10.000 Stellen in Gefahr

Führungschaos bei der Commerzbank: Zehnstündige Sondersitzung bringt ein wenig Klarheit 

Commerzbank
+
Commerzbank-Filiale: Konzern steht vor harten Einschnitten.

Bei der Commerzbank ist die Lage extrem angespannt. Der Konzern steht vor einem drastisch verschärften Sparprogramm und braucht neue Chefs. 

  • Heute tagt der Aufsichtsrat der Commerzbank.
  • Investoren machen Druck auf das Unternehmen.
  • 10.000 Stellen stehen auf dem Spiel.

Update vom 8. Juli, 20.44 Uhr: Fast zehn Stunden dauerte die Sondersitzung des Commerzbank-Aufsichtsrates am Mittwoch. Danach stand fest: Commerzbank-Chef Martin Zielke wird spätestens zum Ende diesen Jahres zurücktreten. Das Kontrollgremium habe die einvernehmliche Aufhebung von Zielkes Vertrag beschlossen, hieß es weiter. 

Zielke habe sich bereiterklärt, „bis zur Berufung eines Nachfolgers die Geschäfte der Bank in vollem Umfang weiterzuführen“. Wer Zielke nachfolgt und somit bei dem teilverstaatlichten MDax-Konzern weitere Einsparungen vorantreibt, blieb zunächst weiterhin unklar - ebenso, wer den Aufsichtsrat künftig führen wird. 

Am Freitag hatten überraschend sowohl Konzernchef Zielke als auch der Aufsichtsratsvorsitzende Stefan Schmittmann ihren Rücktritt angekündigt. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ will jedoch keiner der amtierenden Aufsichtsräte neuer Vorsitzender des Kontrollgremiums werden.

Update vom 8. Juli, 17.45 Uhr: Bei der Commerzbank dauert die Sondersitzung des Aufsichtsrats am Mittwoch unerwartet an. Auch am späten Nachmittag war noch unklar, wer den scheidenden Aufsichtsratsvorsitzenden Stefan Schmittmann ablösen soll. Auch bei der Suche nach einem Kandidaten für die Nachfolge des ebenfalls scheidenden Commerzbank-Chefs Martin Zielke zeichnete sich zunächst keine Lösung ab. 

Schmittmann und Zielke hatten am vergangenen Freitag überraschend ihren Rückzug angekündigt und das Geldhaus damit in eine unerwartete Führungskrise gestoßen.

Sparprogramm: Commerzbank-Aufsichtsrat berät über neue Führungsspitze – 10.000 Stellen in Gefahr

Erstmeldung vom 8. Juli:

Frankfurt - Nach dem überraschenden Rücktritt von Commerzbank-Chef Martin Zielke (57) und Chef-Aufseher Stefan Schmittmann (63) am vergangenen Freitag werde sich der Aufsichtsrat auf seiner Sitzung heute vor allem mit möglichen Nachfolgekandidaten beschäftigen, heißt es. Erst wenn die Führungsfragen geklärt seien, könne man die künftige Ausrichtung der Bank angehen, berichten mehrere Medien übereinstimmend. 

Die Zeit drängt. Der Vertrag von Zielke soll spätestens zum Jahresende aufgelöst werden. Bei seinem Abgang will Zielke offenbar 1,5 Millionen Euro verzichten. Als mögliche Chef-Nachfolger gelten Firmenkunden-Vorstand Roland Boekhout sowie Finanzvorständin Bettina Orlopp. Chef-Aufseher Schmittmann will sein Mandat bereits zum 3. August niederlegen. 

Commerzbank droht Kahlschlag-Programm 

Auf die neue Führungsspitze warten weitreichende Entscheidungen. Berichten zufolge steht die Commerzbank vor einem Kahlschlag. Intern kursierten Pläne, die den Abbau von bis zu einem Viertel der knapp 40.000 Vollzeitstellen vorsehen. Gleichzeitig soll das Filialnetz drastisch ausgedünnt werden. Von den rund 1000 Standorten sollen bis zu 800 zur Disposition stehen. 

Commerzbank-Investoren unzufrieden 

Zur Begründung für ihren Rückzug hatten Schmittmann und Zielke auf die anhaltende Kritik von Investoren verwiesen. So hatte der US-Finanzinvestor Cerberus der Führung vorgeworfen, „über Jahre eklatant versagt“ zu haben. Mit einem Anteil von fünf Prozent ist Cerberus der zweit-größte Commerzbank-Aktionär hinter dem Bund. Auch bei anderen Investoren war der Unmut über das Management zuletzt gewachsen. 

Zielke hatte bei seinem Rückzug am Freitag selbst eingeräumt, dass die im vergangenen September beschlossenen Sparmaßnahmen nicht ausreichten, um die Bank im Zinstief profitabler zu machen. Im Zuge des Restrukturierungsprogramms „Commerzbank 5.0“ sollten bis Ende 2023 insgesamt rund 2300 Stellen gestrichen werden. Zugleich hatte die Bank angekündigt, 200 der rund 1000 Filialen dicht zu machen.  Investoren ging das nicht weit genug. Auch Analysten halten härtere Einschnitte für überfällig und verweisen auf das Umfeld. 

Schwieriges Umfeld 

Wegen der anhaltenden Niedrigzinsen ist die Ertragslage bei vielen Banken angespannt. Durch die Corona-Epidemie spitzt sich die Lage nun weiter zu. Im Herbst könnte vielen Unternehmen die Luft ausgehen, befürchten Volkswirte. Dann drohen den Banken reihenweise Kreditausfälle. Alleine beim insolventen Zahlungsdienstleister Wirecard müssen sich die Frankfurter auf Abschreibungen von 200 Millionen Euro einstellen. Bis sich die Lage bei der Commerzbank also wieder einigermaßen entspannt, könnte es noch dauern.

Auch interessant:

Meistgelesen

Kabinett beschließt schärfere Regeln für Fleischbranche
Kabinett beschließt schärfere Regeln für Fleischbranche
Tourismusbeauftragter: Reisen darf nicht zur Gefahr werden
Tourismusbeauftragter: Reisen darf nicht zur Gefahr werden
Puma rutscht wegen Corona in die roten Zahlen
Puma rutscht wegen Corona in die roten Zahlen
BMW baut Batteriezellen-Fabrik: Diese Gemeinde aus der Nähe von München macht das Rennen
BMW baut Batteriezellen-Fabrik: Diese Gemeinde aus der Nähe von München macht das Rennen

Kommentare