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Nach dem Gaslieferstopp bei Nord Stream 1: Jetzt hofft Putin auf China

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Von: Patricia Huber

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Russlands Gas-Lieferungen in die EU sind zum Erliegen gekommen. Als neuer Zielmarkt gilt jetzt China. Doch es gibt massive Probleme.

Moskau/Peking – Russlands Gas-Lieferungen über die Ostseepipeline Nord Stream 1 sind seit mehreren Wochen eingestellt. Doch das könnte auch für Russland zum Problem werden, denn das überschüssige Gas muss irgendwo hin. Als große Hoffnung gilt hier China. Seit 2014 arbeitet Russland an der Pipeline mit dem Namen Kraft Sibiriens. Umgerechnet 55 Milliarden Euro kostete das Mega-Projekt bisher – ungefähr fünfmal so viel wie die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2.

Gas: Russland möchte 50 Milliarden Kubikmeter nach China liefern

Als Nächstes soll dann die Pipeline Kraft Sibiriens 2 folgen. Sie werde die Ostseepipeline Nord Stream 2 ersetzen, sagte der russische Energieminister Alexander Nowak am Donnerstagabend (15. September) im russischen Fernsehsender Rossija-1. Am Rande des Gipfeltreffens der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit in Usbekistan sagte Nowak, Russland werde 50 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich an China liefern.

Die Verträge würden in Kürze unterzeichnet, sagte Nowak in Usbekistan. 50 Milliarden Kubikmeter entsprächen ungefähr der maximalen Kapazität der Pipeline Nord Stream 1 – 55 Milliarden Kubikmeter. Durch die Leitung fließt seit September kein Gas mehr nach Europa. Russischen Angaben zufolge wegen technischer Probleme, was der Westen für vorgeschoben hält. Nord Stream 2 ist wegen des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine nicht in Betrieb genommen worden.

Baustart für die Kraft Sibiriens 2 soll im Jahr 2024 sein, sagte Nowak weiter. Durch die Pipeline Kraft Sibiriens 1 fließt seit 2019 Gas von der russischen Republik Jakutien nach China. Der Energieminister kündigte an, die Lieferungen durch die Pipeline würden erhöht, um 20 Milliarden Kubikmeter pro Jahr zu erreichen. Der Anschluss des Feldes Kowitka nahe des Baikalsees im kommenden Jahr werde dies erleichtern.

Gas-Lieferungen nach China: Mongolei könnte zum Problem werden

Doch so vielversprechend all das auch für Russland klingen mag – es gibt ein paar Haken an der Sache. Denn zwischen Russland und China erstreckt sich auch noch auf etlichen Kilometern die Mongolei. Die Route der zweiten China-Pipeline könnte also entweder westlich oder östlich entlang der Mongolei führen – oder eben mitten durch. Doch als Transitland hätte die Mongolei die Macht, den Gasfluss zu stoppen. Außerdem müsste der Energiekonzern Gazprom dann Transit-Gebühren an das Land bezahlen, berichtet das Handelsblatt.

Es gibt zudem noch einen weiteren Grund, weshalb China nicht der beste Ersatz für Gaslieferungen ist. Denn das Land ist nicht abhängig von der großen Gasliefermenge aus Russland. Daher habe es mehr Macht über die Preisgestaltung, erklärt Kirill Rodionow, Experte vom Moskauer Institut für die Entwicklung von Technologien im Energiesektor dem Handelsblatt. Damit würde Russland mit den Lieferungen nach China deutlich weniger einnehmen, als mit den Energielieferungen in die EU. (ph/dpa)

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