Zentrale in München bereits geschlossen

Linde AG: Drastischer Stellenabbau in Deutschland - Hunderte Jobs in Gefahr

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Linde AG kündigt Stellenabbau an: Vorstandsvorsitzender Steve Angel

Der Gasekonzern Linde hat im vergangenen Jahr mehr Profit gemacht und will dieses Jahr noch eine Schippe drauflegen. Wo es hakt, wird gespart. Die IG Metall befürchtet sogar „mittelfristig Kahlschlag“.

  • Der deutsch-amerikanische Linde-Konzern mit Sitz in Pullach will 850 Stellen in Deutschland streichen. 
  • Die Gewinne des Unternehmens stiegen gegenüber dem Vorjahr leicht. Doch die Allgemeine Situation für das deutsche Gasgeschäft schwächele, so die Argumentation.
  • Die IG-Metall sieht die Verantwortung für den Stellenabbau in kurzfristigem „Shareholder-Denken“. 

Pullach - Der deutsch-amerikanische Linde-Konzern hat im vergangenen Jahr trotz schwacher Konjunktur mehr Gewinn gemacht - und einen Stellenabbau im deutschen Gasegeschäft angekündigt. Der aus den USA angereiste Vorstandschef Steve Angel sagte am Donnerstag in Pullach bei München: „Es wird auf jeden Fall Anpassungen geben.“

Der bayerische IG-Metall-Chef Johann Horn befürchtet, dass bis Ende nächsten Jahres 850 der 7000 Stellen in Deutschland gestrichen werden. Angel sagte: „Ich will nicht auf diese Zahlen eingehen.“ Aber die deutsche Industrie und damit auch das deutsche Gasegeschäft schwächelten: „Es wird Stellenkürzungen geben.“ In Pullach dagegen sitze der Anlagenbau, und der habe gerade „ein historisch gutes Jahr gehabt“. Hier würden eher Stellen aufgebaut - obwohl der Standort mit 3300 Arbeitsplätzen dreimal größer sei als jeder andere Standort des Konzerns.

Linde in Pullach: Fast 1000 Stellen sollen in Deutschland gestrichen werden - Münchner Zentrale bereits geschlossen

Der Konzernumsatz blieb im vergangenen Jahr mit 28,2 Milliarden Dollar fast unverändert, aber das um Fusionskosten bereinigte Betriebsergebnis stieg um 10 Prozent auf 5,27 Milliarden Dollar. Angel stellte rund zehn Prozent mehr Gewinn je Aktie auch im laufenden Jahr in Aussicht. Die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen dürften zwar noch etwas schwieriger werden. Aber Linde habe volle Auftragsbücher und werde effizienter werden. Nach der Fusion 2018* hatte die Linde AG vorerst weniger Stellen abgebaut als geplant gewesen war. Bereits damals hatte man aber nur bis 2021 eine Beschäftigungsgarantie für einige Standorte ausgesprochen. Diese läuft am Ende des Jahres ab. 

Der bayerische IG-Metall-Chef Horn sieht die Befürchtungen der Gewerkschaften bestätigt. In den Vorjahren seien fast 1000 Stellen gestrichen worden, jetzt kämen 850 dazu, Deutschland sei besonders betroffen. „Angesichts des neuen Shareholder-Stils müssen wir befürchten, dass das noch nicht das Ende der Abbaupläne ist. Linde droht mittelfristig ein Kahlschlag“, sagte Horn der dpa.

Hauptaktionäre sind angelsächsische Investoren. Horn kritisierte: „Das kurzfristige Shareholder-Denken ist an die Stelle einer nachhaltigen, strategischen Unternehmensplanung getreten“. Im Vordergrund stehe die Senkung von Fixkosten, Aufträge würden weltweit im Konzern verschoben. „Die Kolleginnen und Kollegen in Deutschland stehen unter großem Druck, dass Produkte und Aufträge an den Standorten bleiben.“

Linde/Pullach: Stellenabbau im deutschen Gasgeschäft - 850 der verbleibenden Linde-Stellen in Deutschland in Gefahr

Linde ist breit aufgestellt und beliefert alle Branchen: Öl-, Chemie- und Metallindustrie sowie Lebensmittelhersteller oder Krankenhäuser. Den Löwenanteil seiner Umsätze und Gewinne erwirtschaftet Linde in Amerika, jeweils gut 20 Prozent kommen aus Europa und Asien.

Die Linde AG und der kleinere, aber profitablere US-Konkurrent Praxair hatten sich 2018 zum Weltmarktführer für Industriegase zusammengeschlossen. In Deutschland beschäftigt die neue Linde plc. rund 7000 Mitarbeiter, weltweit 80.000. Die alte Linde-Zentrale in München wurde im Dezember geschlossen, die verbliebenen 200 Mitarbeiter zogen nach Pullach um.

*Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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