/utz) *Merkur.de ist Teil von IPPEN.MEDIA.

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