Nach Wirtshausgespräch mit Erdinger Unternehmer

Großer Erfolg für kleine Gesundheitsbetriebe: Jens Spahn verspricht Reform der Auftragsverteilung

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Jens Spahn verspricht Reform der Auftragsverteilung in der Gesundheitsbranche

Großer Erfolg für den Erdinger Unternehmer Rainer Graf: Er hat Minister Jens Spahn eine wichtige Zusage abgerungen.

Erding/Berlin – Hartnäckigkeit und ein enger Draht zur Politik zahlen sich aus: Dem Erdinger Orthopädiemechanikermeister Rainer Graf ist es gelungen, für seine gesamte Branche eine deutliche Verbesserung bei der Versorgung mit Heil- und Hilfsmitteln zu erzielen. Der 67-Jährige ist überzeugt: „Davon werden auch die Patienten profitieren, nicht zuletzt durch eine bessere und wohnortnahe Versorgung der Händler vor Ort.“

Erreicht hat Graf das bei keinem Geringeren als Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Mit dem hatte Graf ein Treffen in Berlin, und zwar nicht im Ministerium, sondern in einem Wirtshaus. Es geht um das bei den Sanitätshäusern leidige Thema der Ausschreibungen, etwa für Inkontinenzprodukte, aber auch Toilettenstühle, Pflegebetten, Rollstühle und Rollatoren.

Unternehmer Rainer Graf: „Bisherige Praxis ein Dorn im Auge“

Das war die bisherige Praxis: Einige Krankenkassen schrieben diese Leistungen inklusive Service und Wartung bundesweit aus. „Das hatte zur Folge, dass regelmäßig Betriebe aus Mecklenburg-Vorpommern oder Nordrhein-Westfalen mit niedrigeren Kosten den Zuschlag erhielten – für das gesamte Bundesgebiet. Außendienstmitarbeiter mussten dann die Versorgung sicherstellen. Eingesessene Betriebe blieben meist außen vor.

Der Erdinger Unternehmer Rainer Graf hat nach seinem Gespräch mit Jens Spahn einen wichtigen Erfolg für kleine Gesundheitsbetriebe zu verzeichnen.

„Diese Praxis war mir immer schon ein Dorn im Auge“, berichtet Graf, der vor über 40 Jahren sein Unternehmen in Erding gegründet hat. „Die Frage war nur: Wie und wo können wir das dem Minister verdeutlichen?“ Bei Bundestagsabgeordnetem Andreas Lenz und Landtagsabgeordneter Ulrike Scharf hatte Graf bereits offene Türen eingerannt und sich Unterstützung versichert. Die Gelegenheit bot sich im Landtagswahlkampf, als Spahn die Klinik Wartenberg besuchte.

Gesundheitsminister Jens Spahn: Reform-Versprechen in vertraulicher Runde

Landrat Martin Bayerstorfer sorgte dafür, dass Graf an einer vertraulichen Runde teilnehmen konnte. „Als der Minister danach zum Auto ist, habe ich ihm Unterlagen mitgegeben. Er hat mir nicht nur versprochen, dass er sie liest, sondern mir auch ein Treffen in Berlin angeboten“, erinnert sich der Geschäftsmann. Ende Oktober flog Graf dann nach Berlin, gemeinsam mit Landesinnungsmeister Bodo Schrödel – dieses Amt hatte Graf selbst 13 Jahre lang inne – und mit Klaus Lotz als Präsident des Bundesinnungsverbandes.

Eine Stunde saß man in der Bundeshauptstadt beisammen. Im Dezember erfuhr Graf aus den Medien, dass ihre Intervention erfolgreich war. Spahn teilte mit, dass „Ausschreibungen für Hilfsmittel komplett verboten werden“. Der CDU-Politiker, der im Dezember um den Parteivorsitz kandidiert hatte, sprach in der Neuen Osnabrücker Zeitung von einem „Unterbietungswettbewerb, der zulasten der Patienten geht und deswegen verboten wird“.

Krankenkassen müssen künftig Rahmenverträge abschließen

Die Krankenkassen müssen künftig Rahmenverträge mit den Hilfsmittelerbringern abschließen, in denen Qualitätsstandards verankert seien, so Spahn weiter. „Genau das wollte ich erreichen“, freut sich Graf. Denn diese Kontrakte würden mit den Landesinnungsverbänden geschlossen. „Die Preisniveaus sind bundesweit unterschiedlich. Endlich wird nicht mehr alles über einen Kamm geschert, was gerade für Bayern immer sehr nachteilig war.“ Jeder einzelne Handwerker vor Ort könne nun Vertragspartner werden, für den Erdinger ein wichtiger Beitrag zur Existenzsicherung der Betriebe.

Unternehmer Rainer Graf: Mit seiner Mission noch nicht am Ende

Graf ist mit seiner Mission noch nicht am Ende. Nun nimmt er (rechtlich unzulässigen) die Openhouse-Verträge einiger Kassen ins Visier, bei denen ausschließlich diese die Bedingungen diktierten. Graf: „Hier gilt das Prinzip ,Friss oder stirb‘. Und das geht einfach nicht.“

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